Etappe 2: Kemptner Hütte – Memminger Hütte

Die zweite Etappe geht von der Kemptner Hütte (1844 m ü.NN) erst noch einmal paar Höhenmeter nach oben bis aufs Mädlejoch (1973m). Dort überqueren wir schon die Grenze nach Österreich. Danach unser erster Abstieg der Tour hinunter bis auf 1114 m nach Holzgau, weiter über Bach 1070 m hinauf zur Memminger Hütte (2242 m ü.NN).

Daten 2. Etappe

Die Nacht war gut. Ich habe geschlafen wie ein Stein. Frühstück auf der Kemptner Hütte gibt es ab um 6.00 Uhr. Auf 5.30 Uhr steht der Wecker. Ich bin etwa eine viertel Stunde vorher wach. Mehr oder weniger mit den Ersten die sich aus ihren Hüttenschlafsäcken pellen. Die Kleidung für den neuen Tag liegt bereit um nicht im Rucksack wühlen zu müssen. Ich bin sofort topmotiviert und will nix verpassen. Ja nicht zu spät zum Frühstück kommen und anstehen müssen. Wenn die Bergschulen zum Futterfassen einrücken, werden die Plätze knapp. Nur keine Verzögerung riskieren! 😀 Von der Schulklasse haben wir übrigens nix mehr gehört und gesehen an diesem frühen Morgen. Der Besuch im Waschraum ging wieder sehr schnell 😀 und wir saßen 10 Minuten bevor es Frühstück gab am Tisch. Das Essen auf den Hütten war durchweg sehr gut! Reichlich, lecker und selbst für Vegetarier immer eine gute Auswahl. Top!! Als Alpenvereinsmitglieder haben wir sogar noch einmal vergünstigte „Bergsteigeressen“ und „Bergsteigergetränke“ bekommen. So kommt man auf den Hütten ansich sehr günstig weg. Wenn, ja wenn man abends nicht immer ein Bier und einen Hüttenschnaps trinken will. 😀 Man lernt auf dem Weg nach Italien so einige Schmankerl kennen. Mit Zirbenschnaps oder Haselnussbrand kann man aber auch jede Tagestour ein wenig feiern. Gehört ja dazu.

Auf das Frühstück warten außer uns noch ein älterer Herr und das Sport-Wander-Paar von der Oberstdorf Etappe. Wir sind dann tatsächlich die ersten und wir beäugen die immer länger werdende Warteschlange an der Frühstücksausgabe. Alles richtig gemacht. Wir brechen noch vor 6.30 Uhr auf in Richtung Mädlejoch. Das Wetter verspricht schönes Wetter. Ein paar Wolken aber der Tag soll sonnig und trocken werden. Das Brangelina-Sport-Wander-Paar startet nur ein paar Minuten hinter uns. Eine Bergschule mit einer Gruppe haben wir keine vor uns und auch keine im Nacken. Alles richtig gemacht.

Grenzschild Deutschland/Österreich (mit ENTE) 😀

Die ersten 30 Gehminuten steigen erst nochmal an. Noch ist es keiner der schwierigen Anstiege die Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erfordern. Das Sport-Wander-Paar überholt uns hier. Der Blick ins nächste Tal, wenn man eine Bergkette überwunden hat, ist immer etwas ganz besonderes. Oft auch mit einem WOW von mir kommentiert. Am Mädlejoch machen wir eine kurze Pause für ein Foto. Wir verkleben schnell noch unsere erste Ente am Grenzschild und starten den Abstieg.

