Harzer-Hexen-Stieg

Prolog:
Wir hatten wieder große Lust zu Laufen! Nach der Radtour an die Nordsee im Sommerurlaub haben wir das Wandern schon etwas vermisst. Deswegen haben wir bei der Planung der Herbstferien nach einem Fernwanderweg Ausschau gehalten. Nach unserer positiven Erfahrung bei der  Alpenüberquerung zu Fuß, auch gern wieder über ein Gebirge. Der Rennsteig hatte sich schnell erledigt weil wir die Distanz in einer Woche nicht schaffen werden. Der Flyer vom Harzer-Hexen-Stieg liegt schon ein Jahr in unserer „To-do-Kiste“ und ist mit seinen zirka 100 Kilometern wie gemacht für 5 Tage Abenteuer. Nach einem anfänglichen Versuch uns selbst Etappen zu suchen und Hotels zu buchen (Es war uns leider nie möglich in jedem Etappenort ein Hotelzimmer zu bekommen. Nacht 1 und 2 war zugesagt – Nacht 3 war kein Platz für uns – Also alles stornieren und von Neuem planen?!) haben wir uns entschlossen das den Profis zu überlassen. „Wandern im Harz“ hatte ein Paket im Angebot was uns sehr zusagte. 5 Tage, 4 Etappen, inklusive Brockenübernachtung, Verpflegungspaketen und Rücktransport. Der Harzer-Hexen-Stieg führt von Osterode aus über den Brocken bis nach Thale. Leider gibt es von Thale aus keine einfache Möglichkeit zurück nach Osterode zu kommen. Der Harzer Tourismusverband hat auf meine Anfrage per Mail einfach nicht reagiert. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, reichlich drei Stunden Fahrzeit und 4-mal umsteigen, wäre die Antwort auch keine Werbung gewesen. Sehr wertvoll war es also den Rücktransport gleich mit inklusive zu haben. Alles war gebucht und bestätigt – die Rucksäcke gepackt und die Vorfreude groß! Dann kam die 2. Corona Welle. Anfang Oktober verhängten die ersten Bundesländer ein Beherbergungsverbot für Gäste aus so genannten Risikogebieten. Zum Risikogebiet wird ein Landkreis wenn es in den vergangenen 7 Tagen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern mit dem Corona-Virus gegeben hat. Ab ca. 10. Oktober stieg diese 7-Tage-Inzidenz für den Landkreis Zwickau sprungartig an, bis wir am 15. Oktober die Schwelle von 50 überschritten hatten. Unsere Laune war im Keller und die Panik war groß! In drei Tagen wollen wir loslaufen und nun steht plötzlich alles auf der Kippe. Zwar hat das Land Niedersachsen das Beherbergungsverbot gerichtlich gekippt, aber Sachsen-Anhalt war dafür umso strenger. Telefonate mit „Wandern im Harz“ konnten uns nicht wirklich beruhigen, denn die eindeutige Antwort die wir uns erhofften war stets ein Vielleicht. Am 16. Oktober war der 7-Tage Wert wieder bei 49 – am 17. Oktober bei 42. Am Samstag, dem 18. 10. starten wir Richtung Harz bei einer 7-Tage-Inzidenz von 34. Alles sieht erstmal sicher aus. Man könnte meinen wir haben nochmal Glück gehabt.

