Versuch eines Laufberichts

Der Wecker klingelt. Raceday! Das ist der Tag! Augen auf, und auf der Stelle hellwach sein, dass gibt es bei mir nur an einem Wettkampf-Tag. Die letzten Wochen einen Trainingsplan abzuarbeiten und dabei auf einen bestimmten Tag hinarbeiten spannt meinen Geduldsbogen.
Ab diesem Erwachen ist fast alles minutiös geplant. Rote-Beete-Saft, Chia-Pudding und eine Banane zum Frühstück. Kleidung liegt ebenso parat wie die Startunterlagen und die Laufsachen. (GPS Uhr und mp3 zähle ich mit als Laufsachen ;) )
Dann ist endlich ABFAHRT! Mit jedem Kilometer steigt die Spannung. Jede Entfernungsangabe am Straßenrand wird in Kopf zu “Laufstrecken” umgerechnet. “Noch nen Halbmarathon und einen 10km-Lauf bis wir da sind.”
Beim Abholen der Startnummer legt sich die Angst den Start zu verpassen. Noch ne Stunde Zeit zum umziehen – alles gut! Was dann folgt ist die “am schnellsten vergehende Stunde ever!” Umziehen, kollektives “Startnummernanbasteln”, Musik in die Ohren, Toilettenpflichtbesuch (eine Dixi-Pause macht sich nicht gut in der Netto-Zeit) etwas warm laufen und schon füllt sich die Startaufstellung. Mein Ruhepuls ist jetzt, auch ohne Anstrengung, gar nicht mehr so in Ruhe.
In der Startaufstellung steigt die Anspannung. ICH WILL JETZT LOOOS!!! Noch eine Minute bis zum Start. Alle um mich herum Zappel, Springen oder stellen ihre Uhren ein. Cool rumstehen? Kaum einer! Ich hab natürlich eine Ziel-Zeit im Kopf. Aber bloß keinen verraten was man glaubt zu schaffen. Tief stapeln und wenn nötig jammern, dass es grad gar nicht so richtig läuft. Halt was alle so machen. ;)
3 … 2 … 1 … SCHUSS! (Laufcomputer >> Start)
Ab geht die Jagd. “Jagd” weil es heute nur 10 Kilometer sind. Von Anfang an volles Rohr! Das beste ist immer der Klang wenn tausend Läufer losrennen.

Foto: runnersworld.de

Foto: runnersworld.de

Da ich soviel Respekt habe, mich nicht zwischen die Stromlinienkörper in den ersten Reihen zu drängen, ist immer der erste Gedanke > Verdammt, ich könnte schneller. Lücken suchen um an anderen vorbei zu gehen. Wieder andere gehen an mir vorbei. So dauert es zwei, drei Kilometer bis sich alles sortiert und man gleichmäßig läuft. Was mir jetzt ins Ohr hämmert, würden meine Eltern bestenfalls als Lärm bezeichnen. Dank google ist selbst eine unbekannte Strecke in markannte Punkte eingeteilt. Der Kopf ist aus. Vorwärts!
In der zweiten Hälfte der Distanz kommen erste Gedanken. “Muß ich mir das antun und meiner persönlichen Bestzeit hinterherlaufen?” … ich könnte ja schließlich auch die Zuschauer und die Strecke genießen. Ich nehme das Tempo nicht absichtlich zurück. Trotzdem merke an meiner Atmung dass ich langsamer geworden bin. Also achte ich darauf nach hinten große Schritte zu machen und auf die Armarbeit. Den letzten Kilometer beherrscht die Überlegung wo ich zum Endspurt ansetzen soll um den einen vor mir noch zu überholen – oder einen anderen hinter mir zu behalten. Meine Bestzeit?! Auf dem letzten Kilometer egal. Schneller geht jetzt eh nicht mehr. IMG_20150322_204629
Die letzten 500 Meter und Schritt für Schritt steigert sich das Glücksgefühl. Jawolll..! Deswegen hab ich mich für diesen Lauf angemeldet. Die Zeit ist jetzt fast nebensächlich. Die Zuschauer vor dem Ziel applaudieren, ich höre den Sprecher schon, sehe den Zielbogen, suche Freunde & Familie unter den Zuschauern, nochmal laaange Schritte. Herzschlag auf maximal … Ziel … (Laufcomputer >> Stop) … GEIL!!!
Das “Herzlichen Glückwunsch” mit dem umhängen der Finishermedalie unterbricht ein wenig mein “den Augenbick genießen”. Trotzdem trage ich diese ziemlich stolz noch ein paar Minuten um den Hals. Meine Ziel habe ich mit 41.05 Minuten nicht ganz geschafft. Meine persönliche Bestzeit habe ich um etwas über 20 Sekunden verbessert. Bei den 10km Läufen nehme ich nichts an den Verpflegungsständen. Darum sagt mir mein Körper beim Anblick des Getränkestandes DURST! Ich greife zwei/dreimal zu und versuche dann meine Freundin mit den trockenen Wechselklamotten zwischen den Zuschauern zu finden.

