Etappe 2: Kemptner Hütte – Memminger Hütte

Die zweite Etappe geht von der Kemptner Hütte (1844 m ü.NN) erst noch einmal paar Höhenmeter nach oben bis aufs Mädlejoch (1973m). Dort überqueren wir schon die Grenze nach Österreich. Danach unser erster Abstieg der Tour hinunter bis auf 1114 m nach Holzgau, weiter über Bach 1070 m hinauf zur Memminger Hütte (2242 m ü.NN).

Daten 2. Etappe

Die Nacht war gut. Ich habe geschlafen wie ein Stein. Frühstück auf der Kemptner Hütte gibt es ab um 6.00 Uhr. Auf 5.30 Uhr steht der Wecker. Ich bin etwa eine viertel Stunde vorher wach. Mehr oder weniger mit den Ersten die sich aus ihren Hüttenschlafsäcken pellen. Die Kleidung für den neuen Tag liegt bereit um nicht im Rucksack wühlen zu müssen. Ich bin sofort topmotiviert und will nix verpassen. Ja nicht zu spät zum Frühstück kommen und anstehen müssen. Wenn die Bergschulen zum Futterfassen einrücken, werden die Plätze knapp. Nur keine Verzögerung riskieren! 😀 Von der Schulklasse haben wir übrigens nix mehr gehört und gesehen an diesem frühen Morgen. Der Besuch im Waschraum ging wieder sehr schnell 😀 und wir saßen 10 Minuten bevor es Frühstück gab am Tisch. Das Essen auf den Hütten war durchweg sehr gut! Reichlich, lecker und selbst für Vegetarier immer eine gute Auswahl. Top!! Als Alpenvereinsmitglieder haben wir sogar noch einmal vergünstigte „Bergsteigeressen“ und „Bergsteigergetränke“ bekommen. So kommt man auf den Hütten ansich sehr günstig weg. Wenn, ja wenn man abends nicht immer ein Bier und einen Hüttenschnaps trinken will. 😀 Man lernt auf dem Weg nach Italien so einige Schmankerl kennen. Mit Zirbenschnaps oder Haselnussbrand kann man aber auch jede Tagestour ein wenig feiern. Gehört ja dazu.

Auf das Frühstück warten außer uns noch ein älterer Herr und das Sport-Wander-Paar von der Oberstdorf Etappe. Wir sind dann tatsächlich die ersten und wir beäugen die immer länger werdende Warteschlange an der Frühstücksausgabe. Alles richtig gemacht. Wir brechen noch vor 6.30 Uhr auf in Richtung Mädlejoch. Das Wetter verspricht schönes Wetter. Ein paar Wolken aber der Tag soll sonnig und trocken werden. Das Brangelina-Sport-Wander-Paar startet nur ein paar Minuten hinter uns. Eine Bergschule mit einer Gruppe haben wir keine vor uns und auch keine im Nacken. Alles richtig gemacht.

Grenzschild Deutschland/Österreich (mit ENTE) 😀

Die ersten 30 Gehminuten steigen erst nochmal an. Noch ist es keiner der schwierigen Anstiege die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern. Das Sport-Wander-Paar überholt uns hier. Der Blick ins nächste Tal, wenn man eine Bergkette überwunden hat, ist immer etwas ganz besonderes. Oft auch mit einem WOW von mir kommentiert. Am Mädlejoch machen wir eine kurze Pause für ein Foto. Wir verkleben schnell noch unsere erste Ente am Grenzschild und starten den Abstieg.

