Es war einmal …

… eine Zeit, in der man die Chemnitzer Urban-Explorer an einer Hand abzählen konnte. Eine Zeit, in der man seine Locations noch nicht im Internet gesucht hat. Eine Zeit ohne facebook, als es noch keine selbsternannten Aufklärer gab, die es für ihre Aufgabe halten, Besucherparkplätze vor verlassenen Orten einzurichten. Früher, als man also auch noch in Chemnitz leer stehende Gebäude fotografieren konnte ohne für einen dieser Ruinen-Poser gehalten zu werden. Ich bin ziemlich froh darüber, diese Gebäude gesehen zu haben bevor (Jahre später) diese Medien-Huren ganze Besucherstürme in diese Locations geschickt haben um den Orten damit den endgültigen Todesstoß zu versetzen. UND das alles unter dem Vorwand Gutes zu tun. Auch wenn 90% nicht wissen was ich damit sagen will – das musste ich mal los werden!

Um die Sommerpause zu überbrücken habe ich 10 Jahre alte Bilder aus dem Archiv gekramt. Eine ehemaligen Lungenheilstätten die mittlerweile fast komplett abgerissen ist. 8 Jahre nachdem dieser Klinikkomplex damals geschlossen worde, sind diese Blider entstanden.  Leider alles noch ohne Stativ und viel zu wenig details. Man sieht aber, dass ich schon von Anfang an schon den Winter bevorzugt habe. ;)

 

Nun bloggt er auch noch über`s Laufen

Na dann mal Prost!
Ich hab mir wieder einmal 6 halbe Liter Rote Bete Saft gekauft.
Mein Placebo, … oder das Zeichen für meine Beine “noch eine Woche”.
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“Rote Bete Saft hilft dem Blutkreislauf mehr Sauerstoff zu transportieren.” Durch diese Aussage in einem Läufer-Forum war ich neugierig und wollte das Testen. 4 Stunden vor dem “Testlauf” habe ich 750ml von dem nichtmal so schlecht schmeckenden Saft getrunken … OK … mit zugehaltener Nase, auf ex, hinuntergeschüttet. Auf meiner am häufigsten gelaufenen Lieblingsstrecke (12 Kilometer) hatte ich genügend Vergleichs- oder Bestzeiten.
Während des Laufens habe ich ansich keinerlei Unterschied festgestellt. Puls, Atmung und das Feeling – alles wie immer. ABER man sagt ja: “Man muss nur dran glauben”. Und siehe ich habe die 12 Kilometer fast 5 Minuten schneller absolviert.
Da mich dieser Glaube fast 5 Minuten beschleunigt hat, habe ich meinen Placebo Turbo auch bei meinem ersten Veranstaltungs-Halbmarathon genutzt. Das Fazit nach diesen 21,09 km – eine Verbesserung meiner Bestzeit um fast 10 Minuten!
Stimmt – mir fallen ein Dutzend anderer Gründe ein warum ich schneller war aber der Gedanke, daraus ein Ritual zu machen, gefällt mir. :)
In diesem Sinne … zum Wohl! Am Sonntag ist Stadtlauf. ;)

Der NVA Hotel Reinfall

Nein ich habe mich bis dahin nicht gewundert, wieso kaum Innenaufnahmen aus diesem Haus im Internet zu finden sind! Der markante Bau war allein wegen der Außenaufnahme schon länger auf meiner “To-Do-Liste”.

Das Hotel war einmal für die Oberen 10.000 der DDR bestimmt. Für diesen Zweck und die damalige Zeit auch optimal ausgestattet. Von der Toplage ganz zu schweigen!

Einen Einstieg zu finden war sehr leicht, schließlich ist das Hotel auch Geocacher-Terrain. Der erste Raum ist das Schwimmbad. Demoliert, besprüht und zugemüllt. Ein Korbstuhl und ein paar Gänge weiter die Rezeption. Das waren die zwei/drei Motive die das riesige Hotel zu bieten hat. Selbst diese Bilder mache ich nur, weil wir ja einmal da sind. Von uns vieren packen zwei ihre Kameras nicht einmal aus, die dritte packt sie nach ein zwei Minuten wieder weg. Ich habe trotz aller Versuche, Motive zu finden, nach kurzer Zeit ebenfalls genug. Hab keine Lust mehr weiter durch das Hotel zu gehen. Vandalismus, Paintballspuren und Müll wohin die Blicke fallen. Brauchbare Motive … Fehlanzeige!

