Der Doggenzüchter (oder ‚Das Haus der Skelette‘)

Es ist bestimmt 2 Jahre her, dass ich im Internet zum ersten Mal auf Urbexfotos von dieser Location gestoßen bin. Auf dem Dachboden aufgehangene … ja was ist das? Skelette? Wirbelsäulen? … für einen Lost Place SO besonders, dass es im Hinterkopf bleibt. Bei einer Location wie dieser dauert es dann auch nicht lang bis man die nächsten Fotos bei einem anderen Urbexer findet. Vermutet hatte ich damals diesen Ort im Ausland. In den Benelux Staaten ist bekanntlich das Urbexparadies. So skurrile Orte findet man in Deutschland wohl nicht. O-Ton Kopf: “ Jaa. Eigentlich müssten wir wieder mal einen Wochenendtrip machen.“ Ich habe ja schon das eine oder andere Mal beschrieben wie ich meine Locations finde. Hier habe ich allerdings noch eine ganz neue Art. Der ZUFALL !!! Eine Unterhaltung zwischen zwei Arbeitskollegen von mir. “ … Freunde … Fotografieren … Hobby … Lost Places … Doggenzüchter … Wirbelsäulen … “ Hat bei mir ein wenig gedauert bis ich begriffen hatte um was es hier ging. O-Ton Kopf: „Wie??? Hier bei uns??“ Vermutlich habe ich das auch ausgesprochen denn Zack! hatte ich den Ortsnamen. Tatsächlich keine 25 Kilometer entfernt. Meine Fresse. Das Gute liegt dann doch so Nah. Die GPS Koordinaten waren dann ein Kinderspiel und im Handumdrehen rückte der Doggenzüchter ganz nach oben auf unserer Liste.

Einige der verbreiteten Fakten zur Geschichte des Ortes konnte ich anhand der im Haus gefundenen Dokumente nachvollziehen. Die Bewohner, ein älteres Ehepaar mit ihrer Tochter, haben nach der Wende ihren ehemaligen Familienbesitz zurückerworben und das ehemalige Rittergut Anfang der 90er wieder bezogen. Zuvor wurde der Hof von der örtlichen LPG genutzt. Vater und Tochter züchteten sehr erfolgreich Deutsche Doggen. Die zahlreichen Pokale und Urkunden zeugen von sehr guten Zuchterfolgen. Beginn der 2000er Jahre leitete die Tochter der Familie (vermutlich mit ihrem Mann) eine Dachdeckerfirma. Anfangs war der Firmensitz mit in diesem alten Rittergut (erstmalig erwähnt im Jahr 1580). Später war der Firmensitz in einer benachbarten Kleinstadt. Viel mehr lässt sich nicht belegen. Aus dem Jahr 2010 gibt es einen Zeitungsartikel über den Doggenzüchter und seine Frau über deren 60 jähriges Hochzeitsjubiläum. Verstorben ist er im Januar 2017, allerdings im Ort in dem er vor der Wende lebte. Den wirklichen Grund warum die Familie hier alles stehen und liegen gelassen hat (der Kühlschrank war noch gefüllt, die Zahnbürsten standen im Bad und die Kleider hingen im Schrank) habe ich nicht herausfinden können. Die Dachdeckerfirma steigerte jährlich ihre Umsätze bis 2016. Die Tochter schließt die Firma 2017 und sie verschwindet Anfang 2018 aus dem Handelsregister. …und die Tochter nach Spanien. Der Vierseitenhof des Doggenzüchters ist ein interessanter Ort der einen mit vielen Fragen wieder nach Hause schickt. Die Skelette auf dem Dachboden der Scheune regen die Phantasie an, auch wenn man anhand der vielen Hundeboxen in den ehemaligen Ställen den Grund zu kennen glaubt. Die Skelette, die Hunde, die Dachdeckerfirma. Außerdem zwei Bäder, Schlafzimmer und Wohnräume, Akten und unzählige Unterlagen der Dachdeckerfirma. Alle Fakten sind klar erkennbar. Der Blick auf die Personen die hier lebten bleibt aber sehr verschwommen. Trotz der großen Anzahl an Fotos und Briefen im Haus. Eigentlich liegt die Geschichte der ehemaligen Bewohner in jedem Raum klar vor einem. Es scheint aber als ob diese mit aller Macht versuchen ihr Schicksal zu verbergen. Die Erklärung, warum die Familie des Doggenzüchters wieder in ihren ehemaligen Wohnort zurückwechselte, liegt mit Sicherheit noch in diesem Haus. Die Fakten sind klar. Die Personen und deren Geschichten nicht. Ich konnte das Rätsel diesmal leider nicht ganz knacken.