Etappe 5: Braunschweiger Hütte – Talhütte Zwieselstein

Daten 5. Etappe

Es war eine unruhige Nacht in der Braunschweiger Hütte (2759 m ü.NN). Wir waren in einem Raum mit nur 7 Lagerplätzen und trotzdem war ich ständig wach. H war mit uns in diesem Raum und die 4er Leipzig/Erfurt Gruppe. Das Einschlafen war, wie immer, nicht schwer. Auch Ohropax habe ich in dieser Nacht keine gebraucht. Trotzdem war ich bei gefühlten 30 Grad Zimmertemperatur und geschlossenem Fenster ständig wach. Unser Plan war wieder, VOR allen anderen zu starten und als erste über`s Pitztaler Jöchl (2996 m) zu gehen. Für das Frühstück hatten wir uns das Gletscherrestaurant am Rettenbachgletscher ausgesucht. In der Nacht musste ich dummerweise auch noch 2 mal zur Toilette. Bei meinem ersten „durch die Hütte wandeln“ habe ich noch etwas ängstlich nach draußen geschaut ob es regnet oder schneit. Gar nix! Zum Glück! Als Erste starten, wenn alle Wegmarkierungen vom Schnee bedeckt sind, sowas hätten wir nicht geschafft. Bei meinem zweiten Gang habe ich sogar die Sterne funkeln sehen. Das hat mich dann noch mehr beruhigt. Mittlerweile sind wir schon geübt im lautlosen Schlaflagerverlassen. Der Besuch im Waschraum war wieder eine Katzenwäsche. Auf der Braunschweiger Hütte sind alle Wasserhähne mit Sparaufsätzen versehen die den Wasserstrahl fein zerstäuben. Es dauert ewig bis man zwei volle Hände mit Wasser aufgefangen hat. :-/
Wir staunen über den Trockenraum. Der hat es tatsächlich über Nacht geschafft, alle regennassen Klamotten aller Hüttengäste zu trocknen. TOP!

Braunschweiger Hütte

Wir starten kurz vor 6.00 Uhr. Die Leipzig/Erfurter gehen als Erste gerade zum Frühstück. Draußen erwartet uns ein blauer Himmel. Sonne sehen wir noch nicht, weil die Braunschweiger Hütte von Bergen eingerahmt ist. Das Panorama und die Gletscher wären sicher auch beim Aufstieg gestern eine gute Ablenkung gewesen. Naja … wenigstens scheint heute wieder die Sonne, auch wenn wir mit Handschuhen aufbrechen. Erstmal geht es noch rund 250 Höhenmeter aufwärts bevor es den Rest vom Tag bergab geht nach Zwieselstein (1472 m ü.NN) etwas südlich von Sölden.

Direkt hinter der Hütte stampfen wir schon das erste Mal durch ein Schneefeld. Durch den Schneeregen und die Kälte in der Nacht sind die Steine über die wir klettern alle mit einer dünnen Eisschicht überzogen. Nur nicht ausrutschen! – Das hätte mächtig weh getan. Ich hatte wieder die „PRO & CONTRA Stöcke Liste“ im Kopf. Einzig auf den Schneefeldern hatte ich ein Gefühl, dass mir die Wanderstöcke mehr Sicherheit geben – sonst nicht. Die Meter hinauf zum Pitztaler Jöchl und dann hinab zum Gletscherrestaurant sind die letzten, die ich bei dieser Tour mit Stöcken gehe. Ich kann nicht sagen ob ich sie vermisst hätte wenn ich keine dabei gehabt hätte. Bei unserer nächsten Tour in Spanien bleiben sie zu Hause. Fakt!

Der Schnee wird tiefer, der Weg wird felsiger und steiler. Die letzten ca. 300 Meter vor dem Jöchl werden wieder zur Kletterpartie. Wieder fluche ich auf die Stöcke. Ein Joch oder Jöchl ist eine Bezeichnung für den niedrigsten Abschnitt des Kammes zwischen zwei Berggipfeln. Das Pitztaler Jöchl ist mit 2996 Metern über dem Meer nicht ganz auf 3000. Weil dieser Punkt das „Dach“ unserer Tour ist, klettern wir die paar Höhenmeter noch nach oben um die 3000 auf der Uhr zu haben. Wieder sind wir hier oben allein. Um 6.45 Uhr morgens. WIE GEIL!! Wir haben vergessen welcher Wochentag ist und was wir um diese Zeit eigentlich tun. Das hier beeindruckt uns. Dies werden wir nie im Leben vergessen können. Die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf über 3000 Meter! Es soll an diesem Tag noch sehr heiß werden, noch tragen wir aber Handschuhe. Wir machen kurz Pause und fotografieren einmal rundum und genießen das Panorama. Dann starten wir den Abstieg zum Gletscherrestaurant an der FIS Skiweltcupstrecke von Sölden. Trotz der Steilheit lässt es sich überraschend angenehm laufen. Wir finden einen Bergschuh mit einer daran befestigten Todesanzeige. Aus dem Text geht hervor, dass der Verunglückte im Winter hier abgestürzt ist. Das hält mir schlagartig vor Augen wie gefährlich dieser wunderschöne Ort sein kann. Man, was hatten wir bis jetzt für ein Glück gehabt! Das Wetter hat es immer sehr gut mit uns gemeint! Wir hätten hier auch 20cm Neuschnee haben können wie im August 2017.

Das letzte große Stück vor dem Gletscherrestaurant geht durchgängig über ein Dauerschneefeld. Für mich als Nichtwintersportler spektakulär! Eine Schneeballschlacht im Sommerurlaub. 😀 Serpentinähnlich geht es über den Schnee bergab. Der „Weg“ ist gut gespurt von den E5-lern vom Vortag. Nur ein/zwei cm Neuschnee darüber. Wir sind immernoch die Ersten an diesem Tag. Wenn man nach vorn blickt – ein herrliches Gefühl!

