You Spin Me Right Round

“Laufen im Winter in der warmen Niederlausitzhalle beim Hallenmarathon.” Spuckt Googel aus. Geil! Für mich als Minusgrade-Weichei genau die richtige Möglichkeit, mitten im Januar einen Wettkampf zu laufen. Etwa um die 16 Grad in der Halle. Mit steilen Anstiegen sollte ebenfalls nicht zu rechnen sein. Urlaub hab ich in dieser Woche zufällig auch – also schnellstens für den Mitternachts-Halbmarathon angemeldet. Geil! Oder? Scheiße! Was hab ich getan?? Ich liebe doch das Laufen durch die Natur. Landschaftsläufe wie der Oberelbe-Marathon und am besten noch mit 1000 Metern freie Sicht nach vorn. Und jetzt? Hole ich mir einen Drehwurm. 21 Kilometer oder 85 Runden auf einer ovalen 250 Meter Bahn mit überhöhten Kurven.  Egal. Zum Glück bin ich verrückt! Ich freue mich schon aus dem Grund, nach dem Untertagelauf im Januar 2015, auch 2016 wieder einen “Crazy Run” im Winter gefunden zu haben. Außerdem war noch nie ein Lauf mit so vielen Verpflegungspunkten ausgestattet. :D

Der Hallenmarathon in Senftenberg ist eigentlich ein ganzes Lauf-Wochenende. Angeboten werden Läufe zwischen 250 Metern und einem 50 Kilometer Ultra Marathon. (2017 ist sogar ein 100 Kilometer Ultra möglich!!!) Durch die guten Bedingungen in der Niederlausitzhalle wurden hier in der Leichtathletik viele Weltklasseleistungen erzielt, die bis heute als deutsche Rekorde Bestand haben.

Angekommen an der Halle sind wir um 10 Uhr am Morgen bei  Schneefall und Minusgraden. Das erste Empfinden im Inneren war “angenehm warm”. Ersteinmal. Die Halle war mit viel Liebe zum Detail hergerichtet. Lichterketten, Strahler, Laser und Spotlights erzeugten regelrechte Partystimmung. Fast erschrocken bin ich vor der Überhöhung in den Kurven. Ich hatte zwar davon gelesen, so stark hatte ich es allerdings nicht erwartet. Darauf komme ich gleich noch einmal zurück.
Beim 10km Lauf bekam ich einen Eindruck, wie “eng” es auf der Bahn wird, wenn 75 Läufer auf der Strecke sind. Beim durchschauen der Startliste ist mir aufgefallen, dass manche Starter für jeden Wettbewerb gemeldet waren. JEDEN! 3, 5, 10, 21, 42 und am nächsten Morgen die 50 Kilometer! Das sind wohl die Erfinder von “alleBekloppt”! Und Hut ab vor der Leistung! Die Musik in der Halle war so früh am Tag eine Art Schlagerparade. Naja – das machte mir ein wenig Angst. (O-Ton Angstzentrum: Atemlos durch die Nacht.) Mit der Anmeldung für seinen Wettbewerb, hatte man drei Musikwünsche frei. Bei meinem Lauf war der Schlagerpegel glücklicherweise sehr gering. Schneller Techno, HipHop und ordentlicher Rock waren gut gemischt. Den Tag wollten wir nutzen um uns Senftenberg anzusehen, denn der Halbmarathon startete erst kurz vor Mitternacht.

Am Abend war es in der Halle noch etwas wärmer geworden. Wie ich später feststellte, war scheinbar auch weniger Sauerstoff in der Luft. Die Stimmung stieg und die Freude war groß als ich mich endlich zum Start aufstellen konnte. Im Läuferfeld umgesehen, habe ich mich angesichts meiner derzeitigen Leistung, im letzten Drittel eingeordnet. Meine ausgedruckte Rundenzeitentabelle war relativ nutzlos. Im dunklen war der Blick auf die Uhr am Handgelenk nicht so einfach.