 1. Etappe – Von Osterode nach Altenau:
Wir verlassen kurz vor 9.00 Uhr das Hotel. Mit unseren Wanderrucksäcken und den Wanderschuhen steigen wir ins Auto. Das fühlt sich ganz schön dämlich an. Aber wir fahren nur bis zum großen Wanderparkplatz der am Startpunkt vom Harzer-Hexen-Stieg ist. Mitten in Osterode und sogar kostenfrei! Am Infopavillon machen wir das obligatorische Startfoto und ab gehts. Auf unserer Uhr stehen 227 Meter über Null. Direkt gegenüber des Startpunktes geht es sofort bergauf. Gleich nach den letzten Wohnhäusern von Osterode führt der Weg  in den Wald. Abgesehen von unseren Übernachtungsorten werden wir in den kommenden Tagen nur wenige Orte passieren – und wir bleiben fast durchgängig im Wald. Wir sind unterwegs zum Eselsplatz aber als Erstes begrüßt uns eine Holzfigur am Wegesrand. Im Prinzip eine Infostation zu den Kiepenfrauen. Die Kiepenfrauen waren der Paketdienst des Harzes. Ab dem 16. Jahrhundert bis ins frühe 20. Jahrhundert transportierten die Frauen in ihrer Kiepe verschiedene Waren zwischen den Harzorten. Die Arbeit war nicht leicht, denn bis zu 40kg trugen die Frauen durch die Berge. Auf unseren Schultern sind gerademal ca 10kg und das reicht mir schon. Am Eselsplatz ist die erste Stempelstelle für unsere Wanderpässe. Entlang des Hexen-Stiegs sind eine Vielzahl an Stempelpunkten verteilt. Ähnlich wie auf dem Jakobsweg gibt es am Ende eine Urkunde und einen Pin als kleine Auszeichnung. Das hat mir auf dem Camino eigentlich immer Spaß gemacht und darum freue ich mich auf das Stempel sammeln. Das Stempelheft ist schließlich auch ein besonderes und informatives Andenken an den Weg. Abgesehen davon kann man im gesamten Harz Stempel sammeln für eine Wandernadel. Eine sehr gute Idee! Nicht nur der Hexen-Stieg als Sonderpass sondern die Stempelpässe für die Wandernadeln sind ein besonderer Anreiz den Harz wieder und wieder zu besuchen!
Der Weg von Osterode hier hinauf soll bereits im 13. Jahrhundert entstanden sein. Er war bis ins Hochmittelalter die Verbindung zwischen Osterode und Harzburg. Der Weg diente als Heerstraße zur Harzburg, als Versorgungsstraße in den Harz und auch als Erztransportweg. Im Harzer-Korn-Magazin in Osterode wurde das Getreide für die Bergleute im Harz gespeichert. Von hier aus zogen tagtäglich Eselskarawanen um die Bergleute mit Lebensmitteln zu versorgen. Es geht weiter bergan und wir merken langsam, dass wir im nördlichsten Mittelgebirge unterwegs sind. Die Wege sind durch den Regen der letzten Tage mal mehr, mal weniger matschig. Auch der Nebel wird ab und zu dichter und ist kurz darauf wieder komplett verschwunden. Das passt prima als mystische Einstimmung auf unsere Harz-Tour. Wir passieren ein paar größere Teiche und den Entensumpf. Dazwischen immermal wieder eine Stempelstelle. Die Teiche sind schon ein Teil des Oberharzer Wasserregals. Ein Regal war im Mittelalter kein Möbelstück, sondern ein königliches Hoheitsrecht. In diesem Fall das Recht, die Wasserquellen im Oberharz zu nutzen. Meine Fresse, das nenne ich ja mal lehrreich für den ersten Tag! Das Oberharzer Wasserregal ist ein hauptsächlich im 16. bis 19. Jahrhundert geschaffenes System zur Umleitung und Speicherung von Wasser, das Wasserräder in den Bergwerken des Harzer Bergbaus antrieb. Es gilt als das weltweit bedeutendste vorindustrielle Wasserwirtschaftssystem des Bergbaus. Sie erstrecken sich über ein Gebiet von rund 200 Quadratkilometern. Den Rest des Tages sind wir dann auch neben einem Wasserlauf hergelaufen. Er hat den poetischen Namen “Dammgraben“. Er war immer da. Wenn man ihn einmal nicht gesehen hat, verlief er unterirdisch. An der Oker verlassen wir den Hexen-Stieg für heute. In Altenau endet unsere erste Etappe. Nach reichlichen 7 Stunden Gehzeit und fast 29 Kilometern stoppen wir unsere Uhren. Im Landhaus am Kunstberg beziehen wir unser Zimmer und feiern im Kaminrestaurant „Kleine“ Oker unsere erste Etappe.

 