Der Abstieg nach Holzgau ist streckenweise sehr steil. Wir merken schon hier, dass uns bergauf mehr Spaß macht. Unterwegs stellt sich die Frage an einem Wasserfall vorbeizulaufen (so verläuft die Originalroute) oder einen kleinen Schwenk über Österreichs höchste Hängebrücke zu machen. Wir entscheiden uns für die kürzere, also die Originalroute, vorbei am Simmswasserfall. Auf dem letzten Stück vor Holzgau werden wir noch von Blondie (von der Spielmannsau) überholt. In Holzgau kommen wir direkt an der Kirche an. Strahlend blauer Himmel läd zu einem zweiten Frühstück ein. Ich nutze die Pause und suche im Rucksack nach dem Stirnband und der Sonnenbrille. Der Aufstieg zur Memminger Hütte scheint schweißtreibend zu werden. Bevor es steil bergauf geht, müssen wir den Parseierbach überqueren. Die Brücke dort wird gerade erneuert und ist zudem mit Kühen verstellt. Wir müssen kurz auf der Karte schauen ob wir noch richtig sind. Auf dem Fernwanderweg E5 ist es nicht unbedingt notwendig mit einer Karte zu laufen. Selbst in den Geröllfeldern ist der Weg sehr gut markiert. Der Aufstieg zur Memminger Hütte ist zwar wesentlich steiler als der gestrige, dafür aber auch nochmal kurzweiliger! Wunderbares Alpenpanorama ab den ersten Metern. Abwechslungsreich über Felsen, Wiesen, Schnee und Bäche. Kühe, Pferde und zahlreiche Murmeltiere lassen sich von uns kaum beeindrucken. Mit gerademal 5 Stunden Gehzeit sind wir eine ganze Stunde schneller als geplant. Auf dem Memminger Hütte sind wir mit die ersten die eintreffen. Alles richtig gemacht! Mit einer Duschmarke haben wir sogar 3 Minuten warmes Wasser! Nachdem auch die gewaschenen Klamotten auf der Leine hängen, ist sogar noch Zeit für Kaffee und Kuchen bevor die Schlafplätze vergeben werden. Das Bettenlager ist hier wesentlich angenehmer aufgeteilt! 4er Boxen zu beiden Seiten des Ganges in 2 Etagen. Etwas mehr Privatsphäre als in der ersten Nacht. Mit uns beiden in einer Box ist die Blondine J (von der Spielmannsau) und auch P liegt wieder bei uns. So langsam erkennt man sich wieder und kommt ins Gespräch. In der Box gegenüber kannte ich bis dahin nur W. Ein überaus sympathischer Schweizer(?!). Alle drei gehen den E5 allein. Mehr oder weniger. Denn je weiter man den Weg geht, umso mehr Kontakte knüpft man. Außerdem entwickelt sich ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Hüttenstempel

Die Bergschulen, die mit 20-25 Leuten in einer Gruppe gehen, haben sich untereinander – jedoch kaum Kontakte nach „außen“. Reservierte Tische in den Hütten, eigene Essenszeiten und teilweise sogar eigene Schlafräume, grenzen diese (von uns immer Seilschaft genannten Gruppen) auch so gut wie möglich ab. Viele Streckenabschnitte, die weniger interessant sind, fahren diese „Seilschaften“ mit einem Taxi. In Erinnerung ist mir eine Bergschule mit einer 25-Mann „Seilschaft“. Sehr groß und ebenso langsam unterwegs. Und eine Zweite – die „Jojo-Seilschaft“ – jünger und auch ein wenig schneller. Dieses Nicht-zu-einer-Gruppe-gehören verbindet die in Eigenregie gehenden miteinander. In der Box gegenüber ist mir noch H aufgefallen als sie mich verschnupft nach einem Taschentuch fragte. Noch nicht viele Worte gewechselt aber das sollte noch kommen.

Auf der Seekogel (2412 m), dem Hausberg der Memminger Hütte, sollte es ab und zu Handyempfang geben. Wir haben die rund 200 Höhenmeter noch draufgelegt und wurden mit einem traumhaften Ausblick belohnt.

