Maison Kirsch

Maison Kirsch zum zweiten. Es ist 6.30 Uhr und die Sonne ist eben aufgegangen. Ein kühler Sonntag Morgen. Das kleine Dorf schläft noch tief und fest. Im vergleich zu unserem ersten Besuch (ohne einlass) nicht mehr wieder zu erkennen. Unser Auto hält. Wir sind mittlerweihle so geübt, dass wir innerhalb von wenigen Sekunden unsere Ausrüstung packen und in Gänsereihe loslaufen. …ähhm, oder kennt ihr die Olsenbande? Egal. – Die Maison Kirsch ist einst eine Brennerei gewesen. Unzählige Flaschen und eingekochtes Obst in großen Kellern bestätigen dies auch. Das Haupthaus wurde schon 1791 erbaut. Ein angrenzender Stall und eine Scheune kamen erst später dazu. Die Möbel im Haus erinnern sehr an ein Museum oder einen Antikhändler. Jede Ecke im Maison Kirsch birgt für sich eine neue Überraschung mit reichlich Fotomotiven. Bei jedem Schritt durch`s Haus knarren die Dielen. Wir bewegen uns trotzdem extremst leise. Wir wollen vermeiden Herrn Kirsch zu begegnen!! Es gibt Berichte von anderen Urban-Explorern, dass ihnen Herr Kirsch recht gewaltbereit erschienen ist.

Keine Angst, das wird hier nicht zu einer Geistergeschichte! Aber im Ernst. Herr Kirsch ist not amused wenn „Gestalten“ durchs Haus laufen. 😀 … WTF? Der Nachbar der Maison Kirsch heißt … Herr Kirsch. Verrückt was?! OK, es Handelt sich um einen Sohn der ehemaligen Besitzer der auf dem Nachbargrundstück neu gebaut hat. Die logische Frage, warum räumt er nicht die Wertvollen Möbel und die persönlichen Dinge aus seinem Elternhaus?

Folgendes hat natürlich niemand von ihm persönlich erfahren. Herr Kirsch, (der Sohn) ich nenne ihn jetzt mal Frank, hat keinen Kontakt mehr zu seiner Schwester. Der Moment, in dem der Kontakt zu seiner Schwester abbrach, war als Frank ihr sagte, dass es wohl nichts zu erben geben werde. Mitte der 60er Jahre war Vater Kirsch verstorben und hinterließ seiner Wittwe ein kleines Vermögen. Kirsch Junior, also Frank, stieg allerdings nicht in den väterlichen Betrieb ein und die Brennerei des Vaters beendete die Produktion. Seine Mutter wohnte bis zuletzt allein im Haus. Die letzten Jahre ihres Lebens war Mutter Kirsch ein Pflegefall. Frank übernahm die Pflege, da seine Schwester schon in den 80ern nach Belgien zog. Durch den Tot der Mutter, nach dem er sie fünf Jahre lang gepflegt hatte, kam wohl die gesamte Familie wieder zusammen. Vom Kirsch-Vermögen war zu diesem Zeitpunkt noch genug übrig, um ein schönes Begräbnis zu bezahlen. Viel mehr allerdings auch nicht, denn der Rest war für ihre Pflege draufgegangen. Die Familie der Schwester konnte das nicht glauben. Sie unterstellten dem Bruder, er habe sich an der Mutter bereichert. Den Rest regelten die Anwälte. …oder tun dies immer noch.

Maison Greiveldinger

Am Ende eines langen Urbex-Tages stand eine Location auf unserem Plan, welche unser Highlight werden sollte. Ein Parkplatz war nach kurzem hin & her schnell gefunden. Die Location sah von außen schon vielversprechend aus. Auf unserem Location-Notitz-Zettel stand als Info. „Früh einsteigen, da direkt gegenüber der Kirche.“ Hm .. ob 15 Uhr noch früh war?? Direkt vor dem Haus schraubte ein Anwohner an seinem Auto. Im Nachbargrundstück läuft ein Hund frei und vor der Kirche eine Gruppe Touristen die endlos Fotos vom besagten Gotteshaus machten. Pfhh Kirchenfotografen 😛 SHIT! NO WAY! Das war uns ein klein wenig zu aufregend. Dann also doch morgen früh vor dem Gottesdienst rein und heute brechen wir hier ab. (*Fotos und Bericht zur Maison Kirsch)
Die letzte Location an diesem Tag ein Reinfall? Ne! Zum Glück gab es noch unsere Notlösungsliste. Eine Location in der Nähe war schnell gefunden, auch wenn aufgrund der Planänderung keiner mehr super gelaunt war.

Die Koordinaten endeten in einer Sackgasse. Marode Häuser waren durch dichtes Gestrüpp erkennbar. Viel hab ich mir nicht versprochen an dieser Stelle. Diese Maison war sehr unscheinbar von außen. Zugang war kein Problem, da alle Türen offen standen. Mit dem ersten Schritt durch die Tür das erste OHHH und die Zeitreise begann. Die schweren Betten und Schränke im Haus zeigten, dass die einstigen Bewohner in beruhigendem Wohlstand lebten. Die größte Überraschung waren die Fahrzeuge in der Garage. Drei Baugleiche Vauxhall Cresta PC bzw. Viscount und ein Zweitürer … vermutlich ein amerikanisches Fabrikat. In einer zweiten Garage fanden wir ein weiteres Fahrzeug was wir bis jetzt nicht identifizieren konnten. Über die letzten Bewohner haben wir auch nicht viel gefunden. Nachdem der letzte Besitzer verstorben war, stand das Grundstück zum Verkauf. Es wurde allerdings bis heute niemand gefunden, der hier wohnen wollte. Maison Greiveldinger verfällt seit dem und wurde über die vielen Jahre vergessen.