Zusammen bis ans Ende der Welt – Teil 13

Samstag – 27. April 2019

Und die entspannte Nacht hatten wir dann auch! Alle in unserem Zimmer waren kurz vor 6.00 Uhr wach. Unser Wecker war erst für halb 7 gestellt. Wir sind trotzdem raus und waren somit die Ersten in der Bar beim Frühstück. Kurz nach uns kam das asiatische Paar was wir nun schon seit mehreren Tagen immer und überall wiedersehen. Ich schätze die beiden etwa in meinem Alter obwohl Asiaten schwer zu schätzen sind wie ich finde. Vermutlich können die beiden aber kein Englisch oder Spanisch. Sie zeigen immer alles was sie wollen und sprechen nur mit einander. Aber immer grüßend und freundlich. Wir starten mit unserer Tagesetappe kurz vor 7 Uhr. Auf dem Höhenprofil geht es heute den ganzen Tag bergauf – wenn auch nur leicht. Es geht heute nach Rabanal del Camino. Mit 20 Kilometer ein regelrechter Ruhetag UND unser Halbzeittag. ❤️ In Rabanal haben wir die Hälfte des Weges nach Santiago hinter uns. Wir durchqueren heute kleine Dörfer und aufgrund der kurzen Distanz, machen wir bei jeder Gelegenheit eine Pause. Für einen frisch gepressten Orangensaft, einen Cafe con Leche oder zum Picknick am Wegesrand. Es wird auch schnell wärmer, so dass wir bald schon kurz/kurz unterwegs sind. 3 Kilometer nach El Ganso hat ein Ritter sein Lager aufgeschlagen. Er stempelt unsere Pilgerausweise und man kann sich mit ihm oder seinem Falken fotografieren. Alles für eine Spende. In einem deutschen Tierpark würde ein Foto mit einem Falken auf dem Arm ruckzuck 5 Euro kosten. Zuletzt empfiehlt er uns noch eine Herberge in Rabanal. Ähnlich wie gestern hatten wir uns auch diese schon als Favorit ausgesucht. Eine von Engländern geführte, kirchliche Herberge. Auch Breath und Walther wollten in dieser Herberge übernachten. Wir hoffen immernoch ein wenig, sie hier wiederzutreffen. Kurz vor Rabanal del Camino ist plötzlich an einer Kreuzung die Straße gesperrt. Ein Motorrad mit einer roten Flagge … einheimische Radfahrer die mit Handy in der Hand fotobereit warten … das kommt mir sehr bekannt vor. Wir kommen exakt zu dieser Minute an diese 200 Meter des Camino, wo gleich die Vuelta a Castilla y León vorbeikommt! Das Rennen gehört immerhin zur UCI Europe Tour und ist mit Kategorie 2.1 auch entsprechend hoch eingestuft. Ich entdecke auf die Schnelle Profiteams wie MOVISTAR (Daniele Benati, Carlos Barbedo) oder CAJA RURAL – SEGUROS. Mit Björn Thurau finde ich später sogar einen bekannten Deutschen in der Startliste. Die Rennfahrer kommen lehrbuchmäßig an uns vorbei. Spitzengruppe, Verfolger, Hauptfeld. Venga! Venga! Venga! Venga! Was für ein perfektes Timing genau diese Minute hier abgepasst zu haben. That`s the Camino! An unserer Herberge sind wir 30 Minuten zu früh. 12.30 Uhr ist es. Um die Ecke ist ein kleiner Laden und mit einem Eis und einem kühlen Bier lässt sich die Zeit gut überbrücken. Eine ältere Dame (fast 70 wie wir später erfahren) tut es uns nach und knackt zwischen Kirche und Refugio Gaucelmo erstmal eine Dose Estrella Galicia. Beim Check-in sind wir Nummer 1 & 2 auf der Liste. Diese Herberge ist wieder komplett auf Spendenbasis. Die beiden sehr netten Engländerinnen zeigen uns das ganze Haus und heißen uns willkommen. Wir machen erstmal großen Waschtag bevor wir im Garten die Sonne genießen. Im Shop um die Ecke haben wir dann noch einmal Pasta, passierte Tomaten, Käse und Wein geholt und in der sehr gut ausgestatteten Küche zubereitet. Im Kräutergarten konnten wir uns bedienen, was für die Tomatensoße perfekt war. Übrigens unter größtem Interesse zweier Koreanerinnen die fast jeden Handgriff mit einem Ohhh! oder Ahhh! kommentierten. Diese beiden (Mutter und Tochter) treffen wir ab heute, bis zu unserem letzten Tag in Spanien, fast täglich. Nach dem Essen holte uns Gerhard, ein Brite und ebenfalls Pilger, zur Tea Time in den Garten. Alle Pilger an einem Tisch. In der Runde sitzend kamen noch zwei Mönche vom Benediktinerorden dazu. Wie sich im Gespräch zeigte, waren beide ebenfalls aus Deutschland. Sie haben Antje dann dazu überredet, zur Messe schon wieder etwas in Deutsch zu lesen. In der Messe waren es dann 4 Mönche. Sie wurde komplett in lateinisch gehalten und es klang mehr wie ein Gesang als nach einer Predigt. Antje musste mit den Mönchen vorn, im Chorgestühl sitzen. Die Mönche, eine Spanierin, ein Engländer und Antje für den deutschen Text. Die alte Kirche aus dem 12. Jahrhundert war mit 40 – 50 Personen voll besetzt. Antjes „Vorlesen“ war dann doch etwas … mehr als gestern in Astorga. Außerdem NICHT in ihrer Bank sitzend sondern vorn, vom Pult aus. Ohje … RESPEKT!! Antje wird noch Tage später angesprochen mit „Warst du nicht die aus der Messe in Rabanal?“

Heute war der erste Tag mit sommerlicher Hitze und ich habe gleich etwas viel Sonne abbekommen. Mit einem leichten Sonnenbrand, vor allem an den Waden, gehe ich ins Bett. Morgen geht es zum höchsten Punkt des Jakobsweges. Wir übernachten heute auf 1150 Metern über Null. Morgen kommen wir zum Cruz de Ferro, einem spirituell wichtigen Punkt am Weg. Meine Steine, die ich da ablegen will, liegen griffbereit. Beim Einschlafen denke ich noch einmal an den bisherigen Weg, mein Leben und das, was ich symbolisch am Eisenkreuz ablegen will.

Vuelta a Castilla y León