2. Etappe – Von Altenau auf den Brocken
Nach den ersten Schritten am Morgen spüren wir schon ein wenig die Kilometer vom Vortag. Heute geht es auf den Brocken. Die Strecke ist zwar etwas kürzer, führt dafür aber stetig bergauf. Ausgerüstet mit einem neuen Lunchpaket verlassen wir Altenau. Vorbei am Waldbad geht es wieder hinauf zum Dammgraben. Dieser bekleidet uns fast noch den halben Tag. Der Weg wird zwischendurch sogar richtig spektakulär. Eine kleine Umleitung führt uns steil einen Hang hinunter und ich komme mir vor wie in den Alpen. Zum ersten Mal fallen mir heute die großen Flächen abgeholzter Wälder auf. Dazu will ich später noch etwas mehr sagen. Wir laufen einen Skihang hoch und wir kommen nach Torfhaus. Der Ort kommt wie bestellt denn es bahnt sich ein Regenschauer an. Den sitzen wir hier bei Kaiserschmarren und heißer Schokolade mit Rum aus. In Torfhaus gibt es einen der wenigen Geldautomaten am Hexenstieg, was ich auch vorsichtshalber nochmal nutze. Außerdem brauchen wir auch noch eine Füllung für unseren Wander-Flachmann. Gefühlt trage ich den ständig nur leer durch die Gegend, egal wo wir den dabei haben. Eine Flasche roten Gin habe ich ausgewählt und einen Kaffeelikör. Beides ansich Flaschen, die als Mitbringsel oder Souvenir gekauft werden. Als die Verkäuferin fragt, ob sie die Flaschen etwas in Papier einschlagen soll, liegt mir ein „Wozu??“ auf den Lippen. Mit einem „Ja gern“ komme ich dann mit zwei neutral verpackten Flaschen aus dem Laden. Ich komme mir schon etwas vor wie ein Trinker. 🙂 Dann geht es weiter Richtung Brocken. Kaum wieder im Wald kommen wir zum Torfhausmoor. Ein Holzsteg führt hier direkt darüber hinweg. Das Moor liegt in rund 800 Metern Höhe zwischen Torfhaus und dem östlich gelegenen Brocken in einem besonders niederschlagsreichen Gebiet. Es hat eine rund 10.000 Jahre alte, über fünf Meter dicke Torfschicht. Dann wird es voll auf dem Weg. Von weitem hören wir schon die Brockenbahn. Mit jedem Kilometer wird der Weg voller. Immer mehr Wanderer und Touristen strömen Richtung Gipfel. Dazwischen Leute mit Hunden, Kinderwagen und Mountainbiker. Der Weg wird immer dann frei wenn die Harzer Schmalspurbahn vorbeikommt. Denn dann stehen alle am Rand und machen Fotos. Wir natürlich auch und im Grunde sind wir ebenso nur Touristen. Es nervt nur ein wenig die Unachtsamkeit die einige an den Tag legen. Oben angekommen wird es schlagartig kalt und windig. Die Stempelstelle für unsere Wanderpässe muß man hier auf dem Brockenplateau regelrecht suchen. Nach dem Stempel und dem typischen Foto vor dem Schild was den höchsten Punkt markiert, gehen wir ins Hotel. Unser Zimmer im Brockenhotel ist der Hammer! In der dritten Etage erwartet uns ein großes Zimmer (304) mit einer riesigen Fensterfront und einem gigantischen Ausblick! Unser Zimmerschlüssel passt zudem an der Tür zur Aussichtsplattform in der 8. Etage. Als Hotelgäste sind für uns automatisch Plätze im Restaurant reserviert. Wir gehen zwischendurch immer wieder raus um Fotos zu machen. Viele, viele, viele, viele Fotos. Das Zimmer hat einen Fernseher – aber bei diesem Ausblick schaut man lieber aus dem Fenster. (und macht selbst dabei wieder viele, viele, viele Fotos) Je später der Abend umso weniger Leute sind zu sehen. Spätestens nach der Abfahrt der letzten Bahn sind nur noch die paar Hotelgäste hier. Wir gehen zum Sonnenuntergang schon wieder raus um Fotos zu machen. Der Nebel, der anfangs nur kurze Lücken zum Fotografieren hatte, ist jetzt fast komplett verschwunden. Mal ein paar Fakten zum höchsten Berg Norddeutschlands: Er ist kalt (3 Grad im Jahresschnitt), absolut kahl (oberhalb der Baumgrenze) und nie zu sehen (306 Nebeltage pro Jahr!). Wahrscheinlich haben sich deswegen Mythen um diesen vernebelten Berg gerankt. Wenn die Sonne scheint, soll man sogar seinen eigenen Schatten im Nebel sehen können, das sogenannte Brockengespenst. Dass also der Nebel jetzt zum Sonnenuntergang verschwindet und später sogar der Sternenhimmel zu sehen ist, ist für uns sensationell. In der Nacht werde ich zweimal wach und gehe zum Fenster. Ich sehe die Sterne und die Lichter von Ilsenburg.  Die Übernachtung im Brockenhotel war ein Erlebnis!

 

 

3. Etappe – Vom Brocken nach Rübeland
Bei der Verabschiedung im Hotel wird mir nochmal bestätigt, dass wir ziemliches Glück hatten mit dieser Aussicht. Draußen stürmt es und wir sehen zu, dass wir schnell vom Gipfel runter kommen. Die ersten Kilometer laufen wir auf der Brockenstraße. Die abgestorbenen Wälder werden hier wieder sehr deutlich. Was mir fast jeden Tag aufgefallen ist wirkt hier fast ein wenig beängstigend. Ich kann mich gut an Jahre zurückliegende Wanderungen im Harz erinnern. Egal ob 5-6 Jahre zurück oder noch früher, mit meinen Eltern in meiner Kindheit, ich kenne den Harz nur mit dichten, dunklen Wald. Wenn man durch den Harz läuft, ist es nicht zu übersehen, der Wald stirbt oder ist schon längst gestorben. Die Ursachen sind wohl recht einfach. Als im Harz noch der Bergbau regierte, war Holz ein knappes Gut. Also wurde der Großteil der Fläche mit schnellwachsenden Fichten als Monokultur bestellt. Doch leider sind diese Fichten nicht sehr resistent, was Wasserknappheit angeht. In heißen und trockenen Sommern verlieren sie ihre Kraft. Kommt dann ein Borkenkäfer um die Ecke, haben sie keine Chance. Ganze Berge wären kahl wenn die abgestorbenen Stämme nicht stehen würden. Mein erster Gedanke ist panisch.  Auf der der anderen Seite werden vermutlich neue Arten den Harz in Besitz nehmen, zuerst Birken, später dann Eichen, Linden oder Buchen. Der Harz verändert sich halt. Später in Thale ist es sehr deutlich zu sehen – den Laubwäldern geht es wesentlich besser. Aber es ist  schon bedenklich, dass der Mensch diese Veränderungen provoziert. Nicht nur, dass er Monokulturen anbaut und sich wundert, dass sie eingehen.  Nein – durch seinen täglichen Lebenswandel verändert er das Klima nachhaltig. Der Klimawandel ist hier im Harz kein fernes Konstrukt sondern sehr nah und sehr konkret. Der Wald stirbt. Wir verändern diesen Planeten nachhaltig. Wenn man hier wandert, kann man das nur noch schwer übersehen. Der Nationalpark Harz gibt sich große Mühe diesen „Wandel“ zu erklären. Auf zahlreichen Infotafeln und in Flyern wird erklärt, dass tote Bäume auch neuer Lebensraum bedeutet. Auf rund 60% der Waldfläche im Harz greift der Mensch schon heute nicht mehr ein. Bis zum Jahr 2022 sollen es sogar 75% sein. Ich hoffe dass der „Wandel im Wald zur neuen Wildnis“  nicht nur eine Ausrede für die Touristen ist! Schließlich gehören inzwischen auch bei uns zu Hause tote Nadelbäume ins Bild wenn man an Wald denkt. Aber jetzt weiter auf dem Harzer-Hexen-Stieg. Wir laufen weiter, vorbei an Schierke nach 3 Annen Hohne. Ich erkenne auf diesen Kilometern so viele Orte wieder an denen ich als Kind mit meinen Eltern war. Orte wie der „Trudenstein“, die „Spinne“ oder die „Steinerne Renne“. Ohje – ich glaube ich habe damals viel gejammert wenn ich mit meinen Eltern wandern war. Es tut mir bei dem Gedanken jetzt regelrecht Leid. Schließlich müssen es diese Wanderungen gewesen sein, die den „Virus“ bei mir gepflanzt haben. Danke Mutti und Vati!
Wir sammeln weiter Stempel ein und hinter 3 Annen Hohne machen wir Mittagspause mit unseren Lunchpaketen vom Brockenwirt (die Besten unserer Tour!). Danach wird der Weg etwas eintöniger. Orte wie der Königshütter Wasserfall können uns nur kurz begeistern. Zwischen Susenburg und Rübeland spulen wir nur noch Kilometer ab. Der Blick geht immer wieder auf die GPS Uhr – wie viele Kilometer sind es noch? Das Hotel in Rübeland ist schnell gefunden und wir kommen nach rund 6,5 Stunden und 28 Kilometern endlich an.

