Etappe 6: Talhütte Zwieselstein – Moos in Passeier

Daten Etappe 6

Die Daten der 6. Etappe sagen einen langen Tag voraus. Von Zwieselstein (1.472 m ü.NN) aus geht es erstmal für knapp 10 Kilometer bergauf zum Timmelsjoch (2.474 m ü.NN). Dort überschreiten wir die Grenze nach Italien und steigen ab nach Moos im Passeiertal (1140 m ü.NN). Mit 25 Kilometern wieder ein längerer Tag.

Eine komplette Nacht bei offenem Fenster schlafen war ein Genuss. 😀 Dementsprechend gut haben wir geschlafen. Strahlend blauer Himmel macht die Laune noch besser. Für das Frühstück haben wir heute (Selbstversorgerhütte sei Dank) keinen Stress. Wir treffen uns in der Küche mit H und P. Mit jedem Kilometer Richtung Italien wurde bisher der Kaffee besser. Ein einfacher Filterkaffee zum Frühstück ist trotzdem ein Genuss! Seit gestern gehört auch die Tube Voltaren von H mit an jeden Tisch an den wir uns setzen. Fürs zweite Frühstück unterwegs sind sogar noch Brötchen übrig. H und P binden sich noch ihre Wanderschuhe zu und wir starten schonmal. Wir sind bis zur Meraner Hütte in den gleichen Unterkünften und sehen uns spätestens in Italien wieder. 1000 Höhenmeter auf einer Strecke von 10 Kilometern klingt für uns mittlerweile entspannt. Das war es auch! Bei schönstem Sonnenschein und noch angenehmer Morgenfrische geht es bergauf. Der Weg führt über felsige Wiesen. Die schneebedeckten Berge rund um uns herum bieten eine gute Ablenkung. Obwohl gloddsn (übersetzt: In die Ferne schauen) nicht geht während man weiterläuft. Um das Panorama anzusehen, bleibe ich stehen. „Lernen durch Schmerz“ denn anfangs bin ich oft genug abgerutscht oder umgeknickt beim laufen und gloddsn. 😀 Die Passstraße ist stets in Hörweite.

Schmugglerdenkmal

Wir kommen an das Schmugglerdenkmal und freuen uns, so schnell voran zu kommen. Der Pfad führt jetzt weg vom Timmelsbach und wir machen die letzten Meter zum höchsten Punkt des heutigen Tages. 9.30 Uhr verklebe ich eine Ente an der Markierung des höchsten Punktes. Ich gehe auch noch einmal runter zur Passstraße um eine Ente an das Passschild zu kleben. Wir genießen die ausgezeichnete Fernsicht an diesem Tag und machen eine etwas längere Fotopause. Wir sind in Italien! Wir haben keinen Schimmer was für ein Wochentag ist und unser Auto steht 5 Tagesmärsche weiter nördlich. FREIHEIT!

