Villa „Graf Zeppelin“

Wir bahnen wir uns den Weg durch dichtes Gestrüpp. Der kleine Park, um die Villa herum, hat schon lange keinen Gärtner mehr gesehen. Das Haus ist fast gänzlich leer geräumt und trotzdem versprüht es einen ungeheuren Charme. Bei den vielen Holzvertäfelungen und aufwändig verzierten Decken könnte man meinen, man steht in einem Renaissanceschloss. Die 1890 erbaute Villa hat im Laufe der Jahre zahlreiche Bewohner kennengelernt. Wirklich lange geblieben ist aus unterschiedlichen Gründen keiner. Eine besondere Geschichte gibt es zu der Villa nicht zu berichten. Kurz vor dem verlassen der Villa fand ich hier das älteste Zeitungsstück, was ich auf meinen Touren bisher gefunden habe. 21. Mai 1929 !

Bestätigt hat sich hier übrigens wieder einmal das „Kleine-Welt-Phänomen“. Über sieben Ecken kennt sich jeder. Beste Grüße! 🙂

Das Kloster der Feuermacher

Wie bei vielen Orten ranken sich auch um dieses verlassene Kloster die wildesten Geschichten. Was man davon zu halten hat, sei jedem selbst überlassen – nur so viel sei gesagt: Der Ursprung der folgenden Erzählung geht wahrscheinlich auf eine Gruppe Sinti & Roma zurück, die Jahr für Jahr in der Nähe dieses Klosters lagern. Ob sie bloß dazu dient neugierige Besucher fernzuhalten? Wer weiß!

Viel ist nicht bekannt über dieses zugewachsene Gelände. Man sagt, dass die Nonnen in einer sternenklaren Vollmondnacht das Kloster panikartig verlassen haben sollen. Sie ließen die Kerzen in der Kirche brennen, ja selbst ihr gesamtes Hab und Gut wurde zurück gelassen und sie waren nie wieder gesehen. Im Auftrag des Bischofs verbrachte daraufhin ein Abt eine Nacht im großen  Wohnbereich des Klosters und lies sofort am darauf folgenden Morgen alle Fenster und Türen versperren. Auch er verschwand wenige Tage später spurlos.

Dies alles geschah Mitte der 50er Jahre. Das Gebäude wurde geplündert, verfiel und geriet in Vergessenheit. Die Bewohner der umliegenden Straßen meiden diesen Ort. Tiere sollen sich dorthin zum Sterben zurückziehen, Berge von Müll türmen sich auf, der Geruch von Feuer und Asche umweht die leeren Räume dieser prächtigen Anlage. Man berichtet von dunklen Schatten und leisem Geflüster. Menschen nach denen niemand fragt, die niemand vermisst übernachten hier und kommen nie wieder zurück. Des nachts soll dort ständig ein Feuer brennen. Ja, einige Leute behaupten sogar, der Teufel selbst solle in diesem Gemäuer umgehen.

Letztendlich ist es eurer Phantasie überlassen, was ihr daraus macht. Nur so viel: Der Ort ist nicht ohne! Tatsächlich waren wir dort nicht allein! Wir haben das Feuer gesehen und die Stimmen gehört. Doch gesehen haben wir niemand.

Kirche Memento Mori

36 Geister sitzen in den Bankreihen einer Kirche. Einige starren vor sich hin, andere beten. Zwei sitzen ängstlich, eng aneinandergerückt. Vor dem Beichtstuhl steht eine Frau mit ihrem Kind im Arm.
Ein „Guter Geist“ erklärt uns, dass dies die verstorbenen Dorfbewohner sind, die auch nach ihrem Tod die Kirche noch besuchen um zu beten.
Wir bewegen uns fast lautlos zwischen den Gestalten um unsere Fotos zu machen. Das lauteste Geräusch ist das klicken der Verschlüsse unserer Kameras. Wir sprechen kaum. Blickkontakt genügt meist um uns zu verständigen.

Springen wir mal 2 Stunden zurück.