Abkürzung über das Schneefeld

Wie steil ist so ein Hang talwärts? … Keine Ahnung, ich bin ein mieser Schätzer. Gut abschätzen kann ich nur, dass man ordentlich Geschwindigkeit aufnimmt, wenn man hier abrutscht. Ich kann es gar nicht ganz glauben als ich Antje sitzen sehe und mitbekomme, dass sie runterrutschen will. Wie bitte?? Ist das ein Scherz?! … … und schon rutscht sie auf dem Hintern durch den Schnee talwärts. Un-fucking-fassbar! …und hat hörbar Spaß dabei. Geschwindigkeit und Distanz kann ich nicht schätzen. Es ist alles weiss und mir fehlt ein Anhaltspunkt. Vermutliche 400 Meter Luftlinie nach unten kommt sie, zurück auf dem Weg, zum stehen. Hm … und ich? Laufe die 3-4 Kehren oder rutsche in ihrer Spur hinterher? Ich mach SOWAS doch nicht. Das ist so steil – bremsen unmöglich. „Nicht nachdenken“ – „Nicht nachdenken“ sage ich mir mantraartig und eine halbe Minute später bin ich mit unten. Noch 15 Minuten dauert der Weg zur Gletscherstube und wir schauen durch die Fenster. Hier macht heut niemand Frühstück! Mit Sicherheit ist hier an der Skiweltcupstrecke im Winter die Hölle los. Im Sommer eher nicht. Wir nehmen unsere Notfall-Müsliriegel und schauen auf die Karte. Etwa 2-3 Stunden, dann kommt Alm an Alm. Also weiter. Der Zielbereich der Weltcupstrecke ist im Sommer mit das Hässlichste in der Natur was es gibt! Eine derartige Betonwüste mitten in den Alpen wirkt abartig und unwirklich zugleich. Wie sehen zu, hier weg zu kommen. Während wir starten, treffen wir die Leipzig/Erfurt Gruppe, die einen kürzeren Weg gegangen sind. Das heißt, wir treffen zwei davon. Der Rest würde folgen und einer müsse sogar kniebedingt heute abbrechen. Wir verabschieden uns im Glauben, sie wiederzutreffen. Leider nein.

Der Weg ins Tal bleibt so angenehm. Stetig bergab aber nie schmerzhaft. Große Teile entlang von Skipisten und wir passieren zahlreiche Schlepplifte. Kilometer für Kilometer ins Tal wird es auch wärmer. Eben noch in Handschuhen, jetzt kurze Hosen und kurzärmelig. Nur die geschlossenen Almen nerven uns langsam. Im Winter ist da sicher alles brechend voll. Für uns gibt es aber wieder kein Frühstück. Wir laufen durch einen Zirbenwald ohne zu wissen was Zirben sind. Vom Zirbenschnaps erfahren wir erst an diesem Abend. Wie dumm. 😀 10.45 Uhr erreichen wir endlich eine offene Alm zum frühstücken und ich eskaliere. Kässpatzen mit Salatteller und als 2. Portion einen Kaiserschmarrn mit Apfelmus. Die Augen größer als der Magen – ja, ja. Und nein ich hab es bei weitem nicht geschafft! Auch P lächelt amüsiert als die Kellnerin bei uns auftischte. P kam allein, kurze Zeit nach uns und machte hier ebenso eine Pause. C war schon vor uns da und bestellte noch ein Weizen nach als wir hier wieder aufbrachen. C war mir am Abend auf der Braunschweiger Hütte zum ersten Mal aufgefallen. Die 25-Mann-Seilschaft UND die Jojo-Seilschaft überholten uns hier und auch H war ein paar Meter vor uns. Die „Seilschaften“ haben wir hier zum letzten Mal gesehen. Die Bergschulen gehen ab dieser Etappe einen anderen Weg und nichtmehr auf dem E5. Im Ötztal angekommen gehen die letzten Meter parallel zu einer Straße. Obwohl es erst 13.30 Uhr ist, sind wir froh endlich am Ziel zu sein für heute. Auf 19 Kilometer und 7,5 Stunden Gehzeit sind wir dennoch gekommen. Als erstes wollten wir alle unsere Sachen waschen und zum trocknen aufhängen. Die Hütte war jedoch erst ab 15.00 Uhr besetzt. Kurzerhand haben wir im Gebirgsbach neben der Talhütte unsere Klamotten gewaschen. Wie alte Waschweiber, jeder auf einem Stein.

Die Talhütte Zwieselstein ist eine Selbstversorgerhütte des Alpenvereins im Tal. Warmes Duschwasser und Steckdosen sind ein kleiner Luxus. Wir haben ein Vierbettzimmer. Mit uns ist wieder H und P hier sowie C, mit dem wir aber erst morgen ins Gespräch kommen.

Hüttenstempel

Das Selbstversorgen macht uns zu einer 4er Gruppe. Mit dem Bus zum einkaufen nach Sölden, gemeinsam kochen und dann kommt ja noch das Zielbier und der Hüttenschnaps. 😉 An diesem Abend, ohne Seilschaften und ohne Zeitdruck, sitzen wir zum ersten mal entspannt zusammen und erzählen. Für unsere Verhältnisse sogar relativ lang – bei Bier, Schnaps und Voltaren. Unser Zusammentreffen jeden Abend war bisher rein zufällig. H & P laufen allein und ohne Reservierungen in den Hütten. Als Alpenvereinsmitglied hat man den Vorteil nicht abgewiesen zu werden. Anders gesagt: eine Garantie in der Hütte bleiben zu können und wenn es ein Notlager ist. Wir verabreden uns noch zum gemeinsamen Frühstück. Es geht am nächsten Morgen von Zwieselstein (1.472 m ü.NN) hoch zum Timmelsjoch (2.474 m ü.NN) , über die Grenze nach Italien bis nach Moos (1.007 m ü.NN). Mit 25 Kilometern eine längere Etappe.  =Fortsetzung folgt=

 

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Etappe 4: Skihütte Zams – Braunschweiger Hütte

Geschlafen haben wir wieder vor 20 Uhr. Irgendwie ticken die Uhren auf den Hütten anders. So sind wir aber auch wieder vor 6.00 Uhr wach und startklar. Die Nacht war erholsam. Zum ersten Mal hatten wir 2er Boxen im Lager. So viel Privatsphäre waren wir schon gar nicht mehr gewohnt. Das Abendessen in der Skihütte Zams war das beste was wir bisher hatten auf der Tour. Vor- & Hauptspeise plus reichhaltige Salatauswahl. Die Skihütte Zams kann es definitiv mit einem Hotel aufnehmen ohne sich verstecken zu müssen! Frühstück gibt es um 7.00 Uhr. Das ist uns allen fast ein wenig zu spät für den langen, vor uns liegenden Tag.