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House of Wheelchairs

Das “House of the Wheelchairs” stand schon seit fast zwei Jahren auf meinem Zettel. Diesmal fürhte mich der Weg direkt daran vorbei. Das
ehemalige Schloss wurde zuletzt als Alters- & Pflegeheim genutzt. Den Hinterlassenschaften dieser Nutzung verdankt das Schloss
seinen Urbex-Namen. Die Rollstühle sind über das ganze Gebäude verteilt. Trotz des langen Leerstands und der zahlreichen Urban
Explorer die schon das Gebäude durchstreiften, hält es noch erstaunlich viele Fotomotive bereit. Bei der Größe des Hauses kann es
schonmal passieren, dass sich 5 Leute untereinander nicht wiederfinden. Ob jemand eine Etage höher geht oder tiefer … wer achtet
schon darauf. ;) Die Besitzverhältnisse des ehemaligen Schlosses sind unklar. Die beeindruckende zweigeschossige Anlage mit der imposanten
Säulenhalle steht leer. Ansich ist die Geschichte des Schlosses nicht sonderlich spannend. Eine ungewöhnliche Begebenheit habe ich
trotzdem gefunden.

Mit dem Beginn der Nutzung als Altenheim, musste im Keller des Schlosses eine neue Wasserleitung verlegt werden.
Beim ausheben des Kellerbodens stürzte eine Kellerwand ein. Zum vorschein kam ein verstecktes Zimmer, in dem ein Schatz verborgen
war. Man fand darin das Tafelsilber und zahlreiche weitere Schmuck & Wertgegenstände. Versteckt wurde dieser “Schatz” dort von
der letzten Besitzerfamilie, die im Januar 1945 (eine beigelegte Tageszeitung belegte das Datum) dort ihr Hab und Gut eingemauert
hatte. Die Staatssicherheit legte ihre Zuständigkeit fest und übernahm 1960 die Sichtung und Bergung des Schatzes in Eigenregie.
Gesagt wurde, dass der Fund an das Landesmuseeum übergeben werden sollte. Dort ist der Schatz allerdings nie angekommen und alle
Versuche der Aufklärung blieben ergebnislos.

PS: Kommentare OHNE ORTSANGABEN!

Hotel “Muscleclub”

 

Am Hotel angekommen haben wir sofort bemerkt, dass wir einen ungünstigen Zeitpunkt erwischt haben. Gleich ein ganzer Reisebus steht vor dem Haus. Das bedeutet warten! Wir stärken uns mit unserem Reiseproviant und kommen dabei mit Herrn Hund ins Gespräch. Ebenfalls ein Wochenendurlauber aus Hannover. Leider hatte er nur einseitige Gesprächsthemen auf Lager. Auto hier, Starthilfe da u.s.w. Aber: Inzwischen war der Reisebus verschwunden und nachdem auch Herr Hund bedient war, ging es für uns zum Check-in.
Das Hotel hatte wirklich jede Menge zu bieten. So wollte jeder von uns zuerst wo ander hin. Ich musste gleich erstmal an die Bar! Nudeln mit Bolognese für nur € 3,50! …wo bekommt man das heute noch? Da es allerdings keine vegetarische Bolognese war, hab ich mich dann doch für ein Bier entschieden. Die anderen waren in der Sauna, Solarium, Schwimmbad, Fitnessstudio oder relaxten im Wellnessbereich. Ein Hotel, wo man wirklich hätte entspannen können. Hier schienen die Uhren still zu stehen und der frühe Vogel lag hier buchstäblich
begraben. Punktabzug würde ich lediglich für das extremst sparsam angestellte Personal vergeben. Die Zimmer waren nicht unbedingt riesig, aber dafür tadellos in Schuss! Es roch regelrecht nach Sauberkeit. In einem Urbex-Hotel weiss man ja nie so genau was einen erwartet.