Passschild am Timmelsjoch. Na, wo ist die Ente? 😉

Die Touristen, die an der Passstraße kurz anhalten und aus den Autos steigen, wirken fast suspekt auf uns. Irgendwie sind wir „anders“. Wir haben noch nicht Halbzeit für diesen Tag und beginnen gut gelaunt den Abstieg.
(Bei „Halbzeit“ fällt mir ein: … Am ersten Abend, auf der Kemptner Hütte ist mir ein E5ler aufgefallen, der neben seinen Stöcken eine Deutschlandfahne rumgetragen hat. In der Skihütte Zams haben wir erfahren, dass Deutschland bei der Fußball WM ausgeschieden ist. Der Fahnenmann wird die Idee mittlerweile selbst bescheuert finden … oder das Stück Stoff samt „Fahnenmast“ heimlich entsorgt haben.) 😀
Nach dem ersten steilen Bergabstück kommen wir zum alten Zollhaus, was fast vom Schnee eingeschlossen ist. Die Ruine am Berg war lange mit Zöllnern besetzt die auf Schmugglerjagd waren. Heute führt der Europawanderweg E5 daran vorbei. Wie passend. Es geht etwas gemäßigter bergab durch eine Herde Ziegen und über ein weiteres großes Schneefeld. Kurzärmlig und in kurzen Hosen. Es ist sehr warm geworden mittlerweile und wir halten unsere Trinkflaschen immer schön gefüllt. Wir haben gelernt. 😉
11.30 Uhr teilen wir uns das 2. Frühstück und suchen auf der Karte nach einer Alm für die Mittagspause. Soviel Chancen kommen nicht mehr. Wir finden nur ein Gasthaus Hochfirst, wo wir gegen 13.00 Uhr am Tisch sitzen. Gerade in Italien angekommen und schon essen wir beide Pasta. 😀 Als wir weitergehen denken wir an H & P von denen wir den ganzen Tag noch nichts gesehen haben. Überhaupt haben wir den ganzen Tag noch keinen anderen Wanderer gesehen – seltsam wie ruhig der E5 plötzlich ohne Bergschulen ist.
Nach dem Gasthof führt der Weg Richtung Rabenstein durch einen Wald und wir entkommen der Sonne ein wenig. Interessant und kurzweilig machen die entlang der Route aufgestellten Tafeln. Hier erfährt man von Sagen und Geschichten aus dem Ort Rabenstein. Dort angekommen müssen wir für 3 Kilometer auf der Straße entlang. Die Hitze auf dem Asphalt ist durch die schweren Bergschuhe spürbar. Neidisch schauen wir auf die Wassersprüher rechts und links mit denen die Bauern ihre Wiesen bewässern. Wir merken auch an den Temperaturen dass wir in Südtirol angekommen sind.
Das letzte kurze Stück Strecke führt immer entlang der Passer bis nach Moos. Die imposante Kraft des Wassers kann man an den zahlreichen Staustufen sehen. Es wird hier versucht die großen Steinbrocken und Baumstämme zurückzuhalten, die sonst unkontrolliert ins Tal gerissen werden. Nach einem Steinbockgehege (vielleicht leben hier manchmal sogar welche – gesehen haben wir keinen) kommen wir 15.30 Uhr nach Moos. Ein italienisches Bergdorf wie man sich es vorstellt. Italienisches Eis, Pizza, Kirche und einer Einkaufsmöglichkeit – alles keine 100 Meter von unserer Unterkunft entfernt. In Moos haben wir keine Hütte oder Alpenvereinsunterkunft. Wir übernachten hier in einem Café mit dem Luxus eines Doppelzimmers. WC, Dusche, Wäscheservice und ein Balkon am Schlafzimmer. La dolce Vita! 😀
Wir sind etwa eine Stunde da und gerade auf dem Balkon Wäsche aufhängen als H & P ankommen. Wow! Soviel Vorsprung sollen wir uns erlaufen haben? Nicht ganz. H hat immer größere Probleme mit ihrem Knie. Zum Glück wird die nächste Etappe zur Pfandler Alm eine sehr entspannte. Auch C kommt nach kurzer Zeit an und die Runde ist komplett. Als alle geduscht haben, sitzen wir zu fünft vor dem Cafè Maria und gönnen uns das volle Programm. Kaffee, Kuchen, Eis und später Pizza mit Zielbieren und (auch hier) Hüttenschnaps. Wir lernen C besser kennen. Er ist ein Sportlehrer aus der Pfalz und er will den E5 sogar noch bis ans Ende nach Verona gehen. C feiert seine Alpenüberquerung mit relativ viel Weizenbier und Weißwein wie wir beobachten können.
Die nächste Etappe führt über St.Leonhard zur Pfandler Alm. Aufgrund der Knieprobleme von H planen wir durch die Passerschlucht nach St.Leonhard zu gehen. Von unserer Wirtin erfahren wir, dass der Weg dort angenehmer zu gehen ist. So wird die entspannte 7. Etappe noch entspannter. Wir verabreden uns zum Frühstück und planen morgen als 4er Gruppe gemeinsam zu laufen. Fortsetzung folgt

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Etappe 4: Skihütte Zams – Braunschweiger Hütte

Geschlafen haben wir wieder vor 20 Uhr. Irgendwie ticken die Uhren auf den Hütten anders. So sind wir aber auch wieder vor 6.00 Uhr wach und startklar. Die Nacht war erholsam. Zum ersten Mal hatten wir 2er Boxen im Lager. So viel Privatsphäre waren wir schon gar nicht mehr gewohnt. Das Abendessen in der Skihütte Zams war das beste was wir bisher hatten auf der Tour. Vor- & Hauptspeise plus reichhaltige Salatauswahl. Die Skihütte Zams kann es definitiv mit einem Hotel aufnehmen ohne sich verstecken zu müssen! Frühstück gibt es um 7.00 Uhr. Das ist uns allen fast ein wenig zu spät für den langen, vor uns liegenden Tag.