5 – 4 – 3 – 2 – 1 LOS!! Die Meter bis zur ersten Kurve wollte ich Vollgas geben um den Stau zu vermeiden. Die Idee hatten aber alle anderen auch und so musste ich schon in die erste Kurve auf Bahn 3. Nach ein/zwei Runden lockerte es ein wenig mehr auf. Das Läuferfeld zog sich überraschend schnell in die Länge. Ich war recht gut dabei. Wie mir Anja hinterher sagte sogar bis kurz vor Schluss in den besten 10.
Die Bahn war angenehm zu laufen. Griffig und doch weich. Abgelenkt durch Überholvorgänge vergingen die ersten 40 Runden recht flott und gleichmäßig. Dann machte sich aber die trockene Luft bemerkbar. Ich trinke bei einem Halbmarathon fast nie. (außer es sind 30 Grad im Schatten) In der zweiten Hälfte musste ich ganze 4 mal an den Verpflegungstischen Tempo raus nehmen. Gut dass man alle 250 Meter einen Verpflegungspunkt hatte! ;) Konnte man frei durch die Kurven laufen, hatte man ganz innen eine etwa 50cm breite Bahn die eben war. Das Vergnügen hatte ich allerdings nicht allzu oft. In zweiter, teilweise sogar auf der dritten Bahn ging es durch die überhöhten Kurven um andere Läufer zu überholen. Das bekam ich im Oberschenkel gegen Ende immer mehr zu spüren. Außerdem ruschte mein Fuß im Schuh, in den Kurven nach innen. Unangenehm. Ich schätzte mich gegen Ende gar nicht so schlecht ein. “In der ersten Hälfte bin ich bestimmt.”
Deswegen habe ich es mir in den letzten 10-15 Runden auch gegönnt nicht mehr in den Kurven zu überholen. Gegönnt? Hm, …naja, … ich konnte nicht mehr … trifft es auch. Beim durchsehen der Rundenzeiten und der Ergebnisse ist mir dann aufgefallen dass genau das “nicht mehr überholen” mich aus den Top10 geworfen hat und mir den Sieg in der Altersklasse gekostet hat. Aber egal! Es wär nicht mehr gegangen! Außerdem bin ich mit meiner Zeit, Gesamt Platz 13 und AK Platz 2 sehr zufrieden!
Die Rundenanzeige, die den Läufern die Zeit und die noch zu laufenden Runden anzeigt, hätte etwas sichtbarer angebracht werden können. Wenn man in einem Bulg über die Zeitmessung läuft, ist es fast unmöglich sich im vorbeirennen zu finden. Mir persönlich wäre eine Anzeige der “noch zu laufenden Kilometer” lieber gewesen als die verbleibenden Runden. Die schönste Angabe hinter meiner Startnummer war definitiv “Noch 1 Runde” :D Sonst kann ich den Hallenmarathon in Senftenberg aber nur loben! Organisation, Verpflegung, Zustand der Halle, Musik und Lichtshow – sehr gut!

Starke Vorbereitung

Habt ihr euch auch schon angemeldet für einen der Fisherman’s Friend StrongmanRuns 2016? Gelegenheiten bieten sich in diesem Jahr so viele wie nie zuvor. Das Jahr beginnt gleich mit zwei Premieren. GO HEAVY! heisst es am 16. April in Wacken! UND zum ersten mal ist es möglich, sich beim Fisherman’s Friend StrongmanRun auf einer “Kurzstrecke” über 10km zu versuchen. Die ideale Möglichkeit das berüchtigte StrongmanRun-Feeling zu bekommen, auch wenn ihr euch noch nicht über die vollen 20km traut! (Die Kurzdistanz wird übrigens dieses Jahr bei jeder Austragung angeboten!)
GO BIG! …ist die perfekte Beschreibung für das Original. Am 21. Mai startet der legendäre Lauf in der “grünen Hölle” auf dem Nürburgring. Ich prophezeie euch einen Run, den ihr nie vergessen werdet!sportograf-59546056_lowres
Mein Fisherman’s Friend StrongmanRun Highlight steigt am 20. August. GO DARK! Der Startschuss fällt in Ferropolis erst nach Einbruch der Dunkelheit. Wer glaubt, läuferisch schon alles erlebt zu haben, sollte “in der Stadt aus Eisen” unbedingt am Start stehen!

