Etappe 8: Pfandler Alm – Meraner Hütte

Der Wecker klingelt kurz vor 5 Uhr. Es ist noch fast dunkel. Der letzte komplette Tag in den Alpen. Heute gehen wir über die Obere Hirzer Scharte zur Meraner Hütte. Noch einmal auf einer „schwarzen Route“, einmal „über den Wolken“ und ein letztes mal über den Berg. Ab der Meraner Hütte geht dann nur noch eine Etappe hinab nach Meran. 5.30 Uhr stehen H, P und wir vor der Pfandler Alm und marschieren los.

Daten Etappe 8

Langsam! Denn es geht sofort so steil weiter wie es gestern hier endete. Unser Plan, vor der Hitze der Sonne zu fliehen, war sicher richtig. Zwar ist noch alles im Nebel, aber davon war im Wetterbericht ja keine Rede. Wird schon gleich weg sein. Dachte ich, denn auch an der Hirzer Hütte zum Frühstück wird der Nebel noch nicht ganz weg sein. Trotzdem war es gut so früh zu starten. Denn mit 8 Stunden Gehzeit ist es noch einmal ein längerer Tag.
Bis zur Hirzer Hütte (1983 m ü.NN) müssen wir wieder reichlich 600 Höhenmeter aufsteigen. Der Weg dahin ist durch die eingeschränkte Sicht relativ langweilig. Ein reines Kilometer abspulen. Kurz vor der Gompm Alm beginnt sich der Nebel ganz langsam zu lichten. Es ist nun nicht mehr weit und wir warten hier bis wir wieder zu viert sind. An der Hirzer Hütte sind wir willkommene Frühstücksgäste. Schließlich sind die eigenen Übernachtungsgäste gerade fertig.

Weiter geht es mit dem Aufstieg über den „Gebirgsjägersteig“. Die ersten Meter sind noch locker, dann wir es steil. Es geht von Beginn an über Geröllfelder. Die Besteigung ist ab hier wieder eine alpine Unternehmung. 😀 Trittsicherheit, Orientierungsvermögen und Absturzgefahr finde ich bei der Nachlese im Internet. Die letzten 200 Meter haben es auch noch einmal in sich. Der Pfad an den Felskanten ist teilweise nur noch einen Fuß breit. Ohne Einsatz der Hände nicht machbar. Belohnt werden wir aber mit einem der besten Ausblicke unserer Alpenüberquerung. Wir haben endlich Sonne und blauen Himmel. Der Nebel wird ins Tal gedrückt und wir können über den Nebel hinweg die hinter uns liegenden, schneebedeckten Berggipfel sehen. Die Südseite des Hirzers ist nebelfrei. Wir genießen die Sonne hier oben während einer ausgiebigen Pause. Der Hirzer ist 2.781 Meter hoch. Die Obere Scharte liegt bei 2683 Meter Höhe. Auch hier kletter ich die paar Höhenmeter noch hoch um die 2700 noch einmal auf der Uhr zu haben. Tsja … geschafft, nun müssen wir nur noch runter. :´-( Die zweite Hälfte der Tagesetappe geht die ersten 3 Kilometer steil bergab. Wieder so ein schmerzhafter Abstieg über grobes Geröll. Es folgt ein flaches Stück, bis es danach immer im Uhrzeigersinn am Berg entlang geht.