Daten Etappe 4

Es startet trotzdem niemand früher weil die Seilbahn, die uns wieder auf den E5 Wanderweg zurückbringt, erst um 8.00 Uhr fährt. Naja was soll`s … lässt sich ja nicht ändern. Kurz vor 8 stehen wir alle an der Mittelstation der Venetbahn und warten. Die Gondel kommt und wir steigen ein.

Drama in der Gondel: 😀 Um die Türen der Gondel an der Mittelstation (ein Zwischenhalt der nicht bei jeder Fahrt bedient wird) öffnen zu können, muß der Gondelfahrer mit einem riesigen Stahlriegel die Gondel mit dem Mast der Zwischenstation verbinden. Erst dann hat die Gondel den richtigen Abstand zum Mast, so dass man ohne Stufe oder Spalt im Boden einsteigen kann. Wir stehen also alle in der Gondel. Der Fahrer der Venetbahn zieht den riesigen Stahlriegel und die Gondel hängt wieder frei. Er legt den Riegel auf den Boden, stellt sich darauf und wippt 5-6 mal darauf herum. Spätestens jetzt wird er von allen Fahrgästen aufmerksam beäugt. Ich schreibe immer von „DEM“ einen Fahrer. Es hätten auch glatt 2 in einem Körper sein können. Ein Bär von Mann, groß und breit. Macht ne Menge Schatten der Typ der trotzdem einen sehr sympathischen Eindruck macht! Als nächstes stellt er den Riegel weg. Achnee!! Er versucht ihnr irgendwo reinzustecken! Auf dem Riegel wippen, Versuch einzustecken, wippen, Versuch einzustecken, Versuch zu biegen, wippen, Versuch einzustecken. EWIG. Bis wir langsam begreifen: das Ding ist der „Zündschlüssel“.

Gondel der Venetbahn

Ohne diesen Riegel bzw Schlüssel geht die Tür nicht auf und lässt sich die Gondel nicht bewegen. Er müht sich sehr. Er hat unser aller Mitleid und alle drücken die Daumen dass er es hingebogen bekommt. 😀 Lust auf zusätzliche Kilometer hat keiner. OK das Sport-Wander-Paar vielleicht schon. Als nächstes verbindet der Gondelfahrer unsere Gondel wieder mit dem Mast. Er öffnet ein Fenster und versucht uns mit der Gondel zum schwingen zu bringen. Alles wortlos! Ob wir uns sorgen oder lachen sollen weiß gerade keiner mehr. Das ganze wirkt sehr planlos. Er bekommt den Schlüssel auch nur mit Mühe wieder aus dem Mast der Zwischenstation heraus. :-/ Er geht in seinen Führerstand steckt den „Zündschlüssel“ ein und Zack! Drin! Er lässt sich auf seinen Sitz fallen und piepst ein lautes Phuhh! Applaus in der Gondel!! Die Gondel fährt mit uns also los – nach unten. WAAAS?? Nach unten um dort noch die Jojo-Seilschaft einzuladen. AHHH!!! Wir haben das Gefühl, gar nicht los zu kommen heute. 😦 Oben ausgestiegen macht sich dort auch noch die 25-Mann-Seilschaft auf den Weg. Die Glanderspitze (2512 m ü.NN) ist im Nebel und ab 14.00 Uhr soll es Regen geben. 😦 8.30 Uhr laufen wir endlich weiter um 10 Minuten später hinter der langsamen 25-Mann Bergschule zu klemmen. Das wird mein Tiefpunkttag! Zur Krönung bemerke ich nicht wie ich ausversehen meine GPS Aufzeichnung an der Uhr pausiere. :-/ Mir fehlen mindestens 7 Kilometer in der Aufzeichnung. Wir haben uns für einen kleinen Umweg, um den Berg herum entschieden. Vom Gipfel sieht man an diesem Tag eh nix. Dadurch gehen wir eine längere Strecke, haben aber auch ein paar Höhenmeter eingespart. J kommt erst mit uns, nimmt dann aber doch einen anderen Weg zum Gipfel. Am Tag zuvor war sie mit in dem 30 Minuten Stau hinter dieser Gruppe.