Seekogel (2412m üNN) in den Lechtaler Alpen

Handyempfang war allerdings wenig bis gar nicht vorhanden. Eine SMS an meine Schwester war alles was ich mit Müh` und Not absetzen konnte. Der Abend verging ähnlich wie der erste in der Kemptner Hütte. Zielbier und Bergsteigeressen – Kleidung für den nächsten Morgen bereit legen und den Wecker stellen. Die Bergschulen haben beim Frühstück auf der Memminger Hütte Vorrang. 1. Durchgang beim Frühstück war nur für die Seilschaften, danach der Rest. Die dritte Etappe beginnt spektakulär. Es geht über eine schweren Aufstieg durch die Seescharte (2600 m) und mit einem anstrengenden Abstieg hinunter nach Zams (767 m) ins Inntal. Bei angesagten 8-9 Stunden Gehzeit wollten wir nicht hinter einer Gruppe stecken. Deswegen ist unser Plan noch VOR dem Frühstück zu starten. (auch hier haben wir wieder alles richtig gemacht!) Dieses wollen wir an der ersten Jausestation Richtung Inntal nachholen. 😉 Etappe 3 – Fortsetzung folgt!

 

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Anreise nach Oberstdorf & Erste Etappe Oberstdorf – Kemptner Hütte

ES GEHT LOS, ES GEHT LOS! Kurz nach 4 Uhr klingelt der Wecker. Wir starten Richtung Oberstdorf. Die Stadt selbst ist für uns nur wenig spannend wenn wir daran denken, was die kommenden Tage noch auf uns wartet. So scheint die letzte Übernachtung vor dem E5 ein einziges „Zeittotschlagen“ zu werden. Sicherlich ist Oberstdorf im Winter auch ein wenig spektakulärer als das sommerliche Oberstdorf. Die Masse an Ü70 Schickimickiwanderern vertreibt uns aus der Innenstadt. Unser erhoffter Langzeitparkplatz an der Therme klappt auch nicht wie vorher per Mail abgesprochen. Ausgerechnet an DIESEM einen Tag hat die Therme kurzfristig geschlossen. Uns bleiben nur die großen P1 und P2 Parkplätze vor der Stadt. Besonders nervig ist das buchen unseres Langzeitparkplatzes mit Hilfe einer App. 😦 Für die Nacht ist zu dem noch Regen angesagt. Das Zelt liegt also 10 Tage pitschnass im Auto. Mir reichts … ich will endlich los. „Hallo Oberstdorf, schön dass wir da sind, können wir wieder abhaun?“ 😀 Der E5 geht nur 50 Meter am Zeltplatz vorbei. Ab um 8 Uhr morgens öffnen sich erst die Schranken am Zeltplatz. Das ist unser Plan! Ich kann mich nicht erinnern ob wir den Wecker gebraucht haben. Es nieselte am Morgen noch immer und gleich zum Anfang stellte sich die Frage: „Was ziehe ich an?“ Laut Niederschlagsradar hört der Regen in einer Stunde auf und das Wetter soll dann besser und wärmer werden.

Wir stehen auf dem Parkplatz P2 und holen uns ein schnelles Frühstück bei EDEKA :-/ Lange Hose, kurzes Shirt und Regenjacke. UND beste Laune denn jetzt geht`s endlich los.

