Etappe 4: Skihütte Zams – Braunschweiger Hütte

Geschlafen haben wir wieder vor 20 Uhr. Irgendwie ticken die Uhren auf den Hütten anders. So sind wir aber auch wieder vor 6.00 Uhr wach und startklar. Die Nacht war erholsam. Zum ersten Mal hatten wir 2er Boxen im Lager. So viel Privatsphäre waren wir schon gar nicht mehr gewohnt. Das Abendessen in der Skihütte Zams war das beste was wir bisher hatten auf der Tour. Vor- & Hauptspeise plus reichhaltige Salatauswahl. Die Skihütte Zams kann es definitiv mit einem Hotel aufnehmen ohne sich verstecken zu müssen! Frühstück gibt es um 7.00 Uhr. Das ist uns allen fast ein wenig zu spät für den langen, vor uns liegenden Tag.

Daten Etappe 4

Es startet trotzdem niemand früher weil die Seilbahn, die uns wieder auf den E5 Wanderweg zurückbringt, erst um 8.00 Uhr fährt. Naja was soll`s … lässt sich ja nicht ändern. Kurz vor 8 stehen wir alle an der Mittelstation der Venetbahn und warten. Die Gondel kommt und wir steigen ein.

Drama in der Gondel: 😀 Um die Türen der Gondel an der Mittelstation (ein Zwischenhalt der nicht bei jeder Fahrt bedient wird) öffnen zu können, muß der Gondelfahrer mit einem riesigen Stahlriegel die Gondel mit dem Mast der Zwischenstation verbinden. Erst dann hat die Gondel den richtigen Abstand zum Mast, so dass man ohne Stufe oder Spalt im Boden einsteigen kann. Wir stehen also alle in der Gondel. Der Fahrer der Venetbahn zieht den riesigen Stahlriegel und die Gondel hängt wieder frei. Er legt den Riegel auf den Boden, stellt sich darauf und wippt 5-6 mal darauf herum. Spätestens jetzt wird er von allen Fahrgästen aufmerksam beäugt. Ich schreibe immer von „DEM“ einen Fahrer. Es hätten auch glatt 2 in einem Körper sein können. Ein Bär von Mann, groß und breit. Macht ne Menge Schatten der Typ der trotzdem einen sehr sympathischen Eindruck macht! Als nächstes stellt er den Riegel weg. Achnee!! Er versucht ihnr irgendwo reinzustecken! Auf dem Riegel wippen, Versuch einzustecken, wippen, Versuch einzustecken, Versuch zu biegen, wippen, Versuch einzustecken. EWIG. Bis wir langsam begreifen: das Ding ist der „Zündschlüssel“.

Gondel der Venetbahn

Ohne diesen Riegel bzw Schlüssel geht die Tür nicht auf und lässt sich die Gondel nicht bewegen. Er müht sich sehr. Er hat unser aller Mitleid und alle drücken die Daumen dass er es hingebogen bekommt. 😀 Lust auf zusätzliche Kilometer hat keiner. OK das Sport-Wander-Paar vielleicht schon. Als nächstes verbindet der Gondelfahrer unsere Gondel wieder mit dem Mast. Er öffnet ein Fenster und versucht uns mit der Gondel zum schwingen zu bringen. Alles wortlos! Ob wir uns sorgen oder lachen sollen weiß gerade keiner mehr. Das ganze wirkt sehr planlos. Er bekommt den Schlüssel auch nur mit Mühe wieder aus dem Mast der Zwischenstation heraus. :-/ Er geht in seinen Führerstand steckt den „Zündschlüssel“ ein und Zack! Drin! Er lässt sich auf seinen Sitz fallen und piepst ein lautes Phuhh! Applaus in der Gondel!! Die Gondel fährt mit uns also los – nach unten. WAAAS?? Nach unten um dort noch die Jojo-Seilschaft einzuladen. AHHH!!! Wir haben das Gefühl, gar nicht los zu kommen heute. 😦 Oben ausgestiegen macht sich dort auch noch die 25-Mann-Seilschaft auf den Weg. Die Glanderspitze (2512 m ü.NN) ist im Nebel und ab 14.00 Uhr soll es Regen geben. 😦 8.30 Uhr laufen wir endlich weiter um 10 Minuten später hinter der langsamen 25-Mann Bergschule zu klemmen. Das wird mein Tiefpunkttag! Zur Krönung bemerke ich nicht wie ich ausversehen meine GPS Aufzeichnung an der Uhr pausiere. :-/ Mir fehlen mindestens 7 Kilometer in der Aufzeichnung. Wir haben uns für einen kleinen Umweg, um den Berg herum entschieden. Vom Gipfel sieht man an diesem Tag eh nix. Dadurch gehen wir eine längere Strecke, haben aber auch ein paar Höhenmeter eingespart. J kommt erst mit uns, nimmt dann aber doch einen anderen Weg zum Gipfel. Am Tag zuvor war sie mit in dem 30 Minuten Stau hinter dieser Gruppe.