Wie rettet man nun ein solches Urbex-Debakel??? … RISCHTISCH! Gruppenfotos! ;)  PS: Never change a winning team!!! ;)

 

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Die Urologenvilla “Dr. Anna L”

Ein außergewöhnlicher Ort, leider auch einer der viel zu bekannt ist. Das einzige Haus welches ich kenne, was ein eigenes Gästebuch hat. Gut gemeinte Umderokierer, wüste Unordnung, Diebstahl und sinnloser Wandalismus haben überdeutlich ihre Spuren hinterlassen. Hirnlose Trophäensammler haben sich in diesem Haus schon reichlich bedient. Dieses selbstgemachte Chaos erinnert mich stark an die Villa DAS. Dies scheint der Fluch zu sein, wenn die Gebäude einen solchen Sonderstatus in der Szene erreicht haben. – – Die, die sie eigentlich schützen wollen, … richten sie hin.

Über diese prächtige und geheimnisvolle Villa machen mehrere Geschichten im Internet die Runde. Mitunter so spektakulär, dass sich die Geschichten garantiert schon längst miteinander vermischt haben. Welche der Wahrheit am nächsten kommt, lässt sich bestimmt nie mehr genau sagen. Ich habe mich für die enschieden, die mir davon am besten gefällt.

Ein junger Medizinstudent, der viele Jahre lang in verschiedenen Krankenhäusern in ganz Deutschland arbeitete, eröffnete seine eigene urologische Praxis in einer Kleinstadt. Er verliebte sich in seine Sprechstundenhilfe, die er bereits nach drei Monaten heiratete und mit ihr 2 Kinder zeugte. In der unteren Etage befanden sich das Wartezimmer, die Behandlungs- und Laborräume in denen sie arbeiteten. Die luxuriös eingerichteten Wohnräume der Familie waren in den oberen Etagen. Wie der Vater, so studierte auch der Sohn Medizin und begann im Ausland eine eigene Praxis zu führen.

Dann soll das Glück die Familie verlassen haben. Im Alter von 78 Jahren verstarb der mittlerweile namhafte Herr Doktor bei einem Autounfall. Die Tochter des Paares begann angeblich Selbstmord worauf die Frau des Doktors schlagartig das Anwesen verließ und in eine Psychiatrie eingewiesen wurde. Ein letztes Lebenszeichen von ihr stammt aus dem Jahr 2010, als über ihren 104. Geburtstag im Pflegeheim berichtet wird.

Fakt ist der Tod des Herrn Urologen im Jahr 1988. Fakt ist der 104. Geburtstag der Ehefrau. Und ebenso Fakt ist, dass die Villa und die Praxis mit all ihren hochwertigen Einrichtungsgegenständen, sowie allen persönlichen Sachen plötzlich sich selbst überlassen war.

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Gigant im Ruhestand

Diesmal sollte es ein ganz normaler Wochenend-Ausflug werden – und dann sieht es auf den Bildern aus wie immer. :D
Verwittertes und rostiges Metall in all seinen Facetten übt auf den Urban Explorer eine enorme Anziehungskraft aus. So auch bei unserem Ausflug in den Bergbau und Technik Park. Ursprünglich sollte uns der alte Tagebaubagger nur als Hintergrung b.z.w. Kulisse für “Produktfotos” dienen.
Die überwältigende Größe der Bagger macht einen so neugierig, dass man das letztlich auch aus der Nähe sehen will.
Auf kurzer Distanz kann man das Gesamte nicht mehr erfassen … aber man entdeckt jetzt erst Details … ohne Ende. Da man sich relativ frei im Park bewegen darf, waren wir ständig unterwegs – näher ran – weiter weg – näher ran …
Ein Eldorado für den Fotografen, und schneller als erwartet, waren die Kameraakkus geleert. Die Motive sprechen für sich, und erst recht was jeder für sich entdeckte, wo andere sich wieder fragen, was ist dass denn …
Ansich ist der Park der beste Ort für Fotolehrgänge. Egal mit welchem Objektiv, egal mit welcher Kamera, hier geht immer was! Also ich war echt überrascht! Ein unerwartet sehr interessanter Tag!

PS: Auf dem Parkplatz unbedingt die Bratwurst probieren! UND nen Kaffee! Jetzt müsst ihr nur noch wissen wo …  ;) > http://www.bergbau-technik-park.de

Das Krematorium

Von erloschenen Feuern und ungewohnten Gefühlen.

Achtung, Achtung! Es folgt außergewöhnlich viel Text. :)
In Anbetracht der Location will ich nicht nur cool die Bilder reinwerfen, sondern kurz auf mein Empfinden und das Herzklopfen an einen solchem Ort eingehen.
Dieses Krematorium war reichlich 80 Jahre in Betrieb. Während dieser Zeit wurden hier über 100.000 Verstorbene eingeäschert.