ETAPPE 1 – Oberstdorf – Kemptner Hütte

Etappe 1 Daten

Erste Pause an der Spielmannsau

Von 813 Meter über dem Meeresspiegel steigt der Weg ganz allmählich an. Die ersten 7,5 Kilometer – vorbei am Bahnhof, der Fußgängerpassage und der Talstation der Nebelhornbahn in Richtung Spielmannsau. Auf 1071 Metern Höhe liegt der Berggasthof. Der erste Tag E5 ist noch ein Stück zum eingewöhnen. Wir machen hier die erste Pause während der Bergsteigerbus (wäre noch bis hierhin gefahren) eine Ladung E5 Wanderer ausspuckt die lustiger Weise das gleiche tun. Raus aus dem Bus > rein in die Kneipe und Bier bestellt. Wir haben erst am Abend (und dann täglich mehr) festgestellt, dass man alle am gleichen Tag gestarteten E5ler, immer wieder trifft und kennenlernt. So sitzen mit uns eine 4er Gruppe, eine etwas ältere 3er Gruppe und eine einzelne Blondine auf der Terrasse. Ach und eine Schulklasse macht sich noch startklar. (?) „Die werden doch nicht auch …?“ Ebenfalls mit uns in Oberstdorf gestartet ist ein jüngeres Paar. Sehr sportlich unterwegs und mit ordentlich Tempo machen die beiden natürlich keine Bierpause in Spielmannsau. Es regnet übrigens nicht mehr, so dass die Regenjacke zurück in den Rucksack kommt. Die Trinkflaschen füllen wir nochmal nach und dann starten wir zum letzten, etwas steileren Teilstück. Auf 1844 HM liegt die Kemptner Hütte. Wird also endlich Zeit für paar Höhenmeter. 😀

Hüttenstempel der Kemptner Hütte

Die Schulklasse war schon ein paar Minuten vor uns gestartet. Wir hatten die Lücke im Nu wieder zugelaufen, und als der Weg zu eng war um noch nebeneinander gehen zu können, waren wir genau hinter ihnen. Zum Glück konnten wir noch schnell an allen vorbei. Was es heißt, hinter einer Gruppe festzustecken, werde ich auf einen der nächsten Etappen berichten. Der Weg hinauf zur Kemptner Hütte ist ziemlich „eingewachsen“. Keine besondere Aussicht – eher wie im Mittelgebirge. Ab der Wallfahrtskapelle ”Maria am Knie” geht es steil bergauf. Dort werden wir von der 4er Gruppe aus der Spielmannsau überholt. Nach der kleinen Wallfahrtskapelle ändert sich auch der Weg. Ein steiniger Steg. Es geht über, zum Teil sogar unter den Schneeresten des Winters bergauf, immer entlang des Sperrbachs. Oben angekommen reißt sogar der Himmel auf. 😀 Wir machen unsere erste Erfahrung mit einer Alpenvereinshütte! Spannend! Wir schauen was die anderen tun und machen alles brav nach. Eine Berghütte ist kein Hotel. Von dem Ablauf in den Hütten, werde ich auf den nächsten Etappen mehr berichten. Wir hängen unsere Sachen zum trocknen und suchen als erstes unseren Platz im Bettenlager. Danach sollte man eigentlich mal zum duschen gehen. Im Waschraum waren mehrere Waschbecken und nur EINE Duschkabine. WTF? Die Kemptner Hütte ist mit 290 Schlafplätzen eine der größeren Bersteigerunterkünfte. Die nur eine Dusche erklärt sich damit, dass es nur kaltes Wasser gibt. Arschkaltes Wasser. Verflucht abartig kaltes Wasser … jedenfalls für mich als Warmduscher. Ich reih` mich an den Waschbecken mit ein – es tut auch eine Wäsche am Waschbecken. Großen Respekt von uns Waschbeckenwaschern bekam einer der todesmutig unter die Dusche ist und mit „ahh – oh – uhh – ahh – uhh“ die Wassertemperatur kommentierte.