 

Bergschule auf dem E5

Nach etwa einem Kilometer haben wir das große Glück, uns an der Bergschule vorbeizuschummeln. Der Bergführer erklärt etwas, was man in der Ferne sieht. Das hätte mich bestimmt interessiert aber in DIESEM Fall so gar nicht. NULL!! Hauptsache vorbei und Platz zum laufen. Aufgefädelt wie eine Perlenkette laufen die Lemminge … äh … Kunden des Bergführers hintereinander her. Kein rechts vorbei – kein links vorbei möglich. Mich wundert nicht, dass der Großteil der „Alleingänger“ nicht gerade erfreut ist in so einer Gruppe gefangen zu sein. Wir haben schnell so viel Vorsprung dass wir die Gruppe bald nicht mehr sehen können. Ab der Gogles Alm kommt sogar die Gute Laune zurück. Wir laufen größtenteils über felsige Wiesen vorbei an Pferden und Kühen. Ab der Gaflunhütte wird der Weg ein Wirtschaftsweg. Hier treffen wir wieder auf den E5 und es geht durch den Wald hinab nach Wenns (962 m).

Zwischen Wenns und Mittelberg geht der Fernwanderweg entlang einer Landstraße durch das Pitztal. Wir entschließen uns, dieses Stück Straße mit dem Postbus zu fahren. Hinter dem Pitztaler Hof in Wenns ist die Haltestelle. Wir kommen ca. 12.30 Uhr dort an und der Bus fährt vor. ;-D Perfektes Timing! Im Wartehäuschen sitzen außerdem H, P, der Kaltduscher von der Kemptner Hütte (mit Frau) und das Sport-Wander-Paar. Während der Fahrt beginnt es zu nieseln. In Mittelberg angekommen wollen wir noch kurz etwas essen um danach den letzten 3h Anstieg in Angriff zu nehmen. Im Berghof Steinbock kommen wir mit dem Nachbartisch ins Gespräch. „Ihr wollt zur Braunschweiger? Bei dem Wetter? Oh-Oh“ – „Und morgen übers Pitztaler Jöchl??“ – „Übermorgen wär da besser“ Gut dass wir nicht jedem Glauben schenken. 😀 Wir packen uns wetterfest ein und dann auf in den Kampf! Wenn man unter den Ersten auf der Braunschweiger Hütte wäre, hätte man noch warmes Duschwasser. 😀

Anstieg zur Braunschweiger Hütte 

Der Aufstieg beginnt erstmal verhalten. Die groben Felsbrocken sind glitschig vom Regen. Die Sicht wird immer schlecher. Wir sehen nichts talwärts und nach oben ebensowenig. „Bei der Kletterei vielleicht auch besser“ rede ich mir ein denn es geht wirklich extrem steil bergauf. Die Braunschweiger Hütte (2.759 m üNN) ist das höchstgelegene Etappenziel des Fernwanderweges Nr. 5. Wir orientieren uns hier wieder an den noch zu bewältigenden Höhenmetern und nicht an der Strecke. Die Zeit vergeht unbemerkt. Wir singen NDW Lieder und versuchen uns am bayrischen Dialekt. „I brauch ka grosse Welt, i will ham nach Fürstenfeld“ Höhenkoller? 😀

Nach einiger Zeit hören wir hinter uns ein keuchen im Nebel. Vor uns hören wir Stimmen. Sehen können wir niemand. Laut Uhr sind es keine 200 Höhenmeter mehr. Mit einem mal geht es dann sehr schnell und es kommt zu einem kleinen „Gipfel“treffen. H, P, und das Kaltduscherpaar vor uns die wir überholen und zwei der Leipzig/Erfurt Gruppe die uns alle zusammen überholen. Keine 10 Minuten später stehen wir plötzlich auf der Terrasse der Braunschweiger Hütte. ENDLICH!!!