 

4. Etappe – Von Rübeland nach Thale
Die Nacht in Rübeland war auffällig laut. Zum ersten Mal war das Hotel an einer viel befahrenen Straße und die vorbeirauschenden LKW weckten uns hin und wieder auf in der Nacht. Das Frühstück war Okay und unser Lunchpaket für den heutigen Tag bekamen wir in einer Folietüte vom Fleischer auf den Tisch gesetzt. Unsere Brote konnten wir uns selbst schmieren und somit konnten wir als Vegetarier sogar darüber lachen. Anstelle vom Wirt hätte ich das genauso gemacht! 🙂 An unserem letzten Tag bin ich hochmotiviert. Noch einmal die letzten Kilometer laufen und genießen. Wir wandern den ganzen Tag entlang der Bode. Der Wald hat sich verändert und wir gehen heute Hauptsächlich durch Laubwälder aus Buchen, Linden und Eichen. Dementsprechend herbstlich bunt ist es um uns herum. An der Wendefurther Talsperre sammeln wir einen weiteren Stempel ein und beobachten jemanden beim Wallrunning. Cool! – Aber heute sind wir zum Wandern hier und nicht wegen dem Adrenalin. Wir passieren Altenbrak und kommen überreif für eine Pause in Treseburg an. Ein Eisbecher und ein Bier als Stärkung für den letzten Abschnitt Richtung Thale. Leider ist das Bodetal ab hier gesperrt und der Hexen-Stieg wird umgeleitet. Der Harzer-Hexen-Stieg gilt als Qualitätswanderweg und ist wirklich hervorragend ausgeschildert! Ähnlich wie der Jakobsweg mit seinen gelben Pfeilen ist auch der Hexen-Stieg unübersehbar gekennzeichnet mit einer Hexe. Selbst der Weg an der Talsperre hatte eine fest ausgeschilderte Hochwasserumgehung „nur für den Fall“. Ebenso gut ist die Wegbeschreibung die wir von „Wandern im Harz“ mit auf die Reise bekommen haben. Beides zusammen macht ein Verlaufen nahezu unmöglich. Selbst für Umleitungen wie diese, haben wir in Osterode noch eine aktuelle und detaillierte Wegbeschreibung bekommen. Hinter Treseburg geht es nochmal steil bergauf. Fast 200 Höhenmeter! Ohje! Leider sind die Stempelstellen ab hier nicht mit in unserem Wanderpass aufgeführt. Ansich führt der Weg ja durch das Bodetal. Ich suche mir jede freie Stelle in meinem Pass um trotzdem alles zu sammeln. Die Stecke führt über Wirtschaftswege bis zum Tierpark am Hexentanzplatz. Danach geht es über Serpentinen steil bergab. 11 Kehren zähle ich bis wir auf dem steinigen Pfad unten, an der Bode ankommen. Ab der Jugendherberge Thale kennen wir uns fast aus. Dies sind jetzt tatsächlich die letzten Meter. Glücklich, ein wenig stolz, aber auch ganz schön fertig kommen wir nach fast 8 Stunden Gehzeit am Hotel an. Reichlich 32 Tageskilometer und 108 insgesamt – meine Fresse! Im Hotel bekommen wir unsere Urkunden und das Abzeichen in einem Umschlag überreicht. Ebenso wie die Uhrzeit für den Rücktransport nach Osterode. Wir feiern ein klein wenig und fallen müde ins Bett. Die Rückfahrt am nächsten Morgen verläuft problemlos. Die Buchung über „Wandern im Harz“ war aus der Not heraus, allerdings im Nachhinein betrachtet das Beste was uns passieren konnte! Unvergesslich die Nacht auf dem Brocken und die Wanderung durch den herbstlichen, mystischen Harz. Wir haben beide etwas Muskelkater in den Beinen, ich wäre aber sehr gern noch ein paar Tage weiter gewandert. So stellen wir uns Urlaub vor! Urlaubn-Urlaubn-Urlaubn (insider).
Übrigens überschreitet der Landkreis Zwickau am Tag unserer Abreise wieder die 50 bei der 7-Tage-Inzidenz. Es hätte nicht einen Tag früher passieren dürfen. Wir haben Glück gehabt!