Ein leichtes Zittern überkommt mich als ich endlich vor der Kirche stehe. 6 Monate lang habe ich die Fotos der Kirche fast täglich angesehen.
Jetzt endlich bin ich da! Wir gehen durch die Tür und mein Zittern wird fast zur Lähmung.
Eine gefühlte Ehwigkeit schaue ich die Geister an und vergesse, dass ich hier bin um Fotos zu machen. Ich wusste was mich hier erwartet. Von Bildern
erkenne ich fast jede Gestalt wieder. Nun stand ich hier rum, als hätte ich einen Geist gesehen.

Es gibt sie wirklich!!!

VEB Fräse

Die „Fräse“ ist Geocacher-Terrain und liegt ein wenig versteckt in einem Walsdtück. Auf dem Rückweg, von einer anderen Location, wollte ich zur Fräse wegen einer einzigen Aufnahme die ich unbedingt haben wollte. Das Bild von dem Pavillon.

Geocacher und Urbexer treffen ab und zu mal aufeinander. Auf dem Gelände liegt ein „Lost Place Cache“ versteckt. Obwohl das „LOST“, vom Wortsinn her, in diesem Fall eher lächerlich ist! Zwei wild entstandene Parktaschen direkt vor dem Eingangstor, ausgelatschte Trampelpfade durch das ganze Gelände, Müllberge, Sperrmüll, Schutt. Anscheinend ist hier mehr Begängnis als bei Rewe an einem Samstag Vormittag. So war auch ich die ganze Zeit über nicht allein in dem Gebäude. ABER … sehr nette Gespräche und wertvolle Tipps habe ich bekommen! (Gruß und Dank nach Plauen 😀 )

Die „Fräse“ war ursprünglich ein Betrieb der Kammgarnspinnerei. Nach der Auflösung des VEB  wurde das Gelände als Auslieferungslager für Fräser genutzt. Daher der Name „Fräse“. Alles in allem war der extrem marode Betrieb weniger erfolgreich was meine Bildausbeute anbelangt. Das Pavillonbild war mir den Abstecher aber Wert!

Horror & Leid im Kinderheim

Ein kleiner Schelm bist du – weißt du was ich tu´?

Ich steck Dich in den Hafersack und bind Dich oben zu.

Und wenn Du dann noch schreist; „Ach, bitte mach doch auf!“,

dann bind ich Dich noch fester zu und setz mich obendrauf.

… stand an der Wand in einem der ersten Zimmer, die ich in dem Kinderheim betreten hatte. Und somit war das Kopfkino gestartet! Vier große Gebäude, fast vier Stunden verängstigte Kindergesichter im Kopf.

Wer den Spruch an die Wand gekritzelt hat? … unwahrscheinlich dass er von einem früheren Heimkind stammt. (Nachträglich recherchieren ergab, dass es sich um eine Kinderlied handelt.) Allerdings hat er mich in die passende Stimmung gebracht für diese Location. Vier Große Gebäude. Alle durch unterirdische Gänge/Schächte miteinander verbunden. Schon 1824 war in diesen Häusern ein Waisenhaus. Später wurde weiter ausgebaut und die Einrichtung als Anstalt für kriminelle Kinder genutzt. Zwischen 1933 und 1945 beheimateten die Gebäude eine Korrektionsanstalt für „asoziale und arbeitsunwillige“ Erwachsene. Nach dem 2. Weltkrieg, bis zum Ende der DDR war hier ein Spezialkinderheim für schwererziehbare Kinder. Mehr Fakten dazu fehlen mir. Man munkelt dass der Betrieb erst im Jahr 2000 entgültig eingestellt wurde. Das war die dritte Einrichtung dieser Art die ich im Leerstand fotografiert habe, aber die erste die (trotz fast leerer Räume) ein so bedrückendes Gefühl zurück lässt.