Daten Etappe 4

Es startet trotzdem niemand früher weil die Seilbahn, die uns wieder auf den E5 Wanderweg zurückbringt, erst um 8.00 Uhr fährt. Naja was soll`s … lässt sich ja nicht ändern. Kurz vor 8 stehen wir alle an der Mittelstation der Venetbahn und warten. Die Gondel kommt und wir steigen ein.

Drama in der Gondel: 😀 Um die Türen der Gondel an der Mittelstation (ein Zwischenhalt der nicht bei jeder Fahrt bedient wird) öffnen zu können, muß der Gondelfahrer mit einem riesigen Stahlriegel die Gondel mit dem Mast der Zwischenstation verbinden. Erst dann hat die Gondel den richtigen Abstand zum Mast, so dass man ohne Stufe oder Spalt im Boden einsteigen kann. Wir stehen also alle in der Gondel. Der Fahrer der Venetbahn zieht den riesigen Stahlriegel und die Gondel hängt wieder frei. Er legt den Riegel auf den Boden, stellt sich darauf und wippt 5-6 mal darauf herum. Spätestens jetzt wird er von allen Fahrgästen aufmerksam beäugt. Ich schreibe immer von „DEM“ einen Fahrer. Es hätten auch glatt 2 in einem Körper sein können. Ein Bär von Mann, groß und breit. Macht ne Menge Schatten der Typ der trotzdem einen sehr sympathischen Eindruck macht! Als nächstes stellt er den Riegel weg. Achnee!! Er versucht ihnr irgendwo reinzustecken! Auf dem Riegel wippen, Versuch einzustecken, wippen, Versuch einzustecken, Versuch zu biegen, wippen, Versuch einzustecken. EWIG. Bis wir langsam begreifen: das Ding ist der „Zündschlüssel“.

Gondel der Venetbahn

Ohne diesen Riegel bzw Schlüssel geht die Tür nicht auf und lässt sich die Gondel nicht bewegen. Er müht sich sehr. Er hat unser aller Mitleid und alle drücken die Daumen dass er es hingebogen bekommt. 😀 Lust auf zusätzliche Kilometer hat keiner. OK das Sport-Wander-Paar vielleicht schon. Als nächstes verbindet der Gondelfahrer unsere Gondel wieder mit dem Mast. Er öffnet ein Fenster und versucht uns mit der Gondel zum schwingen zu bringen. Alles wortlos! Ob wir uns sorgen oder lachen sollen weiß gerade keiner mehr. Das ganze wirkt sehr planlos. Er bekommt den Schlüssel auch nur mit Mühe wieder aus dem Mast der Zwischenstation heraus. :-/ Er geht in seinen Führerstand steckt den „Zündschlüssel“ ein und Zack! Drin! Er lässt sich auf seinen Sitz fallen und piepst ein lautes Phuhh! Applaus in der Gondel!! Die Gondel fährt mit uns also los – nach unten. WAAAS?? Nach unten um dort noch die Jojo-Seilschaft einzuladen. AHHH!!! Wir haben das Gefühl, gar nicht los zu kommen heute. 😦 Oben ausgestiegen macht sich dort auch noch die 25-Mann-Seilschaft auf den Weg. Die Glanderspitze (2512 m ü.NN) ist im Nebel und ab 14.00 Uhr soll es Regen geben. 😦 8.30 Uhr laufen wir endlich weiter um 10 Minuten später hinter der langsamen 25-Mann Bergschule zu klemmen. Das wird mein Tiefpunkttag! Zur Krönung bemerke ich nicht wie ich ausversehen meine GPS Aufzeichnung an der Uhr pausiere. :-/ Mir fehlen mindestens 7 Kilometer in der Aufzeichnung. Wir haben uns für einen kleinen Umweg, um den Berg herum entschieden. Vom Gipfel sieht man an diesem Tag eh nix. Dadurch gehen wir eine längere Strecke, haben aber auch ein paar Höhenmeter eingespart. J kommt erst mit uns, nimmt dann aber doch einen anderen Weg zum Gipfel. Am Tag zuvor war sie mit in dem 30 Minuten Stau hinter dieser Gruppe.

 

Bergschule auf dem E5

Nach etwa einem Kilometer haben wir das große Glück, uns an der Bergschule vorbeizuschummeln. Der Bergführer erklärt etwas, was man in der Ferne sieht. Das hätte mich bestimmt interessiert aber in DIESEM Fall so gar nicht. NULL!! Hauptsache vorbei und Platz zum laufen. Aufgefädelt wie eine Perlenkette laufen die Lemminge … äh … Kunden des Bergführers hintereinander her. Kein rechts vorbei – kein links vorbei möglich. Mich wundert nicht, dass der Großteil der „Alleingänger“ nicht gerade erfreut ist in so einer Gruppe gefangen zu sein. Wir haben schnell so viel Vorsprung dass wir die Gruppe bald nicht mehr sehen können. Ab der Gogles Alm kommt sogar die Gute Laune zurück. Wir laufen größtenteils über felsige Wiesen vorbei an Pferden und Kühen. Ab der Gaflunhütte wird der Weg ein Wirtschaftsweg. Hier treffen wir wieder auf den E5 und es geht durch den Wald hinab nach Wenns (962 m).

