Die Urologenvilla „Dr. Anna L“

Ein außergewöhnlicher Ort, leider auch einer der viel zu bekannt ist. Das einzige Haus welches ich kenne, was ein eigenes Gästebuch hat. Gut gemeinte Umderokierer, wüste Unordnung, Diebstahl und sinnloser Wandalismus haben überdeutlich ihre Spuren hinterlassen. Hirnlose Trophäensammler haben sich in diesem Haus schon reichlich bedient. Dieses selbstgemachte Chaos erinnert mich stark an die Villa DAS. Dies scheint der Fluch zu sein, wenn die Gebäude einen solchen Sonderstatus in der Szene erreicht haben. – – Die, die sie eigentlich schützen wollen, … richten sie hin.

Über diese prächtige und geheimnisvolle Villa machen mehrere Geschichten im Internet die Runde. Mitunter so spektakulär, dass sich die Geschichten garantiert schon längst miteinander vermischt haben. Welche der Wahrheit am nächsten kommt, lässt sich bestimmt nie mehr genau sagen. Ich habe mich für die enschieden, die mir davon am besten gefällt.

Ein junger Medizinstudent, der viele Jahre lang in verschiedenen Krankenhäusern in ganz Deutschland arbeitete, eröffnete seine eigene urologische Praxis in einer Kleinstadt. Er verliebte sich in seine Sprechstundenhilfe, die er bereits nach drei Monaten heiratete und mit ihr 2 Kinder zeugte. In der unteren Etage befanden sich das Wartezimmer, die Behandlungs- und Laborräume in denen sie arbeiteten. Die luxuriös eingerichteten Wohnräume der Familie waren in den oberen Etagen. Wie der Vater, so studierte auch der Sohn Medizin und begann im Ausland eine eigene Praxis zu führen.

Dann soll das Glück die Familie verlassen haben. Im Alter von 78 Jahren verstarb der mittlerweile namhafte Herr Doktor bei einem Autounfall. Die Tochter des Paares begann angeblich Selbstmord worauf die Frau des Doktors schlagartig das Anwesen verließ und in eine Psychiatrie eingewiesen wurde. Ein letztes Lebenszeichen von ihr stammt aus dem Jahr 2010, als über ihren 104. Geburtstag im Pflegeheim berichtet wird.

Fakt ist der Tod des Herrn Urologen im Jahr 1988. Fakt ist der 104. Geburtstag der Ehefrau. Und ebenso Fakt ist, dass die Villa und die Praxis mit all ihren hochwertigen Einrichtungsgegenständen, sowie allen persönlichen Sachen plötzlich sich selbst überlassen war.

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Villa „Graf Zeppelin“

Wir bahnen wir uns den Weg durch dichtes Gestrüpp. Der kleine Park, um die Villa herum, hat schon lange keinen Gärtner mehr gesehen. Das Haus ist fast gänzlich leer geräumt und trotzdem versprüht es einen ungeheuren Charme. Bei den vielen Holzvertäfelungen und aufwändig verzierten Decken könnte man meinen, man steht in einem Renaissanceschloss. Die 1890 erbaute Villa hat im Laufe der Jahre zahlreiche Bewohner kennengelernt. Wirklich lange geblieben ist aus unterschiedlichen Gründen keiner. Eine besondere Geschichte gibt es zu der Villa nicht zu berichten. Kurz vor dem verlassen der Villa fand ich hier das älteste Zeitungsstück, was ich auf meinen Touren bisher gefunden habe. 21. Mai 1929 !

Bestätigt hat sich hier übrigens wieder einmal das „Kleine-Welt-Phänomen“. Über sieben Ecken kennt sich jeder. Beste Grüße! 🙂