Hüttenstempel

Schuhe zum trocknen, die regennassen Klamotten in den Trockenraum und erstmal unser Bett im Lager suchen. 7 Betten in einem Raum. Die 4er Leipzig/Erfurt-Gruppe, wir beide und H. Mir beginnt das langsam richtig Spaß zu machen. Man trifft sich jeden Abend auf der Hütte und tauscht sich über den Tag aus. Was für ein unbeschwertes Leben. Und es sollte noch besser werden! Wir sitzen beim Zielbier und erst jetzt fallen die Bergschulen ein. Aus dem Regen draußen wird nach und nach Schneeregen. Wir sitzen auf 2759 Metern Höhe und wollen morgen Früh auf über 3000. Bitte keinen Schnee!!

 

 

 

 

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Etappe 3: Memminger Hütte – Skihütte Zams

Kurz nach 5.30 Uhr stehen wir vor der Memminger Hütte (2242 m ü.NN) und brechen auf. Mit einem Apfel und Müsliriegel als Ersatzfrühstück zwischendurch.

Daten Etappe 3

Der Weg bis zur Seescharte (2599 m ü.NN) wird unsere erste abenteuerliche Erfahrung bei dieser Alpenüberquerung. Wir freuen uns und auch das Wetter verspricht wieder einen sonnigen Tag. Mein erster Sonnenaufgang so weit oben in den Alpen. Die Sonne scheint auf die Bergspitzen und lässt diese in einem warmen Goldton strahlen. Während die Bergschulen zum Frühstück gehen, sind wir die Ersten die an diesem Morgen starten.

Der Weg wird heute steiler. Erst felsig, dann über Schnee und Geröllfelder. Auf einem schmalen Pfad geht es am Berg entlang. Links Geröll nach oben, rechts nach unten. Wenn ich weiter nach oben blicke, sehe ich eigentlich nur Felsen. HM … ich dachte der E5 Wanderweg hat keine Kletterpassagen?! Ein traumhafter Blick zurück zur Memminger Hütte. Am Fels angekommen kann man anhand der Markierungen den zu gehenden Weg langsam erkennen. „Weg“ ist ansich der völlig falsche Begriff. Die Route trifft es besser. An Stahlseilen entlang und immer weniger Platz zum gehen. Konzentriert kommen wir der Scharte immer näher. Die Stöcke sind hier nur im Weg und ich überlege ob es überhaupt sinnvoll ist mit Stöcken zu gehen wenn es so steil wird. Ja! Das ist steil und genau das was ich mir vorgestellt habe. Es werden noch anspruchsvollere Stücke kommen, aber dieser erste Abschnitt ist schon das was unsere Abenteuerlust erfüllt. Die Scharte ist eng aber man kommt gut durch. Sich für ein Foto nochmal umzudrehen, wird mit dem Rucksack aber schwierig. Wir machen trotz der Enge reichlich Fotos. Der erste Blick in das nächste Tal ist für mich vergleichbar mit dem ersten Blick in ein Geschenk. Leider ist sowas auf Fotos nicht festzuhalten – sowas kann man nur erleben. Durch unseren zeitigen Aufbruch sind wir hier oben ganz allein! Um 7.00 Uhr morgens! Verdammt geiler Scheiß!

Route über die Seescharte

Es folgt der anstrengendste Abstieg der Tour, über 1800 Höhenmeter nach unten Richtung Zams (767 m ü.NN). Die meisten Abbrecher geben in Zams auf, erfahren wir später. Der Weg nach unten beginnt ebenso steil wie der Aufstieg zuvor. Über Geröll und so große Absätze, dass ein normaler Schritt nicht ausreicht. Hier finde ich meine Stöcke auf einmal ganz sinnvoll, denn so kann ich mich wenigstens etwas auf die Stöcke stützen und muss nicht mein ganzes Gewicht auf meine Knie übertragen. Nach einer Stunde sind wir immer noch in dem endlos scheinenden Zickzack über Geröll. Eine Alm können wir schon länger sehen aber kommen nur äußerst langsam näher.