Etappe 2: Kemptner Hütte – Memminger Hütte

Die zweite Etappe geht von der Kemptner Hütte (1844 m ü.NN) erst noch einmal paar Höhenmeter nach oben bis aufs Mädlejoch (1973m). Dort überqueren wir schon die Grenze nach Österreich. Danach unser erster Abstieg der Tour hinunter bis auf 1114 m nach Holzgau, weiter über Bach 1070 m hinauf zur Memminger Hütte (2242 m ü.NN).

Daten 2. Etappe

Die Nacht war gut. Ich habe geschlafen wie ein Stein. Frühstück auf der Kemptner Hütte gibt es ab um 6.00 Uhr. Auf 5.30 Uhr steht der Wecker. Ich bin etwa eine viertel Stunde vorher wach. Mehr oder weniger mit den Ersten die sich aus ihren Hüttenschlafsäcken pellen. Die Kleidung für den neuen Tag liegt bereit um nicht im Rucksack wühlen zu müssen. Ich bin sofort topmotiviert und will nix verpassen. Ja nicht zu spät zum Frühstück kommen und anstehen müssen. Wenn die Bergschulen zum Futterfassen einrücken, werden die Plätze knapp. Nur keine Verzögerung riskieren! 😀 Von der Schulklasse haben wir übrigens nix mehr gehört und gesehen an diesem frühen Morgen. Der Besuch im Waschraum ging wieder sehr schnell 😀 und wir saßen 10 Minuten bevor es Frühstück gab am Tisch. Das Essen auf den Hütten war durchweg sehr gut! Reichlich, lecker und selbst für Vegetarier immer eine gute Auswahl. Top!! Als Alpenvereinsmitglieder haben wir sogar noch einmal vergünstigte „Bergsteigeressen“ und „Bergsteigergetränke“ bekommen. So kommt man auf den Hütten ansich sehr günstig weg. Wenn, ja wenn man abends nicht immer ein Bier und einen Hüttenschnaps trinken will. 😀 Man lernt auf dem Weg nach Italien so einige Schmankerl kennen. Mit Zirbenschnaps oder Haselnussbrand kann man aber auch jede Tagestour ein wenig feiern. Gehört ja dazu.

Auf das Frühstück warten außer uns noch ein älterer Herr und das Sport-Wander-Paar von der Oberstdorf Etappe. Wir sind dann tatsächlich die ersten und wir beäugen die immer länger werdende Warteschlange an der Frühstücksausgabe. Alles richtig gemacht. Wir brechen noch vor 6.30 Uhr auf in Richtung Mädlejoch. Das Wetter verspricht schönes Wetter. Ein paar Wolken aber der Tag soll sonnig und trocken werden. Das Brangelina-Sport-Wander-Paar startet nur ein paar Minuten hinter uns. Eine Bergschule mit einer Gruppe haben wir keine vor uns und auch keine im Nacken. Alles richtig gemacht.

Grenzschild Deutschland/Österreich (mit ENTE) 😀

Die ersten 30 Gehminuten steigen erst nochmal an. Noch ist es keiner der schwierigen Anstiege die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern. Das Sport-Wander-Paar überholt uns hier. Der Blick ins nächste Tal, wenn man eine Bergkette überwunden hat, ist immer etwas ganz besonderes. Oft auch mit einem WOW von mir kommentiert. Am Mädlejoch machen wir eine kurze Pause für ein Foto. Wir verkleben schnell noch unsere erste Ente am Grenzschild und starten den Abstieg.