Mit unserem Schlafplatz an der Wand haben wir Glück gehabt in unserer ersten Hüttennacht im Schlaflager. Neben uns liegt P, ein sympathischer Alleingehender, den wir später noch gut kennen lernen werden. Neben P ist sogar ein Schlafplatz frei, so dass sich alles etwas auflockert. Ohne Ohropax geht trotzdem nix. Ziemlich verrückt ist außerdem, dass wir 19.00 Uhr so müde waren als hätten wir eine Nacht durchgemacht. Wir sind nicht die ersten die sich so früh zum Schlafen legen. Nur die Schulklasse tobt mit ordentlichen Lärmpegel durch die Hütte. Dank der Stöpsel im Ohr sind die schnell ausgeblendet. Ich hab zu diesem Zeitpunkt noch befürchtet dass wir jeden Abend diese „Unterhaltung“ haben. Die Schulklasse ist am kommenden Tag wieder zurück nach Oberstdorf abgestiegen. Mit der zweiten Etappe, nach einer relativ kurzen ersten Etappe, geht die E5 Alpenüberquerung erst richtig los. Den Aufstieg zum Mädelejoch (1.974 m) und später zur Memminger Hütte (2.242 m), hatte ich mir als erstes Highlight markiert. 😀

Meine Packliste für die Alpenüberquerung

Man macht sich ja im Vorfeld Gedanken was man auf der Route braucht und somit hat man ja schon eine gewisse Vorstellung. Ein Probepacken ist aber absolute Pflicht meiner Meinung nach. Man staunt wie schnell die 10% des Körpergewichts an Marschgepäck erreicht sind. Dann heißt es leichtere Alternativen finden oder weglassen. An andere Sachen hat man im Vorfeld noch gar nicht gedacht. Tetris 2.0 🙂 Mein Rucksack hat, ohne befüllte Wasserflaschen, fast 9 Kilo auf die Waage gebracht … also bin ich über der 10% Faustformel. :-/

 

Ich packe meinen Trekkingrucksack (50 Liter) und nehme mit:

Klamotten: Trekkingstöcke, Wanderschuhe, Softshelljacke, 2x Zip-off Trekkinghosen, Regenhose, Regenjacke, Regenponcho, 2x Wollsocken (Merino), 2x Funktionsunterwäsche, 2x Funktionsshirt kurzarm, 2x Funktionsshirt langarm, Handschuhe, 2x Stirnband, Gamaschen

Für die Hütten: Schlafsack, Ohropax, Badelatschen, Wollpullover, Hose, Microfaserbadetuch, Zahnbürste, Zahnpasta, Stück Seife, Haarbürste, Notizbuch & Kugelschreiber, Teebeutel

Für den Notfall: Energieriegel und Notfallgel, Trillerpfeife, Sonnencreme, Blasenpflaster, Toilettenpapier 😉 , Kniebandage

Technik: Garmin Forerunner 235, Kamera, Fernglas, Handy, GoPro, Solarpowerbank,
Gedöhns: Mitgliedsausweis Alpenverein, Geld, EC Karte, Ausweis, Krankenkassenkarte, Wanderkarte, Sonnenbrille, 2x 500ml Trinkflasche, Taschenmesser

 

Verfolgen kannst du uns ab dem 24. Juni bei twitter

Der Berg ruft!

Rauschmittel Abenteuer. Den Traum von Freiheit wahr werden lassen, wenn es auch nur für ein paar Tage ist. Unser Leben ist 24/7 so durchstrukturiert, dass quasi jeder Schritt vorgegeben scheint. Spüren wir überhaupt noch diesen Nervenkitzel, nicht zu wissen was als nächstes passiert? 😉 Wir überqueren die Alpen zu Fuß. Auf uns warten 180 km in 9 Etappen durch 3 Länder. Es gilt 5 Bergketten und 6 Täler zu überwinden. Gesamt 10.000 Höhenmeter nach oben und 9.600 nach unten. Nach dem Ersten Schritt gibt es kein zurück mehr. Erst in Meran wartet ein Bus, der uns zurück nach Oberstdorf bringen wird.