Im letzten Jahr war der StrongmanRun am Nürburgring mein erstes Mal. In der Vorbereitungszeit schwankte meine Gefühlslage zwischen Euphorie, Respekt und Schiss. Auf jeden Fall hatte ich aber einen mordsmäßigen Bock darauf diesen berühmt-berüchtigten Hindernislauf zu finishen!
11850612_1104702936225749_3445980461366331660_oIch wusste nicht genau was auf mich zukommen wird, also wusste ich ebenso wenig, wie ich mich ideal vorbereiten sollte. Als Kontrollfreak hatte ich fast jede Minute Videomaterial auf Youtube gesichtet um festzustellen, ein normales Lauftraining reicht hier nicht. Wie meine Mischung aus Kraft- und Lauftraining ausgesehen hat, werde ich euch hier in den nächsten Wochen zeigen. Was ihr bis dahin machen könntet? …euch anmelden! Den eigenen Namen in der Startliste lesen motiviert auch schon. Mit dieser Motivation rocken wir den Fisherman’s Friend StrongmanRun 2016 zusammen! Achja, und folgt diesem Blog oder meinem twitter-Account >> um nix zu verpassen. ;)

Mein 2015

Okay … dann eben nicht. Keinen Jahresrückblick von mir. Nach einem so ereignissreichem Jahr ist es aber regelrecht Pflicht! Die anderen haben zum Teil schon vor einem Monat zurückgeblickt. Und ich? Ich kann mich nicht entscheiden was mein persönliches Highlight für 2015 war. 2200 Jahreskilometer und keinen Favorit?! Damit wollte ich diesen Blog-Beitrag beginnen. Aber dann eben nicht. Kein Jahresrückblick im Rankingshow-Superlativen-Stil. Eigentlich war es für mich auch ein Jahr der ersten Male.

Kristallmarathon Merkers – 10km – Zum ersten Mal Untertage. Werde ich nie vergessen. Warm, anstrengend, anders! Zum ersten Mal als Team O.S.T. Stuber Lugau

Citylauf Dresden – 10km – Ziemlich cool wenn du beim Warmlaufen die Hahner Zwillinge triffst.

Oberelbe Marathon – HM – Super organisiert! Klasse Frühlingswetter! Pflichtprogramm :)

Oederaner Lauftag – 10km – Zum ersten Mal mit Trail Schuhen.

fisherman’s friend Strongmanrun am Nürburgring – Zum ersten Mal einen Strongmanrun. Dank Brooks und dem RunHappy-Team angefixt. Strongmanrun? Machmer mal wieder! Sollte nicht der letzte gewesen sein in 2015.

Adelsberglauf – 10km –

Brooks Run-Happy-Tour – 8km – Zum ersten Mal bei einer Guerilla Lauf Veranstalltung. 2015 war mein “RunHappy-Team Jahr”. Unglaublich coole Leute kennengelernt!

Elstertal Marathon – HM – Zum ersten Mal auf`s Altersklassen-Treppchen bei einem Halbmarathon.

Chemnitz Marathon – HM – Hitzeschlacht! Ich fand`s geil!

Heidelberglauf – 10km –

fisherman’s friend Strongmanrun Ferropolis – Der Weltweit erste Hindernislauf bei Nacht. Wiedersehen mit dem RunHappy-Team und … wir kommen 2016 wieder zum Stronmanrun!!!

Stauseelauf Rabenstein – 10km – Zum ersten Mal auf Platz 1 der Altersklasse! Unfucking fassbar!

Baden Marathon Karlsruhe – HM – Zum ersten Mal gezweifelt, ob ich überhaupt einen einzigen Kilometer schaffe. Mit blauer Zehe den geilsten Stadtrundgang ever! Durchgelaufen, keine Schmerzen – BAMM! Übrigens … der leckerste Runners Heaven in Karlsruhe!

Magdeburg Marathon  – Mein erster Marathon. Zum ersten Mal Feuerwerk im Kopf!

Glauchauer Herbstlauf – 10km – Zum ersten mal verarscht worden. ( Etwa 2 Kilometer vor dem Ziel werde ich angesprochen “Wir laufen das gleiche Tempo … komm wir laufen die Lücke nach vorn zusammen zu!” Ich wollte eine Woche nach Magdeburg keine Bestzeit laufen. Zu zweit werden die 200-300 Meter nach vorn schnell “zu” sein. Mitgeholfen hat mein neuer Freund kein bisschen. 500 Meter vom dem Ziel waren wir dran. Das Ende vom Lied – alle haben mich überspurtet. Selbst mein eben noch so schlapper Mitläufer drängelt sich rotzfrech vor der Zeitnahme an mir vorbei. Platzierung und Zeit waren mir hier nicht wichtig. Trotzdem sollte ich mir das merken! ;) )

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Danke Anja! Danke Sandra & Mario! Danke O.S.T. Stuber Lugau! never change a winning team!