Der Abstieg nach Holzgau ist streckenweise sehr steil. Wir merken schon hier, dass uns bergauf mehr Spaß macht. Unterwegs stellt sich die Frage an einem Wasserfall vorbeizulaufen (so verläuft die Originalroute) oder einen kleinen Schwenk über Österreichs höchste Hängebrücke zu machen. Wir entscheiden uns für die kürzere, also die Originalroute, vorbei am Simmswasserfall. Auf dem letzten Stück vor Holzgau werden wir noch von Blondie (von der Spielmannsau) überholt. In Holzgau kommen wir direkt an der Kirche an. Strahlend blauer Himmel läd zu einem zweiten Frühstück ein. Ich nutze die Pause und suche im Rucksack nach dem Stirnband und der Sonnenbrille. Der Aufstieg zur Memminger Hütte scheint schweißtreibend zu werden. Bevor es steil bergauf geht, müssen wir den Parseierbach überqueren. Die Brücke dort wird gerade erneuert und ist zudem mit Kühen verstellt. Wir müssen kurz auf der Karte schauen ob wir noch richtig sind. Auf dem Fernwanderweg E5 ist es nicht unbedingt notwendig mit einer Karte zu laufen. Selbst in den Geröllfeldern ist der Weg sehr gut markiert. Der Aufstieg zur Memminger Hütte ist zwar wesentlich steiler als der gestrige, dafür aber auch nochmal kurzweiliger! Wunderbares Alpenpanorama ab den ersten Metern. Abwechslungsreich über Felsen, Wiesen, Schnee und Bäche. Kühe, Pferde und zahlreiche Murmeltiere lassen sich von uns kaum beeindrucken. Mit gerademal 5 Stunden Gehzeit sind wir eine ganze Stunde schneller als geplant. Auf dem Memminger Hütte sind wir mit die ersten die eintreffen. Alles richtig gemacht! Mit einer Duschmarke haben wir sogar 3 Minuten warmes Wasser! Nachdem auch die gewaschenen Klamotten auf der Leine hängen, ist sogar noch Zeit für Kaffee und Kuchen bevor die Schlafplätze vergeben werden. Das Bettenlager ist hier wesentlich angenehmer aufgeteilt! 4er Boxen zu beiden Seiten des Ganges in 2 Etagen. Etwas mehr Privatsphäre als in der ersten Nacht. Mit uns beiden in einer Box ist die Blondine J (von der Spielmannsau) und auch P liegt wieder bei uns. So langsam erkennt man sich wieder und kommt ins Gespräch. In der Box gegenüber kannte ich bis dahin nur W. Ein überaus sympathischer Schweizer(?!). Alle drei gehen den E5 allein. Mehr oder weniger. Denn je weiter man den Weg geht, umso mehr Kontakte knüpft man. Außerdem entwickelt sich ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Hüttenstempel

Die Bergschulen, die mit 20-25 Leuten in einer Gruppe gehen, haben sich untereinander – jedoch kaum Kontakte nach „außen“. Reservierte Tische in den Hütten, eigene Essenszeiten und teilweise sogar eigene Schlafräume, grenzen diese (von uns immer Seilschaft genannten Gruppen) auch so gut wie möglich ab. Viele Streckenabschnitte, die weniger interessant sind, fahren diese „Seilschaften“ mit einem Taxi. In Erinnerung ist mir eine Bergschule mit einer 25-Mann „Seilschaft“. Sehr groß und ebenso langsam unterwegs. Und eine Zweite – die „Jojo-Seilschaft“ – jünger und auch ein wenig schneller. Dieses Nicht-zu-einer-Gruppe-gehören verbindet die in Eigenregie gehenden miteinander. In der Box gegenüber ist mir noch H aufgefallen als sie mich verschnupft nach einem Taschentuch fragte. Noch nicht viele Worte gewechselt aber das sollte noch kommen.

Auf der Seekogel (2412 m), dem Hausberg der Memminger Hütte, sollte es ab und zu Handyempfang geben. Wir haben die rund 200 Höhenmeter noch draufgelegt und wurden mit einem traumhaften Ausblick belohnt.

Seekogel (2412m üNN) in den Lechtaler Alpen

Handyempfang war allerdings wenig bis gar nicht vorhanden. Eine SMS an meine Schwester war alles was ich mit Müh` und Not absetzen konnte. Der Abend verging ähnlich wie der erste in der Kemptner Hütte. Zielbier und Bergsteigeressen – Kleidung für den nächsten Morgen bereit legen und den Wecker stellen. Die Bergschulen haben beim Frühstück auf der Memminger Hütte Vorrang. 1. Durchgang beim Frühstück war nur für die Seilschaften, danach der Rest. Die dritte Etappe beginnt spektakulär. Es geht über eine schweren Aufstieg durch die Seescharte (2600 m) und mit einem anstrengenden Abstieg hinunter nach Zams (767 m) ins Inntal. Bei angesagten 8-9 Stunden Gehzeit wollten wir nicht hinter einer Gruppe stecken. Deswegen ist unser Plan noch VOR dem Frühstück zu starten. (auch hier haben wir wieder alles richtig gemacht!) Dieses wollen wir an der ersten Jausestation Richtung Inntal nachholen. 😉 Etappe 3 – Fortsetzung folgt!

 

Anreise nach Oberstdorf & Erste Etappe Oberstdorf – Kemptner Hütte

ES GEHT LOS, ES GEHT LOS! Kurz nach 4 Uhr klingelt der Wecker. Wir starten Richtung Oberstdorf. Die Stadt selbst ist für uns nur wenig spannend wenn wir daran denken, was die kommenden Tage noch auf uns wartet. So scheint die letzte Übernachtung vor dem E5 ein einziges „Zeittotschlagen“ zu werden. Sicherlich ist Oberstdorf im Winter auch ein wenig spektakulärer als das sommerliche Oberstdorf. Die Masse an Ü70 Schickimickiwanderern vertreibt uns aus der Innenstadt. Unser erhoffter Langzeitparkplatz an der Therme klappt auch nicht wie vorher per Mail abgesprochen. Ausgerechnet an DIESEM einen Tag hat die Therme kurzfristig geschlossen. Uns bleiben nur die großen P1 und P2 Parkplätze vor der Stadt. Besonders nervig ist das buchen unseres Langzeitparkplatzes mit Hilfe einer App. 😦 Für die Nacht ist zu dem noch Regen angesagt. Das Zelt liegt also 10 Tage pitschnass im Auto. Mir reichts … ich will endlich los. „Hallo Oberstdorf, schön dass wir da sind, können wir wieder abhaun?“ 😀 Der E5 geht nur 50 Meter am Zeltplatz vorbei. Ab um 8 Uhr morgens öffnen sich erst die Schranken am Zeltplatz. Das ist unser Plan! Ich kann mich nicht erinnern ob wir den Wecker gebraucht haben. Es nieselte am Morgen noch immer und gleich zum Anfang stellte sich die Frage: „Was ziehe ich an?“ Laut Niederschlagsradar hört der Regen in einer Stunde auf und das Wetter soll dann besser und wärmer werden.