 

Bergschule auf dem E5

Nach etwa einem Kilometer haben wir das große Glück, uns an der Bergschule vorbeizuschummeln. Der Bergführer erklärt etwas, was man in der Ferne sieht. Das hätte mich bestimmt interessiert aber in DIESEM Fall so gar nicht. NULL!! Hauptsache vorbei und Platz zum laufen. Aufgefädelt wie eine Perlenkette laufen die Lemminge … äh … Kunden des Bergführers hintereinander her. Kein rechts vorbei – kein links vorbei möglich. Mich wundert nicht, dass der Großteil der „Alleingänger“ nicht gerade erfreut ist in so einer Gruppe gefangen zu sein. Wir haben schnell so viel Vorsprung dass wir die Gruppe bald nicht mehr sehen können. Ab der Gogles Alm kommt sogar die Gute Laune zurück. Wir laufen größtenteils über felsige Wiesen vorbei an Pferden und Kühen. Ab der Gaflunhütte wird der Weg ein Wirtschaftsweg. Hier treffen wir wieder auf den E5 und es geht durch den Wald hinab nach Wenns (962 m).

Zwischen Wenns und Mittelberg geht der Fernwanderweg entlang einer Landstraße durch das Pitztal. Wir entschließen uns, dieses Stück Straße mit dem Postbus zu fahren. Hinter dem Pitztaler Hof in Wenns ist die Haltestelle. Wir kommen ca. 12.30 Uhr dort an und der Bus fährt vor. ;-D Perfektes Timing! Im Wartehäuschen sitzen außerdem H, P, der Kaltduscher von der Kemptner Hütte (mit Frau) und das Sport-Wander-Paar. Während der Fahrt beginnt es zu nieseln. In Mittelberg angekommen wollen wir noch kurz etwas essen um danach den letzten 3h Anstieg in Angriff zu nehmen. Im Berghof Steinbock kommen wir mit dem Nachbartisch ins Gespräch. „Ihr wollt zur Braunschweiger? Bei dem Wetter? Oh-Oh“ – „Und morgen übers Pitztaler Jöchl??“ – „Übermorgen wär da besser“ Gut dass wir nicht jedem Glauben schenken. 😀 Wir packen uns wetterfest ein und dann auf in den Kampf! Wenn man unter den Ersten auf der Braunschweiger Hütte wäre, hätte man noch warmes Duschwasser. 😀

Anstieg zur Braunschweiger Hütte 

Der Aufstieg beginnt erstmal verhalten. Die groben Felsbrocken sind glitschig vom Regen. Die Sicht wird immer schlecher. Wir sehen nichts talwärts und nach oben ebensowenig. „Bei der Kletterei vielleicht auch besser“ rede ich mir ein denn es geht wirklich extrem steil bergauf. Die Braunschweiger Hütte (2.759 m üNN) ist das höchstgelegene Etappenziel des Fernwanderweges Nr. 5. Wir orientieren uns hier wieder an den noch zu bewältigenden Höhenmetern und nicht an der Strecke. Die Zeit vergeht unbemerkt. Wir singen NDW Lieder und versuchen uns am bayrischen Dialekt. „I brauch ka grosse Welt, i will ham nach Fürstenfeld“ Höhenkoller? 😀

Nach einiger Zeit hören wir hinter uns ein keuchen im Nebel. Vor uns hören wir Stimmen. Sehen können wir niemand. Laut Uhr sind es keine 200 Höhenmeter mehr. Mit einem mal geht es dann sehr schnell und es kommt zu einem kleinen „Gipfel“treffen. H, P, und das Kaltduscherpaar vor uns die wir überholen und zwei der Leipzig/Erfurt Gruppe die uns alle zusammen überholen. Keine 10 Minuten später stehen wir plötzlich auf der Terrasse der Braunschweiger Hütte. ENDLICH!!!