„Wie kommt man auf eine so bescheuerte Idee?“ Oh danke für die Frage! Zum ersten Mal davon gehört habe ich 2016 in einem TV Bericht. Ein so langes Stück zu Fuß zurücklegen wollte ich schon länger einmal. Trotzdem schien es 2016 nur ein Traum zu bleiben. Im Herbst 2017 war aus dem Traum ein Plan geworden. Nunja … unverhofft kommt oft. Alle Hütten sind gebucht und unsere Route steht. Wir gehen den Europawanderweg E5 auf der Originalroute bis zur Meraner Hütte. Von dort aus geht der letzte Tagesabschnitt runter nach Meran. Der Großteil der Alpenüberquerer nimmt ab Sölden eine andere Route die am Vernagt Stausee endet. Von dort aus fährt man dann die letzten 40 Kilometer mit dem Bus nach Meran. Nee, nee … das wollten wir nicht. Wennschon, dann auch zu Fuß im Ziel ankommen. Das kennen wir als Läufer. Emil Zatopek hat gesagt: „Hier ist der Start, dort das Ziel, dazwischen musst du laufen.“ So soll es sein!

Im Augenblick sind wir beim finalen Probepacken. Unsere Packlisten stehen nämlich noch nicht 100%ig fest. Ausführlich werde ich danach noch berichten. Verfolgen kannst du uns ab dem 24. Juni bei twitter 😉

VEB Cordalis

Gleich vorweg, hier sind wir zum ersten Mal „erwischt“ worden. Alles gut gegangen denn wir sind „nur“ höflich zum Verlassen aufgefordert worden. Trotzdem war es an diesem Tag nun die zweite Location die nicht ganz geplant verlaufen ist. Es handelt sich um einen riesigen Textilbetrieb der auch nach der Wende seine Hochzeiten hatte. Abgesehen von der großen Produktionshalle stehen hier noch vier kleinere Gebäude die es zu erkunden gab. 2 davon haben wir geschafft bevor „Darf ich Sie mal fragen wie sie hier rein gekommen sind?“ Die Motivausbeute ist deshalb etwas gering. Das was wir dort sehen konnten ist mir trotzdem einen eigenen Beitrag wert.

Die meisten Bilder sind im „Gemeinschaftshaus“ (was auch immer das heißen soll) entstanden. Die Türen sind zwar versperrt, die Fenster sind jedoch eingeschlagen oder stehen teilweise ganz offen. Es ist ein Kinderspiel hinein zu kommen. Es ist demzufolge auch nichts geschützt oder gesichert was sich im inneren befindet. Ich denke dabei an Metalldiebe oder sonstige Vandalen. Was wir in der gesamten unteren Etage finden sind nämlich antike Möbel! Alte Schränke, Kommoden, Kisten und Sofas. Jedes dieser Möbelstücke schien um meine Aufmerksamkeit zu betteln um mir seine Geschichte zu erzählen. Ein blutverschmiertes Biedermeier Sofa mit den Initialen EL hat meine Phantasie besonders gepackt. Ich frage mich wie all diese Wertvollen Stücke hier her gekommen sind. Wenn das Gebäude nach der Schließung des Betriebs noch als Lager vermietet worden ist, wie kommt es das der Besitzer die Möbelstücke dann letztlich hier zurück gelassen hat? Sind sie doch zu restaurationsbedürftig?! Für mich als Laie waren das alles besonders alte Schmankerl die schon sehr viel gesehen haben. Ich bitte in diesem Fall noch einmal besonders darum keine Ortsangaben in den Kommentaren zu hinterlassen! Fragen ist sowieso zwecklos. 😉

Gasthof „Kleiner Keiler“

Manchmal geht auch was schief – beziehungsweise läuft nicht ganz wie geplant beim urbexen. Eine Überraschung inklusive und trotzdem ein Happy-End gab es für uns im Gasthof „Kleiner Keiler“.

Ihr kennt den Spruch vom Fürst im eigenen Land?? Die Location fast vor der Haustür, an der man schon hunderte Male vorbeigefahren ist. „Da müsste man eigentlich“ oder „Ist bestimmt auch interessant“ und „Da muss es doch reingehen“ -sagend. Ich war der einzige der diesen alten Gasthof nicht aus besseren Tagen kannte. Man munkelte dass dieser Gasthof mit Tanzsaal verkauft und neuerdings wieder bewohnt wäre. Aber wie gesagt, der Arbeitsweg führt zwei mal täglich daran vorbei und man müsste doch irgendwie, irgendwo, irgendwann mal jemanden sehen wenn da einer wohnt. Oder?!