 

 

Hallo Herr Nachbar

Ich will euch mal von Mike erzählen. Mike wohnt im Erdgeschoss. Er ist einer von den “Hallo!-Alles-gut-bei-euch?” Nachbarn. Wenn man sich zufällig im Haus trifft, hat man kurze 5 Minuten Gespräche. Ein wenig mehr als Smalltalk. Ein Nachbar, der absolut in Ordnung ist. Man könnte ja sogar mal zusammen ein Glas Wein … … wenn die knappe Zeit nicht wäre.
Mike hat natürlich auch als einer der Ersten mitbekommen, dass ich mit einem Mal sportlicher werden wollte. Ab und zu kam er mir sogar in seinem “Dienstwagen” entgegen während ich auf meiner Lieblings-Laufstrecke war oder mit dem Fahrrad unterwegs gewesen bin.
Mike ist beruflich Fahrer von einem Notarztwagen. Rettungssanitäter, sagt man glaub` ich.

Irgendwann hatte er mal ein Packet für uns entgegen genommen. Fast nebenbei sagte er mir beim abholen “Irgendwann werde ich mal zu einem Einsatz fahren und werde dich dort aus dem Straßengraben ziehen müssen, weil dich einer umgefahren hat.” Er hätte mich am Tag zuvor mit dem Rennrad gesehen. “Ahh quatsch, ich pass doch auf.” War meine Antwort ohne darüber nachzudenken. fb_promo_train_alone_Run
Der Satz ist mir erst viel später wieder eingefallen. Was ist, wenn ich jetzt hier einfach umfalle oder mich einer über`n Haufen fährt?? Hm … Mal ganz ehrlich, seinen Ausweis hat doch eigentlich keiner dabei wenn er allein zu seiner langen Laufrunde aufbricht. Ich will keine Szenarien aus der Phantasie aufbauen. Trotzdem hätte ich schon ganz gern, dass Freundin und Familie schnellstmöglich benachrichtigt werden können.

Im Netz bin ich dann auf Safesport ID gestoßen. Safesport ID ist ein Identifikationsarmband, das du mit deinen “vitalen” Daten personalisieren kannst. Es besteht aus einem Silikon Armband und einer ID Platte aus rostfreiem Stahl und wurde für die anspruchsvollsten Sportarten entwickelt. Es ist so bequem und leicht, dass du es täglich tragen kannst, auch wenn du gerade keinen Sport machst. Ideal auch für Kinder, ältere Menschen und Personen die leicht verloren gehen können. Media_PROforest_Wlogo
Im Falle eines Unfalls können dich die Rettungsdienste sofort identifizieren, die von dir angegebenen Kontakttelefonnummern verständigen, deine möglichen Allergien, Krankheiten und andere Daten, die du angegeben hast, erkennen. Ein schneller Zugriff auf diese vitalen Daten kann dir in Notsituationen sehr nützlich sein.
Safesport ID kann online auf www.safesportid.de bestellt werden und wird weltweit versandt, innerhalb von 6 Werktagen innerhalb Europas und 10 Werktage für den Rest der Welt.

Mike ist leider vor ein paar Monaten umgezogen. Aber ich denke er würde mein Armband ziemlich gut finden. ;)

 

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BLOGGER FÜR DEN FISHERMAN’S FRIEND STRONGMANRUN 2016!

Yeah! Ab heute gehöre ich ganz offiziell zu den Fisherman’s Friend StrongmanRun Bloggern 2016! Als ich mich im Mai 2015 zum ersten mal, beim StrongmanRun am Nürburgring an den Start stellte, war das noch undenkbar! Nach dem Nürburgring habe ich auch den Weltweit erste Hindernislauf bei Nacht in Ferropolis absolviert und gefinisht. Wenn man sich als Neuling beim Fisherman’s Friend StrongmanRun an den Start stellt, ist das Erste was einen ewig in Erinnerung bleibt, die Party vor dem Start. Bei keinem Lauf auf Asphalt erlebt man dieses Gemeinschaftsgefühl. Ob bei Tag am Nürburgring oder Nacht in Ferropolis, die Mischung aus Spaß und Herausforderung macht süchtig nach dem nächsten StrongmanRun! Ich werde von meinen Vorbereitungen für 2016 berichten und hoffe, den einen oder anderen infizieren zu können! Du wirst es nicht bereuen!