An der Lochbachalm endlich angekommen geht es angenehmer weiter. Immer entlang des Bachs über Wiesen und später auch durch Wald. Rechts und links vom Lochbach geht es steil bergauf. Die Schneisen, die von den Lawinen ins Tal gerissen werden, zeigen beeindruckend die Kraft der Natur. Kurz nach halb 10 kommen wir endlich zur ersten (und einzigen) Jausestation vor Zams. ENDLICH Frühstück! Käsebrote, Kaffee und ein Bier … morgens halb 10 in Österreich. ;-D Kurz bevor wir weiter gehen, kommt die 4er Gruppe von der Spielmannsau und lässt sich ebenfalls nieder.
Unsere Trinkflaschen sind noch fast voll, deswegen verpassen wir, sie noch einmal aufzufüllen. Auf den kommenden 2,5 Stunden haben wir keine Möglichkeit mehr dazu. Auf dem Fernwanderweg E5 geht das Wasser eigentlich nie aus. Man muss keine großen Vorräte mit sich schleppen um versorgt zu sein. Wie gesagt: eigentlich. Der Weg geht erstmal so entspannt weiter. Man bleibt sogar fast auf gleicher Höhe während der Lochbach eine tiefe Schlucht in das Tal schneidet. Später sehen wir Landeck. Zams muss also gleich um die Ecke sein. Ja – gleich um die Ecke und noch mal 700 Höhenmeter runter? Ja! Es wird noch einmal abartig steil und langsam schmerzhaft in den Knien. Eigentlich sieht man ja den Gipfel und kommt einfach nicht näher – hier sehen wir das Tal und kommen nicht näher. Etwa 150 Höhenmeter vor Zams (ja, Distanzen haben wir nur noch mit Höhenmetern gesehen 😀 )  müssen wir noch einmal Pausieren. Sie Sonne tut ihr Übriges. Aber nein, lieber Hitze und Sonne als Regen!!

Lochbach

Die 4-Kerle-Gruppe überholt uns hier. Endlich unten angekommen stehen wir vor der Bäuerinnenkapelle und feiern den Trinkbrunnen davor. Die Kirche in Zams ist das Wahrzeichen des Ortes. Der Kirchturm steht nicht bei der Kirche selbst, sondern ein paar Meter entfernt. Die Ursache dafür liegt in einem Brand, der 1911 die Kirche in Asche legte und die alte Bausubstanz zerstörte. Der Turm blieb erhalten, während die Kirche etwa 50 Meter entfernt neu errichtet wurde. Wir setzen uns in den Schatten und gönnen uns ein Eis von der Tankstelle. Denn ansich sind wir am Ziel. Zur Skihütte Zams (1.780 m ü.NN), in der wir übernachten, bringt uns eine Seilbahn. Bis dahin haben wir noch fast eine Stunde Zeit.

Nach und nach kommt ein bekanntes Gesicht nach dem anderen. P, J, H, W, eine gemischte 4er Gruppe aus Leipzig/Erfurt die wir auch schon von der Kemptner Hütte kennen und das Sport-Wander-Paar.

Hüttenstempel

15.30 Uhr sind wir auf der Hütte. Warmes Duschwasser für alle, Steckdosen am Bett(!), WLAN (!!!) und WÄSCHESERVICE (!!!!11!1) 😀 alles kostenlos. Auf die unterschiedlichen Wäschewaschaktionen werde ich später noch eingehen können. Wir haben Zeit zum entspannen, rasieren und für das Zielbier.

Wir sind alle glücklich diesen Tag gut überstanden zu haben und kommen hier, wo wir „unter uns“ sind, erstmals ins Gespräch. Für die Bergschulen scheint die Hütte zu teuer da sie keine Alpenvereinshütte ist. Wir hören erstaunt von über einer halben Stunde Rückstau vor der Seescharte. Eigentlich nicht verwunderlich wenn ein Bergführer 25 Leute da durch führen soll. Wie die Lemminge, das werden wir am nächsten Tag live sehen. Die nächste Etappe geht über Wenns (962 m ü.NN) hoch zur Braunschweiger Hütte (2759 m ü.NN). Der Wetterbericht droht ab 14.00 Uhr mit Regen. 😦 Fortsetzung folgt.