Zielsicher geparkt und erstmal ohne Kameras die Türen und Fenster checken, klopfen, sogar rufen. „Hallo???“ – Nix! Auf dem ersten Blick kein reinkommen. Trotzdem muss es einen Weg geben. Bilder anderer Urbexer haben wir schließlich im Internet gefunden. (..die auch keinen Bewohner bemerkt hätten) Unsere Erfahrung hilft uns und wir finden den versteckten Zugang. Eine Scheibe die nur von einem krummen Nagel in der Position gehalten wird. Vorsichtig herausgehoben. Jemand ruft noch ein lautes „Hallo?“ in den Raum … absolute Stille. Ab zum Auto die Kameras holen! Keine 50 Meter steht das Auto entfernt. Kofferraum, Kamera, Kofferraum zu, umgedreht … und plötzlich steht er in der Tür. DER ominöse neue Besitzer. Circa 60 Jahre alt, schwere Schuhe, dunkel gekleidet und eine zugebundene Fliegerhaube die seine Ohren abdeckt. Ich war ziemlich überrascht (O-Ton Gewissen: geschockt!). Gerade noch haben wir seine Scheibe aus dem Rahmen gehoben und nun soll ich ihn davon überzeugen uns hier fotografieren zu lassen?? Mir fällt kein einziger Satz ein, eine halbwegs entspannte Unterhaltung zu beginnen. (O-Ton Mut: Ich bin raus!) Zum Glück war ich nicht allein hier, denn meine beiden Miturbexer klären die Situation im Handumdrehen. „Fotografen? Schon wieder? Da waren doch letztes Jahr erst welche da. Aus Gera oder Jena.“ – „Ja aber wir sind von hier! Wir kennen das von früher.“ Und Zack! Sagt der Typ „Von mir aus könnt ihr Fotos machen.“ Er weicht uns nicht von der Seite und lässt uns nicht überall rein, aber ansich bekommen wir alle Fotos die wir uns erhofft hatten. Der Typ wird mit der Zeit sogar sympathisch. Er erzählt von seinen Plänen und über Reparaturen die er selbst schon durchgeführt hat am Haus. Die anderen beiden gehen voll in Nostalgie auf und erzählen über vergangene Disco und Tanzabende hier in diesem Saal. Fehlt nur noch dass der Bewohner uns Kaffee & Kuchen anbietet. 😀 Irgendwie fast liebenswert. Wir sind völlig Fremde für ihn und er gibt uns eine Führung durch diese, seine Location. Er hat einen Plan, ein Vorhaben für den Gasthof dem er nachgeht. Sicher von vielen belächelt oder als Spinner abgestempelt. Eigentlich aber ein Freidenkertyp dem man nur Glück wünschen muss damit seine Pläne aufgehen. Toi! Toi! Toi! Und vielen Dank!

Produkttest Wilkinson Hydro 5 Sense

Wie kommt man als langjähriger Nutzer eines Trockenrasierers dazu einen Nassrasierer zu testen? Die Antwort ist an sich ganz simpel. Im Sommer werden wir die Alpen zu Fuß überqueren. Zum einen wird jedes Gramm extra Gewicht zur Last und zum anderen ist nicht immer garantiert eine Steckdose zur Verfügung zu haben. Die Gewichtseinsparung ist aber mein Hauptgrund für diesen Umstieg.