Der Abstieg nach Holzgau ist streckenweise sehr steil. Wir merken schon hier, dass uns bergauf mehr Spaß macht. Unterwegs stellt sich die Frage an einem Wasserfall vorbeizulaufen (so verläuft die Originalroute) oder einen kleinen Schwenk über Österreichs höchste Hängebrücke zu machen. Wir entscheiden uns für die kürzere, also die Originalroute, vorbei am Simmswasserfall. Auf dem letzten Stück vor Holzgau werden wir noch von Blondie (von der Spielmannsau) überholt. In Holzgau kommen wir direkt an der Kirche an. Strahlend blauer Himmel läd zu einem zweiten Frühstück ein. Ich nutze die Pause und suche im Rucksack nach dem Stirnband und der Sonnenbrille. Der Aufstieg zur Memminger Hütte scheint schweißtreibend zu werden. Bevor es steil bergauf geht, müssen wir den Parseierbach überqueren. Die Brücke dort wird gerade erneuert und ist zudem mit Kühen verstellt. Wir müssen kurz auf der Karte schauen ob wir noch richtig sind. Auf dem Fernwanderweg E5 ist es nicht unbedingt notwendig mit einer Karte zu laufen. Selbst in den Geröllfeldern ist der Weg sehr gut markiert. Der Aufstieg zur Memminger Hütte ist zwar wesentlich steiler als der gestrige, dafür aber auch nochmal kurzweiliger! Wunderbares Alpenpanorama ab den ersten Metern. Abwechslungsreich über Felsen, Wiesen, Schnee und Bäche. Kühe, Pferde und zahlreiche Murmeltiere lassen sich von uns kaum beeindrucken. Mit gerademal 5 Stunden Gehzeit sind wir eine ganze Stunde schneller als geplant. Auf dem Memminger Hütte sind wir mit die ersten die eintreffen. Alles richtig gemacht! Mit einer Duschmarke haben wir sogar 3 Minuten warmes Wasser! Nachdem auch die gewaschenen Klamotten auf der Leine hängen, ist sogar noch Zeit für Kaffee und Kuchen bevor die Schlafplätze vergeben werden. Das Bettenlager ist hier wesentlich angenehmer aufgeteilt! 4er Boxen zu beiden Seiten des Ganges in 2 Etagen. Etwas mehr Privatsphäre als in der ersten Nacht. Mit uns beiden in einer Box ist die Blondine J (von der Spielmannsau) und auch P liegt wieder bei uns. So langsam erkennt man sich wieder und kommt ins Gespräch. In der Box gegenüber kannte ich bis dahin nur W. Ein überaus sympathischer Schweizer(?!). Alle drei gehen den E5 allein. Mehr oder weniger. Denn je weiter man den Weg geht, umso mehr Kontakte knüpft man. Außerdem entwickelt sich ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.

Hüttenstempel

Die Bergschulen, die mit 20-25 Leuten in einer Gruppe gehen, haben sich untereinander – jedoch kaum Kontakte nach „außen“. Reservierte Tische in den Hütten, eigene Essenszeiten und teilweise sogar eigene Schlafräume, grenzen diese (von uns immer Seilschaft genannten Gruppen) auch so gut wie möglich ab. Viele Streckenabschnitte, die weniger interessant sind, fahren diese „Seilschaften“ mit einem Taxi. In Erinnerung ist mir eine Bergschule mit einer 25-Mann „Seilschaft“. Sehr groß und ebenso langsam unterwegs. Und eine Zweite – die „Jojo-Seilschaft“ – jünger und auch ein wenig schneller. Dieses Nicht-zu-einer-Gruppe-gehören verbindet die in Eigenregie gehenden miteinander. In der Box gegenüber ist mir noch H aufgefallen als sie mich verschnupft nach einem Taschentuch fragte. Noch nicht viele Worte gewechselt aber das sollte noch kommen.

Auf der Seekogel (2412 m), dem Hausberg der Memminger Hütte, sollte es ab und zu Handyempfang geben. Wir haben die rund 200 Höhenmeter noch draufgelegt und wurden mit einem traumhaften Ausblick belohnt.

Seekogel (2412m üNN) in den Lechtaler Alpen

Handyempfang war allerdings wenig bis gar nicht vorhanden. Eine SMS an meine Schwester war alles was ich mit Müh` und Not absetzen konnte. Der Abend verging ähnlich wie der erste in der Kemptner Hütte. Zielbier und Bergsteigeressen – Kleidung für den nächsten Morgen bereit legen und den Wecker stellen. Die Bergschulen haben beim Frühstück auf der Memminger Hütte Vorrang. 1. Durchgang beim Frühstück war nur für die Seilschaften, danach der Rest. Die dritte Etappe beginnt spektakulär. Es geht über eine schweren Aufstieg durch die Seescharte (2600 m) und mit einem anstrengenden Abstieg hinunter nach Zams (767 m) ins Inntal. Bei angesagten 8-9 Stunden Gehzeit wollten wir nicht hinter einer Gruppe stecken. Deswegen ist unser Plan noch VOR dem Frühstück zu starten. (auch hier haben wir wieder alles richtig gemacht!) Dieses wollen wir an der ersten Jausestation Richtung Inntal nachholen. 😉 Etappe 3 – Fortsetzung folgt!