Hier wäre ich gern mal Gast gewesen! ;)

Ein großer Dank für diesen Hotel-Tipp geht nach Thüringen! Da kann HRS&Co nicht
mithalten. ;)

Schule und Wohnheim für Physiotherapeuten

Allein! Allein?

Das offen stehende Fenster haben wir schon vom Auto aus gesehen. Warum aber klettern wenn es vielleicht einen anderen, einfacheren Weg gibt? Nach einer äußerst unauffälligen Runde um`s Haus haben wir letztlich doch das Fenster genutzt. Hätte, wäre, wenn … drin ist drin.
Es hat keine zwei Minuten gedauert bis mir “unwohl” wurde. Vielleicht lag es an dem Lebengroßen Portrait des Schulgründers was in der Eingangshalle hing. Wie ein Geist schaute er auf uns herunter. Als wolle er uns hier nicht haben. Manchmal fühlt man ja ein Gebäude. Zum Beispiel bei meinem Besuch im Krematorium oder in dem Kinderheim. Gründe dafür liegen bei diesen Locations auf der Hand. In einer Berufsschule hätte ich so etwas nicht erwartet. Genauer definieren kann ich das Gefühl nicht. “Sich beobachtet fühlen” ist am treffendsten.
Die Schul- & Wohnräume waren ringförmig um einen Lichthof gebaut. Inklusive Dachwohnungen waren es 5 Etagen, die über zwei Treppenaufgänge verbunden waren. Damit wir 5 uns nicht gegenseitig im Bild rumstehen, waren wir schnell über das ganze Haus verteilt. Fest steht immer … am Ende treffen für’s traditionelle Gruppenfoto. Um nicht zu verpassen wenn die anderen sich unten sammeln, hört man immermal “in’s Haus”, wo die anderen sein könnten. Ich habe ansich ständig irgenwen gehört oder gesehen. Stimmen aus der Etage unter mir … Schritte über mir … ein winken vom anderen Ende des Gangs u.s.w.
Nach meinen letzten Bildern im obersten Stockwerk geth’s also ab nach unten zum Erinnerungsfoto. :) Nach etwa der hälfte der Holztreppen nach unten höre ich über mir auch Schritte. “Ah OK … biste also nich der Letzte.” Das dachte ich. Der Rest der Fuhre war schon da und hat auf mich gewartet. Ich war kurz irritiert. Es folgt das schnellste Gruppenfoto seit wir das eingeführt haben und dann RAUS!
Seltsam. Ich hab mir das eingebildet oder?! …außerdem war es auch ein windiger Tag. Oder?! Jedenfalls passt das zu meinem Gefühl vom Anfang! Bei dem verwinkelt gebauten Haus wäre es ein leichtes jemanden aus dem Weg zugehen. … Oder?!

Oder??

>> Weil es bei dem Kinderheim so gut funktioniert hat … Wenn du in dieser Einrichtung deine Ausbildung zum Physiotherapeuten gemacht hast, hätte ich betreffend der Schule/Wohnheim ein paar Fragen an dich. Wenn du lust dazu hast, nimm bitte über die Kommentarfunktion Kontakt zu mir auf.

PS: Kommentare OHNE ORTSANGABEN!

Mein Laufjahr

Darf ich nach meinem sportlichen “Jahresrückblick” von 2013 schon von Tradition sprechen wenn ich dies auch 2014 wieder tue? Oder ich missbrauche meinen Blog als zusammenfassendes Tagebuch. Ja, so klingt`s gut. … Schau’n mer mal. Mitte April 2014 gab es noch keinerlei Anzeichen dafür, dass ich “Hals über Kopf” beginne bei Wettkämpfen zu starten. Dank meiner Schwester und ihrem Mann habe ich mich 5 Tage vor meinem ersten Lauf zum starten überreden lassen. Was viele Läufer wissen und der Großteil meiner Freunde leider nie erfahren wird – das laufen mit so vielen anderen macht SÜCHTIG!