Warum habe ich mich damals überhaupt für die Trockenvariante entschieden? Auch das ist schnell beantwortet. Ich bin eine Mimose. 😀 Jedenfalls meine Haut. Nach einer Nassrasur war meine Haut so rot wie ein Feuermelder. Das ganze ist jetzt ein paar gewaltige Jährchen her und ich habe den Nassrasierern nie wieder eine Chance gegeben. Die Alpenüberquerung zwingt mich förmlich dazu mich wieder damit zu beschäftigen. Wie gerufen kam also das Angebot von kjero.com und Wilkinson, den neuen Hydro 5 Sense vor der Markteinführung testen zu dürfen. VIELEN DANK DAFÜR!

Wichtig war mir im Vorfeld eigentlich nur ein ergonomisches Design, Robustheit UND dass er eben meine Mimosenhaut nicht zu sehr reizt. Ausdrücke wie Gel-Depots, Ultra-Glide-Klingen oder Shock-Absorb in der Vorabmail laß ich zum ersten mal und klangen sehr spannend. Beim testen sind mir als erstes die Gel Depots aufgefallen. Ich hab das ganze eigentlich für einen Werbegag gehalten. Ich nehme alles zurück! Man spürt förmlich das Gel, was sofort  die Haut beruhigt. Bei 5 Klingen war ich ebenfalls vorab skeptisch. „Wozu braucht es 5 Klingen“. Mit einem Zug ist man quasi fertig. An schwierigen Stellen musste ich noch ein zweites mal drüber, aber insgesamt spart es eine Menge Zeit ein! Außerdem hilft die große Auflagefläche und gibt ein sicheres Gefühl. Der Rasierer selbst liegt stabil in der Hand. Mit der einzigartigen „Shock-Absorb-Technology“ hat Wilkinson ein ziemliches Wortungetüm als „Name“ erschaffen.

Fakt ist aber dass diese Funktion das Rasieren tatsächlich zu einem anderen, neuen Erlebnis macht. Die Klingen werden je nach Druck und Stellung automatisch an die Haut angepasst. Ich weiß nicht ob bei dem Name „Shock-Absorb-Technology“ überhaupt jemand auf diese Funktion kommt. Ich habe mich nach sehr kurzer Zeit dadurch sehr sicher gefühlt bei der Rasur.

Man kann die Klingen über die Haut bewegen wie man es nie für möglich gehalten hätte. Diese automatische Anpassung … ähm diese Shock-Absorb-Technology machen den Hydro 5 Sense außergewöhnlich! Der Trimmer, für ein präzises Konturenschneiden, bekommt von mir nur ein ausreichend. Die Gel-Depots lassen sich zwar super-einfach zurückklappen, dennoch ist der Klingenkopf aber noch zu sperrig um präzise Konturen zu ziehen. Die Klingen lassen sich leicht wechseln. Kein verkanten oder verklemmen. Allerdings hätte mir besser gefallen wenn die Bügel zum halten des Klingenkopfes, aus Metall gewesen wären. … Meckern auf hohem Niveau, zugegeben. Vielleicht hält ja auch der Kunststoff genauso lange Zeit. Das wird sich zeigen. 😉

Mein Fazit: Ich bin froh dass ich die Möglichkeit zum testen bekommen habe. Allein unter Shock-Absorb-Technology hätte ich mir nicht vorstellen können was in dem neuen Wilkinson Hydro 5 Sense steckt.

  • Shock-Absorb-Technology – ein Highlight!
  • 5 Klingen & Gel-Depots – ein Highlight!
  • Sperrknopf würde ich persönlich nicht nutzen – daher keine Wertung
  • Gründliche Rasur ohne die Haut zu reizen – tatsächlich! Auch dies ein Highlight!
  • Flip Trimmer – etwas unpräzise
  • Griff ist ergonomisch und vom Gewicht her optimal
  • Zeitersparnis im Vergleich zum Trockenrasieren – ich staune

1000 Dank an Wilkinson und kjero.com! Der Hydro 5 Sense kommt definitiv mit zur Alpenüberquerung und hält Einzug in mein Bad.