Abkühlung im Kratzberger See

Im Vorfeld habe ich im Internet ein Foto gesehen. Es ging um die Alpenüberquerung auf dem E5. Ein Bericht wie dieser hier. Darin fand ich ein Foto von einem Wanderer der in einem kleinen Bergsee lag in dessen Umfeld Schnee lag. Am Rechner damals hab ich mir gesagt „so ein Foto will ich auch“. Gletscher- und Bergseen hatten wir unterwegs reichlich. Beim ersten war noch meine Ausrede „Ich hab doch gar kein Badetuch“. Dann war mal einer fast zugefroren. Kurz, ich hatte immer einen Grund gefunden, nicht in das kalte Wasser zu müssen. Auf der Karte zeigte sich dann mit dem Kratzberger See eine letzte Chance. „I think we should do this“ … unser Running Gag der Tour (einer davon 😀 ). Nun ist es im Vorfeld immer ein fester Wille gewesen, der dann beim Anblick der Seen verschwunden war. Also war ich wieder bei meiner „nicht nachdenken – nicht nachdenken – nicht nachdenken“ Mantratechnik die schon einmal funktioniert hat. Rucksack runter – Klamotten runter – Kamera bereit? – PLATSCH! REIN! – Foto! – raus! Am anderen Ufer lag noch Schnee, darum hatte ich es kälter erwartet. Nicht angenehm aber eine willkommene Erfrischung. Die letzten Riegel und Nüsse aus dem Notproviant werden noch verputzt und wir gehen weiter. In diesem Moment kommen auch P und H. Wir berichten davon und P ist von der Idee begeistert. Wir sind gerade am See vorbei … PLATSCH! P ist im See und H macht ein Foto. 😀 Die Berge um Meran sind ein begehrtes Skigebiet.

Abkühlung im Kratzberger See

Dementsprechend ist auch auf dem letzten Stück vor der Meraner Hütte alles mit Schlepp- und Sesselliften verbaut. Jetzt weiden hier Kühe und Pferde.
Dann ist es soweit. Unser letzter Check-In in einer Alpenvereinshütte. Der Weg zum Bett ist auf den Hütten etwas anders als in einem Hotel.
Man kommt durch den Schuhraum in die Hütte. Dort werden die Wanderstiefel ausgezogen und die Hüttenschuhe angezogen. Die Wanderschuhe werden zum trocknen in ein Regal gestellt. Meist grenzt an den Schuhraum gleich der Trockenraum. Regennasse oder gewaschene Kleidung wird ausschließlich hier (oder im Freien)getrocknet. Ein Raum, eine Box oder einfach nur Haken sind für die Stöcke vorgesehen. Dann geht es zur Anmeldung und man bekommt einen Schlafplatz zugewiesen. Die Schlafplätze sind alle nummeriert, also gab es nie Schwierigkeiten diese zu finden. Meist wird auf diese Schlafplatznummer am Abend dann abgerechnet. Alles was gegessen und getrunken wird, geht auf eine Karte. Nur Bargeld wird auf den Hütten zur Zahlung angenommen. Wie soll es auch sonst gehen ohne Telefon oder Internetverbindung. Wenn man ankommt, schreibt mann sich in das Hüttenbuch ein. Name, Tag der Ankunft, Tag der „Abreise“ und das Ziel der nächsten Etappe. Falls man auf der kommenden Etappe abstürtzt oder verloren geht, kann das Hüttenbuch eine Hilfe für die Bergretter sein.
Auf der Meraner Hütte ist es alles ebenfalls so. Geduscht und die nassen, gewaschenen Sachen beim Trocknen, setzen wir uns auf die Terasse und warten auf H & P die nur kurz nach uns fertig sind. Das ist unser letzter E5 Abend zusammen und wir wollen ein wenig feiern. Während wir beim Zielbier uns durch alle angebotenen Hüttenschnäpse probieren, beginnt es zu gewittern. Nun haben wir auch das noch miterlebt. Plötzlich Gewitter und Regen – eine halbe Stunde später alles vorbei als wäre nix gewesen. Wir vermissen C und vermuten, dass er an der Hirzer Hütte die Etappe geteilt hat und dort die Weizenbiere abbeißt. Wir genießen diese kleine Abschiedsfeier und verabreden uns zum Frühstück. H & P laufen morgen hinab nach Bozen und wir nach Meran. Fortsetzung folgt

Gesammelte Hüttenfotos:

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