Die Geschichten über Gewalt und Missbrauch in derlei Einrichtungen sind allgegenwärtig. Haarsträubende Berichte über Prügelstrafen und Terror findet man auch über dieses Heim im Internet zu Hauf. Dass manche Räume die Gefühle & Stimmungen früherer Bewohner festgehalten haben, kann ich hier nur bestätigen! Von „hm .. recht langweilig.“ auf „Nichts wie raus hier!“ in 10 Metern. Besonders bedrückend empfand ich die Zellen und die Keller. Vor allem während den „langen Belichtungszeiten“ beginnst du nachzudenken! …hörst den Wind durch kaputte Fenster heulen und Stimmen von draussen. Komplett geflieste, unterirdische Räume. Mit Sicherheit waren das Dusch- b.z.w. Waschräume … aber mit „Geschichten“ im Kopf willst du hier nur wieder raus. Echte Hinterlassenschaften der Bewohner sind fast nicht mehr zu finden. Hier wurde groß reine gemacht bevor die Türen verschlossen wurden.

Von einem Urbex-Kollegen darauf aufmerksam gemacht, fand ich diesen merkwürdigen Ort direkt in mitten der Gebäude. >> Drei Bäume – drei Blitzeinschäge – ein Kreuz. Dieses Gelände wurde mit Sicherheit so oft wie kaum ein anderes mit Flüchen belegt  … Und jetzt bist du dran mit dem Kopfkino!pano

Winterurlaub mit dem FDGB

… ein über 100 Jahre altes Haus mit einer langen Geschichte. 1905 als Kurheim erbaut und nach dem 2. Weltkrieg in das Volkseigentum der DDR übergegangen, war das Haus zu jeder Zeit gut besucht. Als begehrtes FDGB Heim brauchte sich auch niemand um „Gästenachschub“ zu kümmern. Allein die Ausstattung der Küche und der Kühlräume lässt erahnen, wie viele Gäste hier einmal beköstigt wurden.

IMG_0149_50_51Ebenfalls wie das „Hotel Seeblick“ liegt auch dieses ehemalige FDGB Erholungsheim in bester Lage! Wander- und Wintersportgebiet. Keine 15 Kilometer entfernt von einer Sportanlage, an der mehrmals im Jahr, Internationale Wettkämpfe stattfinden. War man zu DDR-Zeiten stolz einen FDGB Ferienplatz dort „ergattert“ zu haben, blieben nach der Auflösung des FDGB, 1990, schlagartig alle Gäste aus. Danach wurde das Hotel privat weitergeführt. Entweder war es das Versäumnis um neue Gäste zu werben, oder der „FDGB-Fluch“. Nach der Wende wollte man doch nicht in einem ehemaligen Ferienheim vom FDGB wohnen. Neiiin das musste schon was neues sein, … was moderneres, … mit Satellitenfernsehn in jedem Zimmer, … mit Wellness, … und Pool, … und all inclusive Bändchen. (Ironie aus!)  Gefundenen Elektrogeräte zeigen dass dort Modernisierungsversuche scheinbar ausgeblieben sind. Das letzte Lebeszeichen des Ferienhotels ist aus dem Jahr 1992. Seitdem steht das Gebäude leer und wartet auf einen neuen Käufer.

Das Kronleuchter Sanatorium

Aus dichtem Nebel tauchte das große, stolze Gebäude langsam vor mir auf. Auf dem ersten Blick ein riesiges Sanatorium. Ob ich es hier schaffe in alle Zimmer zu sehen? … ohne den Überblick zu verlieren? Das Sanatorium wurde 1926 als Hotel erbaut und erst 1951 zum Sanatorium für Unfall- und Sportverletzungen, mit 150 Betten umgebaut. Es genoss einen exzellenten Ruf was dazu führte, dass 1997 in einen Neubau umgezogen werden musste. Seit dem steht das Gebäude leer und verfällt.