Zwischen Wenns und Mittelberg geht der Fernwanderweg entlang einer Landstraße durch das Pitztal. Wir entschließen uns, dieses Stück Straße mit dem Postbus zu fahren. Hinter dem Pitztaler Hof in Wenns ist die Haltestelle. Wir kommen ca. 12.30 Uhr dort an und der Bus fährt vor. ;-D Perfektes Timing! Im Wartehäuschen sitzen außerdem H, P, der Kaltduscher von der Kemptner Hütte (mit Frau) und das Sport-Wander-Paar. Während der Fahrt beginnt es zu nieseln. In Mittelberg angekommen wollen wir noch kurz etwas essen um danach den letzten 3h Anstieg in Angriff zu nehmen. Im Berghof Steinbock kommen wir mit dem Nachbartisch ins Gespräch. „Ihr wollt zur Braunschweiger? Bei dem Wetter? Oh-Oh“ – „Und morgen übers Pitztaler Jöchl??“ – „Übermorgen wär da besser“ Gut dass wir nicht jedem Glauben schenken. 😀 Wir packen uns wetterfest ein und dann auf in den Kampf! Wenn man unter den Ersten auf der Braunschweiger Hütte wäre, hätte man noch warmes Duschwasser. 😀

Anstieg zur Braunschweiger Hütte 

Der Aufstieg beginnt erstmal verhalten. Die groben Felsbrocken sind glitschig vom Regen. Die Sicht wird immer schlecher. Wir sehen nichts talwärts und nach oben ebensowenig. „Bei der Kletterei vielleicht auch besser“ rede ich mir ein denn es geht wirklich extrem steil bergauf. Die Braunschweiger Hütte (2.759 m üNN) ist das höchstgelegene Etappenziel des Fernwanderweges Nr. 5. Wir orientieren uns hier wieder an den noch zu bewältigenden Höhenmetern und nicht an der Strecke. Die Zeit vergeht unbemerkt. Wir singen NDW Lieder und versuchen uns am bayrischen Dialekt. „I brauch ka grosse Welt, i will ham nach Fürstenfeld“ Höhenkoller? 😀

Nach einiger Zeit hören wir hinter uns ein keuchen im Nebel. Vor uns hören wir Stimmen. Sehen können wir niemand. Laut Uhr sind es keine 200 Höhenmeter mehr. Mit einem mal geht es dann sehr schnell und es kommt zu einem kleinen „Gipfel“treffen. H, P, und das Kaltduscherpaar vor uns die wir überholen und zwei der Leipzig/Erfurt Gruppe die uns alle zusammen überholen. Keine 10 Minuten später stehen wir plötzlich auf der Terrasse der Braunschweiger Hütte. ENDLICH!!!

Hüttenstempel

Schuhe zum trocknen, die regennassen Klamotten in den Trockenraum und erstmal unser Bett im Lager suchen. 7 Betten in einem Raum. Die 4er Leipzig/Erfurt-Gruppe, wir beide und H. Mir beginnt das langsam richtig Spaß zu machen. Man trifft sich jeden Abend auf der Hütte und tauscht sich über den Tag aus. Was für ein unbeschwertes Leben. Und es sollte noch besser werden! Wir sitzen beim Zielbier und erst jetzt fallen die Bergschulen ein. Aus dem Regen draußen wird nach und nach Schneeregen. Wir sitzen auf 2759 Metern Höhe und wollen morgen Früh auf über 3000. Bitte keinen Schnee!!

 

 

 

 

Etappe 3: Memminger Hütte – Skihütte Zams

Kurz nach 5.30 Uhr stehen wir vor der Memminger Hütte (2242 m ü.NN) und brechen auf. Mit einem Apfel und Müsliriegel als Ersatzfrühstück zwischendurch.

Daten Etappe 3

Der Weg bis zur Seescharte (2599 m ü.NN) wird unsere erste abenteuerliche Erfahrung bei dieser Alpenüberquerung. Wir freuen uns und auch das Wetter verspricht wieder einen sonnigen Tag. Mein erster Sonnenaufgang so weit oben in den Alpen. Die Sonne scheint auf die Bergspitzen und lässt diese in einem warmen Goldton strahlen. Während die Bergschulen zum Frühstück gehen, sind wir die Ersten die an diesem Morgen starten.

Der Weg wird heute steiler. Erst felsig, dann über Schnee und Geröllfelder. Auf einem schmalen Pfad geht es am Berg entlang. Links Geröll nach oben, rechts nach unten. Wenn ich weiter nach oben blicke, sehe ich eigentlich nur Felsen. HM … ich dachte der E5 Wanderweg hat keine Kletterpassagen?! Ein traumhafter Blick zurück zur Memminger Hütte. Am Fels angekommen kann man anhand der Markierungen den zu gehenden Weg langsam erkennen. „Weg“ ist ansich der völlig falsche Begriff. Die Route trifft es besser. An Stahlseilen entlang und immer weniger Platz zum gehen. Konzentriert kommen wir der Scharte immer näher. Die Stöcke sind hier nur im Weg und ich überlege ob es überhaupt sinnvoll ist mit Stöcken zu gehen wenn es so steil wird. Ja! Das ist steil und genau das was ich mir vorgestellt habe. Es werden noch anspruchsvollere Stücke kommen, aber dieser erste Abschnitt ist schon das was unsere Abenteuerlust erfüllt. Die Scharte ist eng aber man kommt gut durch. Sich für ein Foto nochmal umzudrehen, wird mit dem Rucksack aber schwierig. Wir machen trotz der Enge reichlich Fotos. Der erste Blick in das nächste Tal ist für mich vergleichbar mit dem ersten Blick in ein Geschenk. Leider ist sowas auf Fotos nicht festzuhalten – sowas kann man nur erleben. Durch unseren zeitigen Aufbruch sind wir hier oben ganz allein! Um 7.00 Uhr morgens! Verdammt geiler Scheiß!

Route über die Seescharte

Es folgt der anstrengendste Abstieg der Tour, über 1800 Höhenmeter nach unten Richtung Zams (767 m ü.NN). Die meisten Abbrecher geben in Zams auf, erfahren wir später. Der Weg nach unten beginnt ebenso steil wie der Aufstieg zuvor. Über Geröll und so große Absätze, dass ein normaler Schritt nicht ausreicht. Hier finde ich meine Stöcke auf einmal ganz sinnvoll, denn so kann ich mich wenigstens etwas auf die Stöcke stützen und muss nicht mein ganzes Gewicht auf meine Knie übertragen. Nach einer Stunde sind wir immer noch in dem endlos scheinenden Zickzack über Geröll. Eine Alm können wir schon länger sehen aber kommen nur äußerst langsam näher.