Wir stehen auf dem Parkplatz P2 und holen uns ein schnelles Frühstück bei EDEKA :-/ Lange Hose, kurzes Shirt und Regenjacke. UND beste Laune denn jetzt geht`s endlich los.

ETAPPE 1 – Oberstdorf – Kemptner Hütte

Etappe 1 Daten

Erste Pause an der Spielmannsau

Von 813 Meter über dem Meeresspiegel steigt der Weg ganz allmählich an. Die ersten 7,5 Kilometer – vorbei am Bahnhof, der Fußgängerpassage und der Talstation der Nebelhornbahn in Richtung Spielmannsau. Auf 1071 Metern Höhe liegt der Berggasthof. Der erste Tag E5 ist noch ein Stück zum eingewöhnen. Wir machen hier die erste Pause während der Bergsteigerbus (wäre noch bis hierhin gefahren) eine Ladung E5 Wanderer ausspuckt die lustiger Weise das gleiche tun. Raus aus dem Bus > rein in die Kneipe und Bier bestellt. Wir haben erst am Abend (und dann täglich mehr) festgestellt, dass man alle am gleichen Tag gestarteten E5ler, immer wieder trifft und kennenlernt. So sitzen mit uns eine 4er Gruppe, eine etwas ältere 3er Gruppe und eine einzelne Blondine auf der Terrasse. Ach und eine Schulklasse macht sich noch startklar. (?) „Die werden doch nicht auch …?“ Ebenfalls mit uns in Oberstdorf gestartet ist ein jüngeres Paar. Sehr sportlich unterwegs und mit ordentlich Tempo machen die beiden natürlich keine Bierpause in Spielmannsau. Es regnet übrigens nicht mehr, so dass die Regenjacke zurück in den Rucksack kommt. Die Trinkflaschen füllen wir nochmal nach und dann starten wir zum letzten, etwas steileren Teilstück. Auf 1844 HM liegt die Kemptner Hütte. Wird also endlich Zeit für paar Höhenmeter. 😀

Hüttenstempel der Kemptner Hütte

Die Schulklasse war schon ein paar Minuten vor uns gestartet. Wir hatten die Lücke im Nu wieder zugelaufen, und als der Weg zu eng war um noch nebeneinander gehen zu können, waren wir genau hinter ihnen. Zum Glück konnten wir noch schnell an allen vorbei. Was es heißt, hinter einer Gruppe festzustecken, werde ich auf einen der nächsten Etappen berichten. Der Weg hinauf zur Kemptner Hütte ist ziemlich „eingewachsen“. Keine besondere Aussicht – eher wie im Mittelgebirge. Ab der Wallfahrtskapelle ”Maria am Knie” geht es steil bergauf. Dort werden wir von der 4er Gruppe aus der Spielmannsau überholt. Nach der kleinen Wallfahrtskapelle ändert sich auch der Weg. Ein steiniger Steg. Es geht über, zum Teil sogar unter den Schneeresten des Winters bergauf, immer entlang des Sperrbachs. Oben angekommen reißt sogar der Himmel auf. 😀 Wir machen unsere erste Erfahrung mit einer Alpenvereinshütte! Spannend! Wir schauen was die anderen tun und machen alles brav nach. Eine Berghütte ist kein Hotel. Von dem Ablauf in den Hütten, werde ich auf den nächsten Etappen mehr berichten. Wir hängen unsere Sachen zum trocknen und suchen als erstes unseren Platz im Bettenlager. Danach sollte man eigentlich mal zum duschen gehen. Im Waschraum waren mehrere Waschbecken und nur EINE Duschkabine. WTF? Die Kemptner Hütte ist mit 290 Schlafplätzen eine der größeren Bersteigerunterkünfte. Die nur eine Dusche erklärt sich damit, dass es nur kaltes Wasser gibt. Arschkaltes Wasser. Verflucht abartig kaltes Wasser … jedenfalls für mich als Warmduscher. Ich reih` mich an den Waschbecken mit ein – es tut auch eine Wäsche am Waschbecken. Großen Respekt von uns Waschbeckenwaschern bekam einer der todesmutig unter die Dusche ist und mit „ahh – oh – uhh – ahh – uhh“ die Wassertemperatur kommentierte.