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Ich kann Marathon!

Im Dezember 2014 war der Entschluss gefasst einen Marathon zu laufen. Um keinen Rückzieher mehr machen zu können, wird sich auch gleich angemeldet. Bis Oktober 2015 war noch weit hin. Die Lage war also noch lange nicht ernst. Trainingsplan klebte schon seit dem Frühjahr 2015 an der Wohnungstür (um jeden Tag daran vorbei zu müssen). Ein Countdown auf dem Telefon zählte von Anfang an die Tage rückwärts. Die ersten Wochen vom Trainingsplan waren noch recht easy. Trotzdem: Woche 1 bis 3 = Wochenkilometer 0 (Null)! Die Ferse hatte mächtig gezwickt. Panisch und wütend auf meinen rechten Fuß war ich kurz davor mich auf den Halbmarathon zurückzustufen. Der Fisherman’s Friend StrongmanRun in Ferropolis war mein erster Lauf nach dieser Zwangspause. Es lief recht zäh, aber wenn ich den Strongmanrun überstehe, kann ich mich auch auf den Marathon vorbereiten. Ich habe mich, bei den langen Trainingsläufen durch sommerliche Hitze gekämpft, aber auch mehrfach durch kühlen Dauerregen. Der letzte Longrun über 36km verlief so positiv, dass ich mich bereit fühlte, den Marathon zu versuchen. Ankommen! Wenigstens dieses eine mal die 42,195km laufen. Notfalls die letzten Kilometer “wandernd”. Ich habe mit keiner Zielzeit geplant. Verläuft alles wie im Training, sollte es möglich sein unter 4 Stunden zu bleiben. 6 Tage vor dem großen Tag … SCHNEE! … Shit! Glücklicher Weise besserte sich das Wetter noch zu perfekten Bedingungen. 12 Grad, trocken, wolkig, nahezu kein Wind.

Am Tag vor dem Magdeburg Marathon haben wir unsere Startunterlagen abgeholt. Beim Anblick des Zielbogens war es mit der inneren Ruhe gänzlich vorbei. w20151018_084046Die Strecke war kleinlichst begutachtet. G.A.M. (google assistant memories) Kontrollfreaks eben. In Kombination mit meinem Schwesterherz war uns so gut wie jeder Streckenteil bekannt. Allerdings ohne je da gewesen zu sein.

Raceday! 3,5 Stunden vor dem Lauf klingelt der Wecker. Alles liegt bereit, innerhalb von wenigen Minuten könnte es losgehen. Da ein gutes Frühstück wirklich wichtig ist treffen wir uns bei “Griesgram dem Groben” (insider), um auch die letzten Speicher zu füllen. Irgendwie fällt mir das Schlucken nicht mehr so leicht. Anspannung macht sich mächtig breit. …oder Angst? Die letzten 30 Minuten vor dem Start verfliegen nahezu. Ich habe mich gut eingeordnet unter den Startern. Ich muß fast niemanden überholen, alles um mich herum läuft “mein” Tempo. Die ersten Kilometer gehen durch die sehenswerte Magdeburger Innenstadt. Entlang der Elbe, vorbei am Magdeburger Dom und am Huntertwasserhaus. Ich bin so oft abgelenkt, dass ich mich mehrmals auf jedem Kilometer bremsen muss um nicht unter eine 5er Pace zu kommen. Bei Kilometer 8 stehen meine Freundin Anja und mein Neffe Cedric und feuern uns an. Das motiviert noch einmal. Wenn wir uns das nächste Mal sehen, dann nur wenige Meter vor meinem großen Ziel.