An der Lochbachalm endlich angekommen geht es angenehmer weiter. Immer entlang des Bachs über Wiesen und später auch durch Wald. Rechts und links vom Lochbach geht es steil bergauf. Die Schneisen, die von den Lawinen ins Tal gerissen werden, zeigen beeindruckend die Kraft der Natur. Kurz nach halb 10 kommen wir endlich zur ersten (und einzigen) Jausestation vor Zams. ENDLICH Frühstück! Käsebrote, Kaffee und ein Bier … morgens halb 10 in Österreich. ;-D Kurz bevor wir weiter gehen, kommt die 4er Gruppe von der Spielmannsau und lässt sich ebenfalls nieder.
Unsere Trinkflaschen sind noch fast voll, deswegen verpassen wir, sie noch einmal aufzufüllen. Auf den kommenden 2,5 Stunden haben wir keine Möglichkeit mehr dazu. Auf dem Fernwanderweg E5 geht das Wasser eigentlich nie aus. Man muss keine großen Vorräte mit sich schleppen um versorgt zu sein. Wie gesagt: eigentlich. Der Weg geht erstmal so entspannt weiter. Man bleibt sogar fast auf gleicher Höhe während der Lochbach eine tiefe Schlucht in das Tal schneidet. Später sehen wir Landeck. Zams muss also gleich um die Ecke sein. Ja – gleich um die Ecke und noch mal 700 Höhenmeter runter? Ja! Es wird noch einmal abartig steil und langsam schmerzhaft in den Knien. Eigentlich sieht man ja den Gipfel und kommt einfach nicht näher – hier sehen wir das Tal und kommen nicht näher. Etwa 150 Höhenmeter vor Zams (ja, Distanzen haben wir nur noch mit Höhenmetern gesehen 😀 )  müssen wir noch einmal Pausieren. Sie Sonne tut ihr Übriges. Aber nein, lieber Hitze und Sonne als Regen!!

Lochbach

Die 4-Kerle-Gruppe überholt uns hier. Endlich unten angekommen stehen wir vor der Bäuerinnenkapelle und feiern den Trinkbrunnen davor. Die Kirche in Zams ist das Wahrzeichen des Ortes. Der Kirchturm steht nicht bei der Kirche selbst, sondern ein paar Meter entfernt. Die Ursache dafür liegt in einem Brand, der 1911 die Kirche in Asche legte und die alte Bausubstanz zerstörte. Der Turm blieb erhalten, während die Kirche etwa 50 Meter entfernt neu errichtet wurde. Wir setzen uns in den Schatten und gönnen uns ein Eis von der Tankstelle. Denn ansich sind wir am Ziel. Zur Skihütte Zams (1.780 m ü.NN), in der wir übernachten, bringt uns eine Seilbahn. Bis dahin haben wir noch fast eine Stunde Zeit.

Nach und nach kommt ein bekanntes Gesicht nach dem anderen. P, J, H, W, eine gemischte 4er Gruppe aus Leipzig/Erfurt die wir auch schon von der Kemptner Hütte kennen und das Sport-Wander-Paar.

Hüttenstempel

15.30 Uhr sind wir auf der Hütte. Warmes Duschwasser für alle, Steckdosen am Bett(!), WLAN (!!!) und WÄSCHESERVICE (!!!!11!1) 😀 alles kostenlos. Auf die unterschiedlichen Wäschewaschaktionen werde ich später noch eingehen können. Wir haben Zeit zum entspannen, rasieren und für das Zielbier.

Wir sind alle glücklich diesen Tag gut überstanden zu haben und kommen hier, wo wir „unter uns“ sind, erstmals ins Gespräch. Für die Bergschulen scheint die Hütte zu teuer da sie keine Alpenvereinshütte ist. Wir hören erstaunt von über einer halben Stunde Rückstau vor der Seescharte. Eigentlich nicht verwunderlich wenn ein Bergführer 25 Leute da durch führen soll. Wie die Lemminge, das werden wir am nächsten Tag live sehen. Die nächste Etappe geht über Wenns (962 m ü.NN) hoch zur Braunschweiger Hütte (2759 m ü.NN). Der Wetterbericht droht ab 14.00 Uhr mit Regen. 😦 Fortsetzung folgt.

Etappe 2: Kemptner Hütte – Memminger Hütte

Die zweite Etappe geht von der Kemptner Hütte (1844 m ü.NN) erst noch einmal paar Höhenmeter nach oben bis aufs Mädlejoch (1973m). Dort überqueren wir schon die Grenze nach Österreich. Danach unser erster Abstieg der Tour hinunter bis auf 1114 m nach Holzgau, weiter über Bach 1070 m hinauf zur Memminger Hütte (2242 m ü.NN).

Daten 2. Etappe

Die Nacht war gut. Ich habe geschlafen wie ein Stein. Frühstück auf der Kemptner Hütte gibt es ab um 6.00 Uhr. Auf 5.30 Uhr steht der Wecker. Ich bin etwa eine viertel Stunde vorher wach. Mehr oder weniger mit den Ersten die sich aus ihren Hüttenschlafsäcken pellen. Die Kleidung für den neuen Tag liegt bereit um nicht im Rucksack wühlen zu müssen. Ich bin sofort topmotiviert und will nix verpassen. Ja nicht zu spät zum Frühstück kommen und anstehen müssen. Wenn die Bergschulen zum Futterfassen einrücken, werden die Plätze knapp. Nur keine Verzögerung riskieren! 😀 Von der Schulklasse haben wir übrigens nix mehr gehört und gesehen an diesem frühen Morgen. Der Besuch im Waschraum ging wieder sehr schnell 😀 und wir saßen 10 Minuten bevor es Frühstück gab am Tisch. Das Essen auf den Hütten war durchweg sehr gut! Reichlich, lecker und selbst für Vegetarier immer eine gute Auswahl. Top!! Als Alpenvereinsmitglieder haben wir sogar noch einmal vergünstigte „Bergsteigeressen“ und „Bergsteigergetränke“ bekommen. So kommt man auf den Hütten ansich sehr günstig weg. Wenn, ja wenn man abends nicht immer ein Bier und einen Hüttenschnaps trinken will. 😀 Man lernt auf dem Weg nach Italien so einige Schmankerl kennen. Mit Zirbenschnaps oder Haselnussbrand kann man aber auch jede Tagestour ein wenig feiern. Gehört ja dazu.