Mit unserem Schlafplatz an der Wand haben wir Glück gehabt in unserer ersten Hüttennacht im Schlaflager. Neben uns liegt P, ein sympathischer Alleingehender, den wir später noch gut kennen lernen werden. Neben P ist sogar ein Schlafplatz frei, so dass sich alles etwas auflockert. Ohne Ohropax geht trotzdem nix. Ziemlich verrückt ist außerdem, dass wir 19.00 Uhr so müde waren als hätten wir eine Nacht durchgemacht. Wir sind nicht die ersten die sich so früh zum Schlafen legen. Nur die Schulklasse tobt mit ordentlichen Lärmpegel durch die Hütte. Dank der Stöpsel im Ohr sind die schnell ausgeblendet. Ich hab zu diesem Zeitpunkt noch befürchtet dass wir jeden Abend diese „Unterhaltung“ haben. Die Schulklasse ist am kommenden Tag wieder zurück nach Oberstdorf abgestiegen. Mit der zweiten Etappe, nach einer relativ kurzen ersten Etappe, geht die E5 Alpenüberquerung erst richtig los. Den Aufstieg zum Mädelejoch (1.974 m) und später zur Memminger Hütte (2.242 m), hatte ich mir als erstes Highlight markiert. 😀

Meine Packliste für die Alpenüberquerung

Man macht sich ja im Vorfeld Gedanken was man auf der Route braucht und somit hat man ja schon eine gewisse Vorstellung. Ein Probepacken ist aber absolute Pflicht meiner Meinung nach. Man staunt wie schnell die 10% des Körpergewichts an Marschgepäck erreicht sind. Dann heißt es leichtere Alternativen finden oder weglassen. An andere Sachen hat man im Vorfeld noch gar nicht gedacht. Tetris 2.0 🙂 Mein Rucksack hat, ohne befüllte Wasserflaschen, fast 9 Kilo auf die Waage gebracht … also bin ich über der 10% Faustformel. :-/

 

Ich packe meinen Trekkingrucksack (50 Liter) und nehme mit:

Klamotten: Trekkingstöcke, Wanderschuhe, Softshelljacke, 2x Zip-off Trekkinghosen, Regenhose, Regenjacke, Regenponcho, 2x Wollsocken (Merino), 2x Funktionsunterwäsche, 2x Funktionsshirt kurzarm, 2x Funktionsshirt langarm, Handschuhe, 2x Stirnband, Gamaschen

Für die Hütten: Schlafsack, Ohropax, Badelatschen, Wollpullover, Hose, Microfaserbadetuch, Zahnbürste, Zahnpasta, Stück Seife, Haarbürste, Notizbuch & Kugelschreiber, Teebeutel

Für den Notfall: Energieriegel und Notfallgel, Trillerpfeife, Sonnencreme, Blasenpflaster, Toilettenpapier 😉 , Kniebandage

Technik: Garmin Forerunner 235, Kamera, Fernglas, Handy, GoPro, Solarpowerbank,
Gedöhns: Mitgliedsausweis Alpenverein, Geld, EC Karte, Ausweis, Krankenkassenkarte, Wanderkarte, Sonnenbrille, 2x 500ml Trinkflasche, Taschenmesser

 

Verfolgen kannst du uns ab dem 24. Juni bei twitter

Der Berg ruft!

Rauschmittel Abenteuer. Den Traum von Freiheit wahr werden lassen, wenn es auch nur für ein paar Tage ist. Unser Leben ist 24/7 so durchstrukturiert, dass quasi jeder Schritt vorgegeben scheint. Spüren wir überhaupt noch diesen Nervenkitzel, nicht zu wissen was als nächstes passiert? 😉 Wir überqueren die Alpen zu Fuß. Auf uns warten 180 km in 9 Etappen durch 3 Länder. Es gilt 5 Bergketten und 6 Täler zu überwinden. Gesamt 10.000 Höhenmeter nach oben und 9.600 nach unten. Nach dem Ersten Schritt gibt es kein zurück mehr. Erst in Meran wartet ein Bus, der uns zurück nach Oberstdorf bringen wird.

„Wie kommt man auf eine so bescheuerte Idee?“ Oh danke für die Frage! Zum ersten Mal davon gehört habe ich 2016 in einem TV Bericht. Ein so langes Stück zu Fuß zurücklegen wollte ich schon länger einmal. Trotzdem schien es 2016 nur ein Traum zu bleiben. Im Herbst 2017 war aus dem Traum ein Plan geworden. Nunja … unverhofft kommt oft. Alle Hütten sind gebucht und unsere Route steht. Wir gehen den Europawanderweg E5 auf der Originalroute bis zur Meraner Hütte. Von dort aus geht der letzte Tagesabschnitt runter nach Meran. Der Großteil der Alpenüberquerer nimmt ab Sölden eine andere Route die am Vernagt Stausee endet. Von dort aus fährt man dann die letzten 40 Kilometer mit dem Bus nach Meran. Nee, nee … das wollten wir nicht. Wennschon, dann auch zu Fuß im Ziel ankommen. Das kennen wir als Läufer. Emil Zatopek hat gesagt: „Hier ist der Start, dort das Ziel, dazwischen musst du laufen.“ So soll es sein!

Im Augenblick sind wir beim finalen Probepacken. Unsere Packlisten stehen nämlich noch nicht 100%ig fest. Ausführlich werde ich danach noch berichten. Verfolgen kannst du uns ab dem 24. Juni bei twitter 😉