Hüttenstempel

Schuhe zum trocknen, die regennassen Klamotten in den Trockenraum und erstmal unser Bett im Lager suchen. 7 Betten in einem Raum. Die 4er Leipzig/Erfurt-Gruppe, wir beide und H. Mir beginnt das langsam richtig Spaß zu machen. Man trifft sich jeden Abend auf der Hütte und tauscht sich über den Tag aus. Was für ein unbeschwertes Leben. Und es sollte noch besser werden! Wir sitzen beim Zielbier und erst jetzt fallen die Bergschulen ein. Aus dem Regen draußen wird nach und nach Schneeregen. Wir sitzen auf 2759 Metern Höhe und wollen morgen Früh auf über 3000. Bitte keinen Schnee!!

 

 

 

 

Etappe 3: Memminger Hütte – Skihütte Zams

Kurz nach 5.30 Uhr stehen wir vor der Memminger Hütte (2242 m ü.NN) und brechen auf. Mit einem Apfel und Müsliriegel als Ersatzfrühstück zwischendurch.

Daten Etappe 3

Der Weg bis zur Seescharte (2599 m ü.NN) wird unsere erste abenteuerliche Erfahrung bei dieser Alpenüberquerung. Wir freuen uns und auch das Wetter verspricht wieder einen sonnigen Tag. Mein erster Sonnenaufgang so weit oben in den Alpen. Die Sonne scheint auf die Bergspitzen und lässt diese in einem warmen Goldton strahlen. Während die Bergschulen zum Frühstück gehen, sind wir die Ersten die an diesem Morgen starten.

Der Weg wird heute steiler. Erst felsig, dann über Schnee und Geröllfelder. Auf einem schmalen Pfad geht es am Berg entlang. Links Geröll nach oben, rechts nach unten. Wenn ich weiter nach oben blicke, sehe ich eigentlich nur Felsen. HM … ich dachte der E5 Wanderweg hat keine Kletterpassagen?! Ein traumhafter Blick zurück zur Memminger Hütte. Am Fels angekommen kann man anhand der Markierungen den zu gehenden Weg langsam erkennen. „Weg“ ist ansich der völlig falsche Begriff. Die Route trifft es besser. An Stahlseilen entlang und immer weniger Platz zum gehen. Konzentriert kommen wir der Scharte immer näher. Die Stöcke sind hier nur im Weg und ich überlege ob es überhaupt sinnvoll ist mit Stöcken zu gehen wenn es so steil wird. Ja! Das ist steil und genau das was ich mir vorgestellt habe. Es werden noch anspruchsvollere Stücke kommen, aber dieser erste Abschnitt ist schon das was unsere Abenteuerlust erfüllt. Die Scharte ist eng aber man kommt gut durch. Sich für ein Foto nochmal umzudrehen, wird mit dem Rucksack aber schwierig. Wir machen trotz der Enge reichlich Fotos. Der erste Blick in das nächste Tal ist für mich vergleichbar mit dem ersten Blick in ein Geschenk. Leider ist sowas auf Fotos nicht festzuhalten – sowas kann man nur erleben. Durch unseren zeitigen Aufbruch sind wir hier oben ganz allein! Um 7.00 Uhr morgens! Verdammt geiler Scheiß!

Route über die Seescharte

Es folgt der anstrengendste Abstieg der Tour, über 1800 Höhenmeter nach unten Richtung Zams (767 m ü.NN). Die meisten Abbrecher geben in Zams auf, erfahren wir später. Der Weg nach unten beginnt ebenso steil wie der Aufstieg zuvor. Über Geröll und so große Absätze, dass ein normaler Schritt nicht ausreicht. Hier finde ich meine Stöcke auf einmal ganz sinnvoll, denn so kann ich mich wenigstens etwas auf die Stöcke stützen und muss nicht mein ganzes Gewicht auf meine Knie übertragen. Nach einer Stunde sind wir immer noch in dem endlos scheinenden Zickzack über Geröll. Eine Alm können wir schon länger sehen aber kommen nur äußerst langsam näher.