Auf das Frühstück warten außer uns noch ein älterer Herr und das Sport-Wander-Paar von der Oberstdorf Etappe. Wir sind dann tatsächlich die ersten und wir beäugen die immer länger werdende Warteschlange an der Frühstücksausgabe. Alles richtig gemacht. Wir brechen noch vor 6.30 Uhr auf in Richtung Mädlejoch. Das Wetter verspricht schönes Wetter. Ein paar Wolken aber der Tag soll sonnig und trocken werden. Das Brangelina-Sport-Wander-Paar startet nur ein paar Minuten hinter uns. Eine Bergschule mit einer Gruppe haben wir keine vor uns und auch keine im Nacken. Alles richtig gemacht.

Grenzschild Deutschland/Österreich (mit ENTE) 😀

Die ersten 30 Gehminuten steigen erst nochmal an. Noch ist es keiner der schwierigen Anstiege die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern. Das Sport-Wander-Paar überholt uns hier. Der Blick ins nächste Tal, wenn man eine Bergkette überwunden hat, ist immer etwas ganz besonderes. Oft auch mit einem WOW von mir kommentiert. Am Mädlejoch machen wir eine kurze Pause für ein Foto. Wir verkleben schnell noch unsere erste Ente am Grenzschild und starten den Abstieg.

Der Abstieg nach Holzgau ist streckenweise sehr steil. Wir merken schon hier, dass uns bergauf mehr Spaß macht. Unterwegs stellt sich die Frage an einem Wasserfall vorbeizulaufen (so verläuft die Originalroute) oder einen kleinen Schwenk über Österreichs höchste Hängebrücke zu machen. Wir entscheiden uns für die kürzere, also die Originalroute, vorbei am Simmswasserfall. Auf dem letzten Stück vor Holzgau werden wir noch von Blondie (von der Spielmannsau) überholt. In Holzgau kommen wir direkt an der Kirche an. Strahlend blauer Himmel läd zu einem zweiten Frühstück ein. Ich nutze die Pause und suche im Rucksack nach dem Stirnband und der Sonnenbrille. Der Aufstieg zur Memminger Hütte scheint schweißtreibend zu werden. Bevor es steil bergauf geht, müssen wir den Parseierbach überqueren. Die Brücke dort wird gerade erneuert und ist zudem mit Kühen verstellt. Wir müssen kurz auf der Karte schauen ob wir noch richtig sind. Auf dem Fernwanderweg E5 ist es nicht unbedingt notwendig mit einer Karte zu laufen. Selbst in den Geröllfeldern ist der Weg sehr gut markiert. Der Aufstieg zur Memminger Hütte ist zwar wesentlich steiler als der gestrige, dafür aber auch nochmal kurzweiliger! Wunderbares Alpenpanorama ab den ersten Metern. Abwechslungsreich über Felsen, Wiesen, Schnee und Bäche. Kühe, Pferde und zahlreiche Murmeltiere lassen sich von uns kaum beeindrucken. Mit gerademal 5 Stunden Gehzeit sind wir eine ganze Stunde schneller als geplant. Auf dem Memminger Hütte sind wir mit die ersten die eintreffen. Alles richtig gemacht! Mit einer Duschmarke haben wir sogar 3 Minuten warmes Wasser! Nachdem auch die gewaschenen Klamotten auf der Leine hängen, ist sogar noch Zeit für Kaffee und Kuchen bevor die Schlafplätze vergeben werden. Das Bettenlager ist hier wesentlich angenehmer aufgeteilt! 4er Boxen zu beiden Seiten des Ganges in 2 Etagen. Etwas mehr Privatsphäre als in der ersten Nacht. Mit uns beiden in einer Box ist die Blondine J (von der Spielmannsau) und auch P liegt wieder bei uns. So langsam erkennt man sich wieder und kommt ins Gespräch. In der Box gegenüber kannte ich bis dahin nur W. Ein überaus sympathischer Schweizer(?!). Alle drei gehen den E5 allein. Mehr oder weniger. Denn je weiter man den Weg geht, umso mehr Kontakte knüpft man. Außerdem entwickelt sich ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Hüttenstempel

Die Bergschulen, die mit 20-25 Leuten in einer Gruppe gehen, haben sich untereinander – jedoch kaum Kontakte nach „außen“. Reservierte Tische in den Hütten, eigene Essenszeiten und teilweise sogar eigene Schlafräume, grenzen diese (von uns immer Seilschaft genannten Gruppen) auch so gut wie möglich ab. Viele Streckenabschnitte, die weniger interessant sind, fahren diese „Seilschaften“ mit einem Taxi. In Erinnerung ist mir eine Bergschule mit einer 25-Mann „Seilschaft“. Sehr groß und ebenso langsam unterwegs. Und eine Zweite – die „Jojo-Seilschaft“ – jünger und auch ein wenig schneller. Dieses Nicht-zu-einer-Gruppe-gehören verbindet die in Eigenregie gehenden miteinander. In der Box gegenüber ist mir noch H aufgefallen als sie mich verschnupft nach einem Taschentuch fragte. Noch nicht viele Worte gewechselt aber das sollte noch kommen.

Auf der Seekogel (2412 m), dem Hausberg der Memminger Hütte, sollte es ab und zu Handyempfang geben. Wir haben die rund 200 Höhenmeter noch draufgelegt und wurden mit einem traumhaften Ausblick belohnt.