Wo ist bei Urbex-Fotos die Grenze?
Kann man unter diesem Begriff alles fotografieren/zeigen?! … Geschmackssache?? Nee, lass ich nicht als Antwort gelten. Das harmloseste Urbex-Foto soll für den einen oder anderen schon geschmacklos sein. …hab ich gehört. :)
Urban Exploring, also das Erforschen von verlassenen Einrichtungen, kann man da eine genaue Grenze des “sehenswerten” ziehen? Der leerstehende Betrieb an der Ecke ist sicher noch OK. …und das alte Kinderheim? Der Operationstisch in einer verlassenen Klinik? Oder bei den Familienfotos in einer verlassenen Villa? Die Fixierungsriemen an den Betten einer Kinderpsychiatrie? Oder ein Friedhof auf dem 60 Jahre keiner mehr war? Ein Krematorium? Als “Urbexer” will man sowas unbedingt in seinem Portfolio haben! So kommt es auch, dass ich die Koordinaten dieses Krematoriums schon 2 Jahre habe. Immer mit der Absicht, DAS MUSS! Und letztlich bin ich losgefahren um dieser Location einen Besuch abzustatten.

Für mich gibt es kaum einen anderen Ort, der mehr mit menschlicher Trauer und menschlichem Leid zu tun hat als ein Krematorium. Diese Besonderheit war mir diesmal mehr bewusst, als bei jeder anderen Location bisher.
Bei der “Anfahrt” und dem Betreten ließ sich dieses bedrückende Gefühl noch recht gut verdrängen. Bis hierher war ja alles wie immer. Das Gebäude gliedert sich in drei Ebenen. Die Halle für die Abschiednahme in der 1. Etage. DER Mittelpunkt, ganz ohne Zweifel, ist die Schachtabdeckung der Versenkungsanlage für die Särge. Es gibt reichlich Tageslicht. Eine Empore, sonst nur Staub und Dreck. Von der Verhältnissen her kenne ich dies und lege mit den Fotos los.
Eine Etage tiefer sieht es in Sachen Tageslicht schon arg … suboptimal aus. Ein Lichthof beleuchtet ein Stück Gang von dem die Kühlkammern abgehen.  Dann wird es dunkel. Direkt unter der Versenkungsanlage beginnen in den Boden eingelassene  Schienen. Diese führen den Gang weiter entlang bis … TASCHENLAMPE! Ohne geht`s hier definitiv nicht mehr. Am anderen Ende sind zwei Öfen. Riesige Öfen mit ebenso großen Türen, die sich auch noch öffnen lassen. Vor einem steht ein massiver Einführwagen. Und hier beginnt der Film im Kopf. Lange Belichtungszeiten der Kamera und “taschenlampenwedeln”. Währenddessen versuche ich mir immer den Gedanken zu verbieten, wie es hier “in Betrieb” zuging. – Zwecklos! Alles was mir als ein Motiv erscheint wird abgelichtet. Schalter, Hebel, Amaturen. Als Laie dachte ich an dieser Stelle, ich habe hier alles. Was soll unten schon noch sein?! Im Nachhinein fast logisch, die Öfen gehen über 2 Etagen! Im Keller wird sozusagen “ausgekehrt”.

Als erstes fällt der Schein meiner Taschenlampe auf mehrere Hundert leere Kunststoffurnen. Daneben liegen unzähliche Schamottemarken auf dem Boden verstreut. Diese nummerierten Marken kommen mit den Verstorbenen gemeinsam in den Verbrennungsofen, um später die Asche richtig zuordnen zu können. Bei diesen Schamottemarken lag ein mit Datum und Namen beschrifteter Urnendeckel. …na klasse, was liegt der hier noch rum??? Was mich am meisten berührt hat, sind die Reste in den Behältern der Verbrennung und im Schacht selber. Außer rostigen Sargnägeln waren hier noch Spuren sterblicher Überreste enthalten. Hier im Keller des Krematoriums habe ich leider auch kein anständiges Bild zustande bekommen. Vergessene oder ganz unsinnige Belichtungsreihen bezeugen mein Unwohlsein. Ärgerlich im Nachhinein! Ich musste ja aber auch unbedingt wieder allein zu so einer Location fahren.

Ich bin froh, dass ich jetzt das Krematorium in meinem Portfolio habe! Ich habe mich entschieden keine Bilder wegzulassen. Morbide hin, morbide her. Falls sich die Gelegenheit noch ein weiteres Mal bietet, werde ich auch diese wieder nutzen.

PS: Bitte wie immer keine Ortsangaben in den Kommentaren!!!

PPS: Ich habe keinen einzigen Stuhl gefunden. (insider)