Die Strecke führt weiter durch den Elbauenpark. Ich bin in Fahrt und habe einen guten Rhythmus gefunden. Nichts zwickt, drückt oder reibt irgendwo. Etwa bei Kilometer 21 kommt der berüchtigte Weinberg. Viel darüber gehört und gelesen war dieser Anstieg, ein bedrohliches Fragezeichen. Das mittlerweile sehr lang gezogene Läuferfeld hat sich an diesem Berg tatsächlich zerrissen. Ich fand den “Rummel”, der um diesen “Berg” gemacht wird völlig übertrieben. Direkt danach kam ein kurzer giftiger Anstieg hinauf zum Wasserstraßenkreuz Hohenwarthe, der längsten Kanalbrücke Europas. Auf dieser Trogbrücke war ich noch einmal so abgelenkt, dass meine Pace wieder unter 5 Minuten viel. Bei Kilometer 25 kam die Wende. Wieder auf der Kanalbrücke, zurück Richtung Magdeburg sah ich als erstes Mario auf der anderen Seite. Ebenfalls sehr gut unterwegs, ich schätzte nichtmal 5 Minuten hinter mir. Keine weiteren 5 Minuten später sah ich dann Sandra auf der anderen Kanalseite. Ebenfalls beide Daumen nach oben und sehr locker laufend. Wir waren alle viel besser unterwegs als im besten Fall geglaubt. Funfact: Aus meiner Playlist habe ich die H-Blockx im Ohr – fühle mich allein (reichlich 50 Meter vor und hinter mir keiner) – bestens gelaunt singe ich sogar mit – “How do you feel? How do you feeeeel?” – Oh! Zwei DRK`ler versteckt – mit breitem Grinsen. Ups :-D

Weiter geht`s über Lostau und die Elbwiesen zum Herrenkrug. Ein etwa 10 Kilometer langes Stück wovor ich viel Respekt hatte. Lange Stücken mit weiter Sicht nach vorn. Bei km 36 habe ich mein letztes “Notfallgel” noch verspeißt. wMDM15KK076000_0363Mit diesem positiven Kick für den Kopf, konnte ich jetzt auf mehrere Läufer vor mir auflaufen und so bestimmt noch 10 Plätze gut machen. Bei der letzten Verpflegungsstation am Herrenkrug waren dann aber fast alle Körner aufgebraucht. Ich habe mit großer Anstrengung versucht eine 5,30er Pace zu halten, was aber kaum noch gelang. Los! Noch 2 Kilometer schleppen! 3 Stunden 45 Minuten sind definitiv drin! Ich hab mich keuchen hören. Deichkind und “Denken Sie Groß” im Ohr. Innerlich musste ich lachen. Äußerlich dürfte aber nichts angekommen sein. Kilometer 41. Zeit die Musik aus den Ohren zu nehmen. Viele Zuschauer die ununterbrochen klatschten auf den letzten Metern. Ist das Geil! In der letzten Kurve seh ich Anja. Zeit für einen Kuß muß sein! Schließlich hat sie meinen ganzen Vorbereitungszirkus ertragen müssen. Danke mein Marathonengel! Dann der Blick zum Zielbogen. 100 Meter jubelde Zuschauer. Was? Für mich? Ich merke wie sich eine Träne im Auge sammelt. HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! Sagt er und hängt mir die Finisher-Medaille um. Sch… die Wand an! Ich bin einen Marathon gelaufen!! Vor drei Jahren 110 Kilo auf der Wage. Sport war was im Fernsehen. Unfucking fassbar! 3 Stunden, 40 Minuten und 21 Sekunden. Bevor meine Gedanken noch mehr Sachen hervorbrachten hörte ich meinen Namen. RONNY!! … meine Eltern! Extra für den Zieleinlauf von Chemnitz nach Magdeburg gekommen. Ich habe mich unbeschreiblich gefreut. Mein erster Marathon. Das war mir so wichtig. Ich hätte nicht gedacht, dass sie die Größe der Bedeutung für mich so einschätzen können. Ich liebe euch! Die Zeitabstände zu Mario und Sandra sind seit der Kanalbrücke etwa gleich geblieben. Für sie ist unsere Marathonpremiere ebenso gut gelaufen wie für mich. (Teamwertung Platz 5!)

Und nun?! Ich bin positiv überrascht wie schnell es mir wieder gut ging. Ein leichter Muskelkater am Tag danach, aber sonst keinerlei Schmerzen. Nun heißt es einen Marathon für 2016 zu suchen. Fakt!