Seekogel (2412m üNN) in den Lechtaler Alpen

Handyempfang war allerdings wenig bis gar nicht vorhanden. Eine SMS an meine Schwester war alles was ich mit Müh` und Not absetzen konnte. Der Abend verging ähnlich wie der erste in der Kemptner Hütte. Zielbier und Bergsteigeressen – Kleidung für den nächsten Morgen bereit legen und den Wecker stellen. Die Bergschulen haben beim Frühstück auf der Memminger Hütte Vorrang. 1. Durchgang beim Frühstück war nur für die Seilschaften, danach der Rest. Die dritte Etappe beginnt spektakulär. Es geht über eine schweren Aufstieg durch die Seescharte (2600 m) und mit einem anstrengenden Abstieg hinunter nach Zams (767 m) ins Inntal. Bei angesagten 8-9 Stunden Gehzeit wollten wir nicht hinter einer Gruppe stecken. Deswegen ist unser Plan noch VOR dem Frühstück zu starten. (auch hier haben wir wieder alles richtig gemacht!) Dieses wollen wir an der ersten Jausestation Richtung Inntal nachholen. 😉 Etappe 3 – Fortsetzung folgt!

 

Anreise nach Oberstdorf & Erste Etappe Oberstdorf – Kemptner Hütte

ES GEHT LOS, ES GEHT LOS! Kurz nach 4 Uhr klingelt der Wecker. Wir starten Richtung Oberstdorf. Die Stadt selbst ist für uns nur wenig spannend wenn wir daran denken, was die kommenden Tage noch auf uns wartet. So scheint die letzte Übernachtung vor dem E5 ein einziges „Zeittotschlagen“ zu werden. Sicherlich ist Oberstdorf im Winter auch ein wenig spektakulärer als das sommerliche Oberstdorf. Die Masse an Ü70 Schickimickiwanderern vertreibt uns aus der Innenstadt. Unser erhoffter Langzeitparkplatz an der Therme klappt auch nicht wie vorher per Mail abgesprochen. Ausgerechnet an DIESEM einen Tag hat die Therme kurzfristig geschlossen. Uns bleiben nur die großen P1 und P2 Parkplätze vor der Stadt. Besonders nervig ist das buchen unseres Langzeitparkplatzes mit Hilfe einer App. 😦 Für die Nacht ist zu dem noch Regen angesagt. Das Zelt liegt also 10 Tage pitschnass im Auto. Mir reichts … ich will endlich los. „Hallo Oberstdorf, schön dass wir da sind, können wir wieder abhaun?“ 😀 Der E5 geht nur 50 Meter am Zeltplatz vorbei. Ab um 8 Uhr morgens öffnen sich erst die Schranken am Zeltplatz. Das ist unser Plan! Ich kann mich nicht erinnern ob wir den Wecker gebraucht haben. Es nieselte am Morgen noch immer und gleich zum Anfang stellte sich die Frage: „Was ziehe ich an?“ Laut Niederschlagsradar hört der Regen in einer Stunde auf und das Wetter soll dann besser und wärmer werden.

Wir stehen auf dem Parkplatz P2 und holen uns ein schnelles Frühstück bei EDEKA :-/ Lange Hose, kurzes Shirt und Regenjacke. UND beste Laune denn jetzt geht`s endlich los.

ETAPPE 1 – Oberstdorf – Kemptner Hütte

Etappe 1 Daten

Erste Pause an der Spielmannsau

Von 813 Meter über dem Meeresspiegel steigt der Weg ganz allmählich an. Die ersten 7,5 Kilometer – vorbei am Bahnhof, der Fußgängerpassage und der Talstation der Nebelhornbahn in Richtung Spielmannsau. Auf 1071 Metern Höhe liegt der Berggasthof. Der erste Tag E5 ist noch ein Stück zum eingewöhnen. Wir machen hier die erste Pause während der Bergsteigerbus (wäre noch bis hierhin gefahren) eine Ladung E5 Wanderer ausspuckt die lustiger Weise das gleiche tun. Raus aus dem Bus > rein in die Kneipe und Bier bestellt. Wir haben erst am Abend (und dann täglich mehr) festgestellt, dass man alle am gleichen Tag gestarteten E5ler, immer wieder trifft und kennenlernt. So sitzen mit uns eine 4er Gruppe, eine etwas ältere 3er Gruppe und eine einzelne Blondine auf der Terrasse. Ach und eine Schulklasse macht sich noch startklar. (?) „Die werden doch nicht auch …?“ Ebenfalls mit uns in Oberstdorf gestartet ist ein jüngeres Paar. Sehr sportlich unterwegs und mit ordentlich Tempo machen die beiden natürlich keine Bierpause in Spielmannsau. Es regnet übrigens nicht mehr, so dass die Regenjacke zurück in den Rucksack kommt. Die Trinkflaschen füllen wir nochmal nach und dann starten wir zum letzten, etwas steileren Teilstück. Auf 1844 HM liegt die Kemptner Hütte. Wird also endlich Zeit für paar Höhenmeter. 😀

Hüttenstempel der Kemptner Hütte

Die Schulklasse war schon ein paar Minuten vor uns gestartet. Wir hatten die Lücke im Nu wieder zugelaufen, und als der Weg zu eng war um noch nebeneinander gehen zu können, waren wir genau hinter ihnen. Zum Glück konnten wir noch schnell an allen vorbei. Was es heißt, hinter einer Gruppe festzustecken, werde ich auf einen der nächsten Etappen berichten. Der Weg hinauf zur Kemptner Hütte ist ziemlich „eingewachsen“. Keine besondere Aussicht – eher wie im Mittelgebirge. Ab der Wallfahrtskapelle ”Maria am Knie” geht es steil bergauf. Dort werden wir von der 4er Gruppe aus der Spielmannsau überholt. Nach der kleinen Wallfahrtskapelle ändert sich auch der Weg. Ein steiniger Steg. Es geht über, zum Teil sogar unter den Schneeresten des Winters bergauf, immer entlang des Sperrbachs. Oben angekommen reißt sogar der Himmel auf. 😀 Wir machen unsere erste Erfahrung mit einer Alpenvereinshütte! Spannend! Wir schauen was die anderen tun und machen alles brav nach. Eine Berghütte ist kein Hotel. Von dem Ablauf in den Hütten, werde ich auf den nächsten Etappen mehr berichten. Wir hängen unsere Sachen zum trocknen und suchen als erstes unseren Platz im Bettenlager. Danach sollte man eigentlich mal zum duschen gehen. Im Waschraum waren mehrere Waschbecken und nur EINE Duschkabine. WTF? Die Kemptner Hütte ist mit 290 Schlafplätzen eine der größeren Bersteigerunterkünfte. Die nur eine Dusche erklärt sich damit, dass es nur kaltes Wasser gibt. Arschkaltes Wasser. Verflucht abartig kaltes Wasser … jedenfalls für mich als Warmduscher. Ich reih` mich an den Waschbecken mit ein – es tut auch eine Wäsche am Waschbecken. Großen Respekt von uns Waschbeckenwaschern bekam einer der todesmutig unter die Dusche ist und mit „ahh – oh – uhh – ahh – uhh“ die Wassertemperatur kommentierte.