An der Lochbachalm endlich angekommen geht es angenehmer weiter. Immer entlang des Bachs über Wiesen und später auch durch Wald. Rechts und links vom Lochbach geht es steil bergauf. Die Schneisen, die von den Lawinen ins Tal gerissen werden, zeigen beeindruckend die Kraft der Natur. Kurz nach halb 10 kommen wir endlich zur ersten (und einzigen) Jausestation vor Zams. ENDLICH Frühstück! Käsebrote, Kaffee und ein Bier … morgens halb 10 in Österreich. ;-D Kurz bevor wir weiter gehen, kommt die 4er Gruppe von der Spielmannsau und lässt sich ebenfalls nieder.
Unsere Trinkflaschen sind noch fast voll, deswegen verpassen wir, sie noch einmal aufzufüllen. Auf den kommenden 2,5 Stunden haben wir keine Möglichkeit mehr dazu. Auf dem Fernwanderweg E5 geht das Wasser eigentlich nie aus. Man muss keine großen Vorräte mit sich schleppen um versorgt zu sein. Wie gesagt: eigentlich. Der Weg geht erstmal so entspannt weiter. Man bleibt sogar fast auf gleicher Höhe während der Lochbach eine tiefe Schlucht in das Tal schneidet. Später sehen wir Landeck. Zams muss also gleich um die Ecke sein. Ja – gleich um die Ecke und noch mal 700 Höhenmeter runter? Ja! Es wird noch einmal abartig steil und langsam schmerzhaft in den Knien. Eigentlich sieht man ja den Gipfel und kommt einfach nicht näher – hier sehen wir das Tal und kommen nicht näher. Etwa 150 Höhenmeter vor Zams (ja, Distanzen haben wir nur noch mit Höhenmetern gesehen 😀 )  müssen wir noch einmal Pausieren. Sie Sonne tut ihr Übriges. Aber nein, lieber Hitze und Sonne als Regen!!

Lochbach

Die 4-Kerle-Gruppe überholt uns hier. Endlich unten angekommen stehen wir vor der Bäuerinnenkapelle und feiern den Trinkbrunnen davor. Die Kirche in Zams ist das Wahrzeichen des Ortes. Der Kirchturm steht nicht bei der Kirche selbst, sondern ein paar Meter entfernt. Die Ursache dafür liegt in einem Brand, der 1911 die Kirche in Asche legte und die alte Bausubstanz zerstörte. Der Turm blieb erhalten, während die Kirche etwa 50 Meter entfernt neu errichtet wurde. Wir setzen uns in den Schatten und gönnen uns ein Eis von der Tankstelle. Denn ansich sind wir am Ziel. Zur Skihütte Zams (1.780 m ü.NN), in der wir übernachten, bringt uns eine Seilbahn. Bis dahin haben wir noch fast eine Stunde Zeit.

Nach und nach kommt ein bekanntes Gesicht nach dem anderen. P, J, H, W, eine gemischte 4er Gruppe aus Leipzig/Erfurt die wir auch schon von der Kemptner Hütte kennen und das Sport-Wander-Paar.

Hüttenstempel

15.30 Uhr sind wir auf der Hütte. Warmes Duschwasser für alle, Steckdosen am Bett(!), WLAN (!!!) und WÄSCHESERVICE (!!!!11!1) 😀 alles kostenlos. Auf die unterschiedlichen Wäschewaschaktionen werde ich später noch eingehen können. Wir haben Zeit zum entspannen, rasieren und für das Zielbier.

Wir sind alle glücklich diesen Tag gut überstanden zu haben und kommen hier, wo wir „unter uns“ sind, erstmals ins Gespräch. Für die Bergschulen scheint die Hütte zu teuer da sie keine Alpenvereinshütte ist. Wir hören erstaunt von über einer halben Stunde Rückstau vor der Seescharte. Eigentlich nicht verwunderlich wenn ein Bergführer 25 Leute da durch führen soll. Wie die Lemminge, das werden wir am nächsten Tag live sehen. Die nächste Etappe geht über Wenns (962 m ü.NN) hoch zur Braunschweiger Hütte (2759 m ü.NN). Der Wetterbericht droht ab 14.00 Uhr mit Regen. 😦 Fortsetzung folgt.

Etappe 2: Kemptner Hütte – Memminger Hütte

Die zweite Etappe geht von der Kemptner Hütte (1844 m ü.NN) erst noch einmal paar Höhenmeter nach oben bis aufs Mädlejoch (1973m). Dort überqueren wir schon die Grenze nach Österreich. Danach unser erster Abstieg der Tour hinunter bis auf 1114 m nach Holzgau, weiter über Bach 1070 m hinauf zur Memminger Hütte (2242 m ü.NN).