Die scheinbar unzähligen Patientenzimmer sind weitestgehend leer geräumt. Sehenswert macht das Sanatorium alle anders genutzten Räume wie zum Beispiel die Küche, Speisesaal, Turnhalle oder die ehemaligen Behandlungsräume. Auch nicht zu vergessen die für Krankenhäuser so typischen langen Gänge! Das etwas beklemmende „Krankenhausgefühl“ blieb bei mir in diesem Sanatorium aus.

Auffällig waren die zahlreichen Kronleuchter die im Haus und in vielen der Patientenzimmer auf dem Boden lagen. Der Inneneinrichter hatte definitiv einen „Lampenspleen“!

Dieses Sanatorium war ein sehenswertes Highlight!

Hotel Seeblick

Ein Hotel in „Bester Lage“ mit einem wunderschönen „Seeblick“ mitten im „Grünen“. Trotz alledem, pleite, Leerstand und Verfall. Anscheinend war die Silvesterveranstaltung 2005/06 die letzte große Feier in diesem Hotel. Die Kassenbücher zeigen fast komplette Wochen ohne einen Übernachtungsgast. 

…achja … manchmal soll man sogar Füchse dort finden 😉 … (viele Grüße!)

Kloster Allerheiligen

Die Klosterruine Allerheiligen ist kein schwer zu findender Ort. Nein ganz im Gegenteil! Zwar befindet sich die Ruine etwas abseits der Zivilisation, aber an manchen Tagen werden dort sicherlich ganze Busladungen an Touristen ausgeschüttet. Wir hatten das Glück, uns stundenlang nahezu allein, zwischen den alten Mauern bewegen zu können. Sie ist frei zugänglich und nicht nur für „Ruinenfreunde“ einen Besuch wert!

Das Kloster wurde zwischen 1191 und 1196 gegründet. Ab 1804 wurde die Kirche durch mehrere Brände weitgehend zerstört. „Wiederentdeckt“ wurde die Klosterruine 1840 als man die nahen Wasserfälle für Wanderer begehbar machte.

VEB Kulturpark Plänterwald

Wie wurde hier gelacht, geweint, gefeiert, gearbeitet, gelebt? Das sind die Dinge die mir sonst auf meinen Urbex-Touren durch den Kopf gehen. Diesmal bin ich zum ersten mal auch ein kleiner Zeitzeuge. Der kleine Mann im Foto bin ich – 1980 im „Plänterwald“.1980 Was soll über den ehemaligen Kulturpark Plänterwald noch gesagt werden? Fast jeder, in der DDR aufgewachsen ist, wird mindestens einmal den einzigstenFreizeitpark in Ostdeutschland besucht haben.

1969 eröffnete der damals über 29 Hektar große VEB Kulturpark Plänterwald. Ein großer Teil des Parks war ein Asphaltierter Platz auf dem die Fahrgeschäfte aufgebaut waren. Die Hauptattraktion war das alles überragende Riesenrad. Zu DDR-Zeiten hatte der Park jährlich bis zu 1,7 Milionen Besucher.

Nach der Wende wurde der nun privatisierte Freizeitpark,  „Spreepark-Berlin“, nach westlichen Vorbild umgebaut. Beispielsweise ließ man die riesige Asphaltfläche rund um das Riesenrad aufbrechen, um eine attraktive Wasserlandschaft mit einem Wikingerschiff zu errichten.  Auf den 21 Hektar, die der Park nutzte, wurden außerdem weitere Attraktionen, wie zum Beispiel Achterbahnen und zwei Wildwasserbahnen aufgebaut. Der neue Freizeitpark wurde anfänglich sehr gut angenommen. Seit 1999 hatte der Park mit großen Schulden zu kämpfen. Der gestiegene Eintrittspreis von knapp 30 DM pro Person und aberkannte Flächen für Parkplätze waren unter anderem Ursachen für einen Besuchereinbruch. In der Saison 2001 kamen nur noch 400.000 Besucher. Im selben Jahr meldete der Spreepark Insolvenz an.

Der Spreepark ist heute wieder ein wunderbarer Spielplatz für mich! Allerdings als Nostalgiker und Urbex-Fotograf 😉