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Bluetoe in Karlsruhe

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Im Trainingsplan für meinen ersten Marathon über die komplette Distanz steht ein Wettkampf. Den Baden-Marathon in Karlsruhe habe ich mir ausgesucht. Entspannt über die HM-Distanz, schliesslich habe ich Urlaub und will mir nach dem Lauf noch Karlsruhe ansehen. – Entspannt.
Der Sprecher ruft die Läufer schon zum zweiten mal an den Start. Ich bin auf dem Weg! Geht heut’ nicht so schnell! Muss langsam gehen damit ich nicht humpeln muss. JA! NICHT HUMPELN MUSS! Passt irgendwie nicht wenn ich gleich 21km rennen will. „Dreh um und beende diesen Schwachsinn!“ Sagt mein Kopf. Ich kann meine Vernunft aber gut ignorieren.
(Kennt ihr das aus dem Kino? > 24 Stunden vorher) … Es hat sich ja sicher jeder schon einmal die kleine Zehe an einem Tischbein o.ä. gestoßen. Für mich war der Tag vor dem Lauf aufgrund einer bösartigen Attacke eines Sessels etwas unangenehm. Am Abend war der kleine Zeh dann so groß und blau, dass mir Angst wurde. Den Halbmarathon in Karlsruhe hatte ich bei dem Anblick fast abgeschrieben und selbst den Magdeburg Marathon, meine Premiere über 42km, sah ich gefallen … ähm … gebrochen. 20150920_170923Ich musste mir eingestehen “nee, der Schmerz wird nicht über Nacht verschwinden.” Verzweifelt wuchs der Wunsch mich zu betrinken. Zuvor wollte ich trotzdem zur Sicherheit zum Arzt. Krankenhaus, Notaufnahme, Röntgen und der erlösende Satz der Notärztin “Nur böse geprellt. Kaputt ist nix.” Yeah! Läuft bei mir! Auf die Frage, ob ich in 12 Stunden bei einem Halbmarathon starten könne, bekam ich eine lächelnde Antwort. ” Passieren kann nichts schlimmes. Das wird aber weh tun! (Zwinker, zwinker)” Nun – wenn diese Frau Doktor sagt das geht … :-

Eine Stunde Anfahrt nach Karlsruhe. Sitzen geht gut, stehen oder gar laufen … hm … autsch. Ich hatte Probleme in meinen Laufschuhen. Die kleine, in diesem Zustand doch recht große Zehe hatte keinen Platz in den Schuhen, die seitlich drückten. Zwischen allen anderen Läufern zur Ausgabe der Startunterlagen humpeln ist unbeschreiblich doof. Mir waren Filmzitate aus den Rambo-Filmen im Kopf – “Keine Schmerzen! Keine Schmerzen!” Oder “Atme in den Schmerz hinein.” Aber ich wollte starten. Es wenigstens ein/zwei Kilometer versuchen. Selbst wenn ich über zwei Stunden brauche. NEIN man kann nix erzwingen. Auch nützen meine Streckennotitzen, mein gemixtes Zaubergetränk (Powerbar Isodrink mit Scherztablette) und sonstiger Voodoo nicht viel.20150920_084717 “Noch drei Minuten bis zum Start.” Sagt der Specher. Ich bin mir sicher, man sieht mir meine Unsicherheit an (siehe Foto).

START!! Los geht`s. Autsch! Autsch! Autsch, aua, aua, au, au, … … … na hopla, … … das ist gar nicht so schlimm. Der kräftigere Abdruck mit dem Vorfuß und der großen Zehe, lässt mich mit wesentlich weniger Schmerzen laufen. Zwischenzeitlich hatte ich sogar fast gar keinen Schmerz mehr verspührt. Distanz ist eh das, was der Kopf draus macht. Läuft! Trotzdem habe ich mir Mühe gegeben nicht ganz so viel Gas zu geben, wie sonst. Nach drei, vier Kilometern viel mir ein großer Stein vom Herzen! JETZT konnte ich den Badenmarathon durch Karlsruhe genießen! Eine sehr schöne, abwechslungsreiche Strecke mit großartigen, zahlreichen Zuschauern. Im Ziel standen dann 1.39,09 auf der Uhr. Keine Bestleistung, aber mit meiner blauen Zehe eine sehr zufriedenstellende Zeit! Die ersten langsamen Schritte nach der Ziellinie riefen mir dann die Worte der Notärztin wieder ins Gedächtnis: “wird aber weh tun.” Und das tat es jetzt wieder. Aber sch**** drauf! Übrigens ist in Karlsruhe der beste runners-heaven und die beste Zielverpflegung die ich bisher erleben durfte!!