Daten 2. Etappe

Die Nacht war gut. Ich habe geschlafen wie ein Stein. Frühstück auf der Kemptner Hütte gibt es ab um 6.00 Uhr. Auf 5.30 Uhr steht der Wecker. Ich bin etwa eine viertel Stunde vorher wach. Mehr oder weniger mit den Ersten die sich aus ihren Hüttenschlafsäcken pellen. Die Kleidung für den neuen Tag liegt bereit um nicht im Rucksack wühlen zu müssen. Ich bin sofort topmotiviert und will nix verpassen. Ja nicht zu spät zum Frühstück kommen und anstehen müssen. Wenn die Bergschulen zum Futterfassen einrücken, werden die Plätze knapp. Nur keine Verzögerung riskieren! 😀 Von der Schulklasse haben wir übrigens nix mehr gehört und gesehen an diesem frühen Morgen. Der Besuch im Waschraum ging wieder sehr schnell 😀 und wir saßen 10 Minuten bevor es Frühstück gab am Tisch. Das Essen auf den Hütten war durchweg sehr gut! Reichlich, lecker und selbst für Vegetarier immer eine gute Auswahl. Top!! Als Alpenvereinsmitglieder haben wir sogar noch einmal vergünstigte „Bergsteigeressen“ und „Bergsteigergetränke“ bekommen. So kommt man auf den Hütten ansich sehr günstig weg. Wenn, ja wenn man abends nicht immer ein Bier und einen Hüttenschnaps trinken will. 😀 Man lernt auf dem Weg nach Italien so einige Schmankerl kennen. Mit Zirbenschnaps oder Haselnussbrand kann man aber auch jede Tagestour ein wenig feiern. Gehört ja dazu.

Auf das Frühstück warten außer uns noch ein älterer Herr und das Sport-Wander-Paar von der Oberstdorf Etappe. Wir sind dann tatsächlich die ersten und wir beäugen die immer länger werdende Warteschlange an der Frühstücksausgabe. Alles richtig gemacht. Wir brechen noch vor 6.30 Uhr auf in Richtung Mädlejoch. Das Wetter verspricht schönes Wetter. Ein paar Wolken aber der Tag soll sonnig und trocken werden. Das Brangelina-Sport-Wander-Paar startet nur ein paar Minuten hinter uns. Eine Bergschule mit einer Gruppe haben wir keine vor uns und auch keine im Nacken. Alles richtig gemacht.

Grenzschild Deutschland/Österreich (mit ENTE) 😀

Die ersten 30 Gehminuten steigen erst nochmal an. Noch ist es keiner der schwierigen Anstiege die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern. Das Sport-Wander-Paar überholt uns hier. Der Blick ins nächste Tal, wenn man eine Bergkette überwunden hat, ist immer etwas ganz besonderes. Oft auch mit einem WOW von mir kommentiert. Am Mädlejoch machen wir eine kurze Pause für ein Foto. Wir verkleben schnell noch unsere erste Ente am Grenzschild und starten den Abstieg.