  • Oberelbe-Marathon:

HM-Distanz – Zeit: 1:44:00 – Altersklasse Platz 65  – Gesamt Platz 435

Finishervideo

  • Stadtlauf Chemnitz:

10 km Lauf – Zeit: 0:42:11 – Altersklasse Platz 5 – Gesamt Platz 33

  • Chemnitz-Marathon:

HM-Distanz – Zeit: 1:39:06 – Altersklasse Platz 4 – Gesamt Platz 42

Finishervideo

  • Stauseelauf Chemnitz

10 km Lauf – Zeit: 0:44:35 – Altersklasse Platz 2 – Gesamt Platz 15

  • Döbelner Landschaftslauf

HM-Distanz – Zeit: 1:30:58 – Altersklasse Platz 3 – Gesamt Platz 18

Finishervideo

  • Lichtensteiner Herbstlauf

12 km Lauf – Zeit: 0:49:40 – Altersklasse Platz 2 – Gesamt Platz 6

  • Glauchauer Herbstlauf

HM-Distanz – Zeit: 1:32:33 – Altersklasse Platz 8 – Gesamt Platz 55

  • Gesamt-lauf-kilometer 2014

164 Einheiten / Distanz 2150km

Vorsatz für 2015 – Mehr Läufe!

Vorsatz für 2015 – 42,195  ;)

Es war einmal …

… eine Zeit, in der man die Chemnitzer Urban-Explorer an einer Hand abzählen konnte. Eine Zeit, in der man seine Locations noch nicht im Internet gesucht hat. Eine Zeit ohne facebook, als es noch keine selbsternannten Aufklärer gab, die es für ihre Aufgabe halten, Besucherparkplätze vor verlassenen Orten einzurichten. Früher, als man also auch noch in Chemnitz leer stehende Gebäude fotografieren konnte ohne für einen dieser Ruinen-Poser gehalten zu werden. Ich bin ziemlich froh darüber, diese Gebäude gesehen zu haben bevor (Jahre später) diese Medien-Huren ganze Besucherstürme in diese Locations geschickt haben um den Orten damit den endgültigen Todesstoß zu versetzen. UND das alles unter dem Vorwand Gutes zu tun. Auch wenn 90% nicht wissen was ich damit sagen will – das musste ich mal los werden!

Um die Sommerpause zu überbrücken habe ich 10 Jahre alte Bilder aus dem Archiv gekramt. Eine ehemaligen Lungenheilstätten die mittlerweile fast komplett abgerissen ist. 8 Jahre nachdem dieser Klinikkomplex damals geschlossen worde, sind diese Blider entstanden.  Leider alles noch ohne Stativ und viel zu wenig details. Man sieht aber, dass ich schon von Anfang an schon den Winter bevorzugt habe. ;)

 

Nun bloggt er auch noch über`s Laufen

Na dann mal Prost!
Ich hab mir wieder einmal 6 halbe Liter Rote Bete Saft gekauft.
Mein Placebo, … oder das Zeichen für meine Beine “noch eine Woche”.
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“Rote Bete Saft hilft dem Blutkreislauf mehr Sauerstoff zu transportieren.” Durch diese Aussage in einem Läufer-Forum war ich neugierig und wollte das Testen. 4 Stunden vor dem “Testlauf” habe ich 750ml von dem nichtmal so schlecht schmeckenden Saft getrunken … OK … mit zugehaltener Nase, auf ex, hinuntergeschüttet. Auf meiner am häufigsten gelaufenen Lieblingsstrecke (12 Kilometer) hatte ich genügend Vergleichs- oder Bestzeiten.
Während des Laufens habe ich ansich keinerlei Unterschied festgestellt. Puls, Atmung und das Feeling – alles wie immer. ABER man sagt ja: “Man muss nur dran glauben”. Und siehe ich habe die 12 Kilometer fast 5 Minuten schneller absolviert.
Da mich dieser Glaube fast 5 Minuten beschleunigt hat, habe ich meinen Placebo Turbo auch bei meinem ersten Veranstaltungs-Halbmarathon genutzt. Das Fazit nach diesen 21,09 km – eine Verbesserung meiner Bestzeit um fast 10 Minuten!
Stimmt – mir fallen ein Dutzend anderer Gründe ein warum ich schneller war aber der Gedanke, daraus ein Ritual zu machen, gefällt mir. :)
In diesem Sinne … zum Wohl! Am Sonntag ist Stadtlauf. ;)