Mit unserem Schlafplatz an der Wand haben wir Glück gehabt in unserer ersten Hüttennacht im Schlaflager. Neben uns liegt P, ein sympathischer Alleingehender, den wir später noch gut kennen lernen werden. Neben P ist sogar ein Schlafplatz frei, so dass sich alles etwas auflockert. Ohne Ohropax geht trotzdem nix. Ziemlich verrückt ist außerdem, dass wir 19.00 Uhr so müde waren als hätten wir eine Nacht durchgemacht. Wir sind nicht die ersten die sich so früh zum Schlafen legen. Nur die Schulklasse tobt mit ordentlichen Lärmpegel durch die Hütte. Dank der Stöpsel im Ohr sind die schnell ausgeblendet. Ich hab zu diesem Zeitpunkt noch befürchtet dass wir jeden Abend diese „Unterhaltung“ haben. Die Schulklasse ist am kommenden Tag wieder zurück nach Oberstdorf abgestiegen. Mit der zweiten Etappe, nach einer relativ kurzen ersten Etappe, geht die E5 Alpenüberquerung erst richtig los. Den Aufstieg zum Mädelejoch (1.974 m) und später zur Memminger Hütte (2.242 m), hatte ich mir als erstes Highlight markiert. 😀

Meine Packliste für die Alpenüberquerung

Man macht sich ja im Vorfeld Gedanken was man auf der Route braucht und somit hat man ja schon eine gewisse Vorstellung. Ein Probepacken ist aber absolute Pflicht meiner Meinung nach. Man staunt wie schnell die 10% des Körpergewichts an Marschgepäck erreicht sind. Dann heißt es leichtere Alternativen finden oder weglassen. An andere Sachen hat man im Vorfeld noch gar nicht gedacht. Tetris 2.0 🙂 Mein Rucksack hat, ohne befüllte Wasserflaschen, fast 9 Kilo auf die Waage gebracht … also bin ich über der 10% Faustformel. :-/

 

Ich packe meinen Trekkingrucksack (50 Liter) und nehme mit:

Klamotten: Trekkingstöcke, Wanderschuhe, Softshelljacke, 2x Zip-off Trekkinghosen, Regenhose, Regenjacke, Regenponcho, 2x Wollsocken (Merino), 2x Funktionsunterwäsche, 2x Funktionsshirt kurzarm, 2x Funktionsshirt langarm, Handschuhe, 2x Stirnband, Gamaschen

Für die Hütten: Schlafsack, Ohropax, Badelatschen, Wollpullover, Hose, Microfaserbadetuch, Zahnbürste, Zahnpasta, Stück Seife, Haarbürste, Notizbuch & Kugelschreiber, Teebeutel

Für den Notfall: Energieriegel und Notfallgel, Trillerpfeife, Sonnencreme, Blasenpflaster, Toilettenpapier 😉 , Kniebandage

Technik: Garmin Forerunner 235, Kamera, Fernglas, Handy, GoPro, Solarpowerbank,
Gedöhns: Mitgliedsausweis Alpenverein, Geld, EC Karte, Ausweis, Krankenkassenkarte, Wanderkarte, Sonnenbrille, 2x 500ml Trinkflasche, Taschenmesser

 

Verfolgen kannst du uns ab dem 24. Juni bei twitter

Der Berg ruft!

Rauschmittel Abenteuer. Den Traum von Freiheit wahr werden lassen, wenn es auch nur für ein paar Tage ist. Unser Leben ist 24/7 so durchstrukturiert, dass quasi jeder Schritt vorgegeben scheint. Spüren wir überhaupt noch diesen Nervenkitzel, nicht zu wissen was als nächstes passiert? 😉 Wir überqueren die Alpen zu Fuß. Auf uns warten 180 km in 9 Etappen durch 3 Länder. Es gilt 5 Bergketten und 6 Täler zu überwinden. Gesamt 10.000 Höhenmeter nach oben und 9.600 nach unten. Nach dem Ersten Schritt gibt es kein zurück mehr. Erst in Meran wartet ein Bus, der uns zurück nach Oberstdorf bringen wird.

„Wie kommt man auf eine so bescheuerte Idee?“ Oh danke für die Frage! Zum ersten Mal davon gehört habe ich 2016 in einem TV Bericht. Ein so langes Stück zu Fuß zurücklegen wollte ich schon länger einmal. Trotzdem schien es 2016 nur ein Traum zu bleiben. Im Herbst 2017 war aus dem Traum ein Plan geworden. Nunja … unverhofft kommt oft. Alle Hütten sind gebucht und unsere Route steht. Wir gehen den Europawanderweg E5 auf der Originalroute bis zur Meraner Hütte. Von dort aus geht der letzte Tagesabschnitt runter nach Meran. Der Großteil der Alpenüberquerer nimmt ab Sölden eine andere Route die am Vernagt Stausee endet. Von dort aus fährt man dann die letzten 40 Kilometer mit dem Bus nach Meran. Nee, nee … das wollten wir nicht. Wennschon, dann auch zu Fuß im Ziel ankommen. Das kennen wir als Läufer. Emil Zatopek hat gesagt: „Hier ist der Start, dort das Ziel, dazwischen musst du laufen.“ So soll es sein!

Im Augenblick sind wir beim finalen Probepacken. Unsere Packlisten stehen nämlich noch nicht 100%ig fest. Ausführlich werde ich danach noch berichten. Verfolgen kannst du uns ab dem 24. Juni bei twitter 😉