Der Abstieg nach Holzgau ist streckenweise sehr steil. Wir merken schon hier, dass uns bergauf mehr Spaß macht. Unterwegs stellt sich die Frage an einem Wasserfall vorbeizulaufen (so verläuft die Originalroute) oder einen kleinen Schwenk über Österreichs höchste Hängebrücke zu machen. Wir entscheiden uns für die kürzere, also die Originalroute, vorbei am Simmswasserfall. Auf dem letzten Stück vor Holzgau werden wir noch von Blondie (von der Spielmannsau) überholt. In Holzgau kommen wir direkt an der Kirche an. Strahlend blauer Himmel läd zu einem zweiten Frühstück ein. Ich nutze die Pause und suche im Rucksack nach dem Stirnband und der Sonnenbrille. Der Aufstieg zur Memminger Hütte scheint schweißtreibend zu werden. Bevor es steil bergauf geht, müssen wir den Parseierbach überqueren. Die Brücke dort wird gerade erneuert und ist zudem mit Kühen verstellt. Wir müssen kurz auf der Karte schauen ob wir noch richtig sind. Auf dem Fernwanderweg E5 ist es nicht unbedingt notwendig mit einer Karte zu laufen. Selbst in den Geröllfeldern ist der Weg sehr gut markiert. Der Aufstieg zur Memminger Hütte ist zwar wesentlich steiler als der gestrige, dafür aber auch nochmal kurzweiliger! Wunderbares Alpenpanorama ab den ersten Metern. Abwechslungsreich über Felsen, Wiesen, Schnee und Bäche. Kühe, Pferde und zahlreiche Murmeltiere lassen sich von uns kaum beeindrucken. Mit gerademal 5 Stunden Gehzeit sind wir eine ganze Stunde schneller als geplant. Auf dem Memminger Hütte sind wir mit die ersten die eintreffen. Alles richtig gemacht! Mit einer Duschmarke haben wir sogar 3 Minuten warmes Wasser! Nachdem auch die gewaschenen Klamotten auf der Leine hängen, ist sogar noch Zeit für Kaffee und Kuchen bevor die Schlafplätze vergeben werden. Das Bettenlager ist hier wesentlich angenehmer aufgeteilt! 4er Boxen zu beiden Seiten des Ganges in 2 Etagen. Etwas mehr Privatsphäre als in der ersten Nacht. Mit uns beiden in einer Box ist die Blondine J (von der Spielmannsau) und auch P liegt wieder bei uns. So langsam erkennt man sich wieder und kommt ins Gespräch. In der Box gegenüber kannte ich bis dahin nur W. Ein überaus sympathischer Schweizer(?!). Alle drei gehen den E5 allein. Mehr oder weniger. Denn je weiter man den Weg geht, umso mehr Kontakte knüpft man. Außerdem entwickelt sich ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Hüttenstempel

Die Bergschulen, die mit 20-25 Leuten in einer Gruppe gehen, haben sich untereinander – jedoch kaum Kontakte nach „außen“. Reservierte Tische in den Hütten, eigene Essenszeiten und teilweise sogar eigene Schlafräume, grenzen diese (von uns immer Seilschaft genannten Gruppen) auch so gut wie möglich ab. Viele Streckenabschnitte, die weniger interessant sind, fahren diese „Seilschaften“ mit einem Taxi. In Erinnerung ist mir eine Bergschule mit einer 25-Mann „Seilschaft“. Sehr groß und ebenso langsam unterwegs. Und eine Zweite – die „Jojo-Seilschaft“ – jünger und auch ein wenig schneller. Dieses Nicht-zu-einer-Gruppe-gehören verbindet die in Eigenregie gehenden miteinander. In der Box gegenüber ist mir noch H aufgefallen als sie mich verschnupft nach einem Taschentuch fragte. Noch nicht viele Worte gewechselt aber das sollte noch kommen.

Auf der Seekogel (2412 m), dem Hausberg der Memminger Hütte, sollte es ab und zu Handyempfang geben. Wir haben die rund 200 Höhenmeter noch draufgelegt und wurden mit einem traumhaften Ausblick belohnt.

Seekogel (2412m üNN) in den Lechtaler Alpen

Handyempfang war allerdings wenig bis gar nicht vorhanden. Eine SMS an meine Schwester war alles was ich mit Müh` und Not absetzen konnte. Der Abend verging ähnlich wie der erste in der Kemptner Hütte. Zielbier und Bergsteigeressen – Kleidung für den nächsten Morgen bereit legen und den Wecker stellen. Die Bergschulen haben beim Frühstück auf der Memminger Hütte Vorrang. 1. Durchgang beim Frühstück war nur für die Seilschaften, danach der Rest. Die dritte Etappe beginnt spektakulär. Es geht über eine schweren Aufstieg durch die Seescharte (2600 m) und mit einem anstrengenden Abstieg hinunter nach Zams (767 m) ins Inntal. Bei angesagten 8-9 Stunden Gehzeit wollten wir nicht hinter einer Gruppe stecken. Deswegen ist unser Plan noch VOR dem Frühstück zu starten. (auch hier haben wir wieder alles richtig gemacht!) Dieses wollen wir an der ersten Jausestation Richtung Inntal nachholen. 😉 Etappe 3 – Fortsetzung folgt!