Zusammen bis ans Ende der Welt – Teil 29

Montag – 13. Mai 2019 / Dienstag – 14. Mai 2019

 

Die Bar füllt sich innerhalb von ein paar Minuten. Unser letztes spanisches Frühstück. Frisch gepresster Orangensaft, Cafe con Leche, zwei Tostadas und 4 Churros (frittiertes Teig-Gebäck) – alles zusammen für unter 4 Euro! Kurz nach 6.30 Uhr stehen wir schon wieder an der Straße. Geduld haben können wir gut. Nicht! Eine Haltestelle laufen wir dem Bus sogar noch entgegen. An der Haltestelle treffen wir auch unsere zwei Lieblingskoreaner wieder. Der Bus kommt ein wenig verspätet. Wir ergattern Sitzplätze direkt hinter dem Fahrer. Wir fahren los und nach kurzer Zeit (6.55 Uhr) geht die Sonne auf. Die Fahrt verläuft diesmal problemlos. Der Bus hält wieder am Busbahnhof. Es ist noch nichtmal um 9 und wir sind wieder auf dem Weg zur Kathedrale. Hier trocknen wir erstmal unsere Schlafsäcke in der Sonne. Unser Flug geht heute 16.00 Uhr nach Frankfurt Hahn. 13 Uhr nehmen wir den Bus zum Flughafen. Die verbleibenden 4 Stunden verbringen wir in den Souvenirläden von Santiago. Ein Armband, ein Button, Tarte de Santiago und galicischen Käse als Mitbringsel. Bekannte Gesichter finden wir keine mehr. Ein Pilger fällt uns auf, der vor sich einen Bauchladen trägt, auf dem eine Katze sitzt. Diese schaut sehr interessiert in der Gegend herum. Wir bekommen erklärt, dass dies die erste Katze mit eigener Pilgerurkunde sei und gerade eben in Santiago angekommen wäre. Später zu Hause, finde ich sogar einen Zeitungsbericht über diesen Pilger mit seiner Katze.

Der Bus zum Flughafen und der Check-in verläuft ohne Probleme. Gar kein Vergleich zu dem Durcheinander in Berlin. Der Flug ist dann auch pünktlich in Frankfurt Hahn und wir schaffen es locker zum Shuttlebus. Wir kommen um 22.00 Uhr in Frankfurt Main am Hauptbahnhof an. Schön, dass bisher alles so reibungslos geklappt hat. Trotzdem wären wir beide viel lieber in Spanien geblieben. In Deutschland kostet es plötzlich wieder Geld wenn man auf eine öffentliche Toilette muss. W-Lan gibt es, wenn überhaupt, nur gegen Bezahlung. Alles solche kleinen Dinge die in Spanien einfach nebenher laufen.

Unser ICE nach Leipzig fährt erst morgen Früh 6.00 Uhr. Wir müssen also 8 Stunden irgendwie rumbringen. Erstmal eine Runde durch den Hauptbahnhof und noch was kleines zum Essen gesucht. Einen schönen Wartebereich gibt es hier nicht. Hm. Die Geschäfte und die Gastronomie schließt um 23.00 Uhr. Hm. Wir versuchen uns erst im Wartebereich niederzulassen. Aber es ist kalt in Deutschland. Bei angesagten 6 Grad in dieser Nacht wird das wohl nichts. Außerdem glaube ich fast, dass wir die einzigen Reisenden sind zwischen den schlafenden Obdachlosen. Hm. Antje will es bei der Bahnhofsmission versuchen. Ich bin sehr skeptisch. Trotzdem werden wir eingelassen ohne unsere Begründung vorzutragen. Wenigstens sitzen wir hier im Warmen. Eine andere Frau, deren Zug ebenfalls erst am nächsten Morgen fährt, sitzt auch schon hier. Auch nach uns kommt noch eine gestrandete Reisende. Zwischendurch kommen ab und zu andere Personen die einen Tee trinken und wieder gehen. Deren Geschichten erschließen sich mir nicht. Sie kennen sich sehr gut aus hier. Wer weiß. Die 6 Stunden in der Bahnhofsmission ziehen sich endlos. Wir versuchen im Sitzen zu schlafen, mit dem Kopf auf der Tischplatte. Das geht ungefähr 15 bis 20 Minuten und man ist wach weil einem alles weh tut. Zwischendurch habe ich versucht, auf dem Steinboden liegend zu schlafen. Was auch wesentlich besser gegangen wäre wenn nicht nach 10 Minuten die Kälte durch die Klamotten kommt. Kurz vor 5.00 Uhr müssen wir raus weil die Bahnhofsmission auch schließt. Die eine Stunde schaffen wir nun auch noch. Bei McDonald`s gibt es einen großen Kaffee. EKELHAFT! Verglichen mit dem Kaffee in Spanien hat das hier den Namen Kaffee nicht verdient. Vor 24 Stunden hatten wir für unter 4 Euro ein leckeres Frühstück mit köstlichem Cafe con Leche. Jetzt habe ich für das gleiche Geld schwarzes, bitteres Wasser. Der ICE war noch angenehm leer. Uns gegenüber setzte sich ein Paar aus Spanien. Na was für ein Zufall! Einmal auf der Hinfahrt nach Berlin (mucho complicado) und jetzt auch auf der Heimfahrt. Im Zug habe ich es sogar geschafft, eine Stunde am Stück zu schlafen. In Eisenach kommt eine 5-köpfige Damengruppe und „vertreibt“ uns von unseren Plätzen: „Na da werden jetzt einige Gäste aufstehen müssen denn wir haben Platzkarten.“ Selbstverständlich ziehen wir ohne Kommentar um. Nachdem sie sich noch eine Viertelstunde weiter erbost haben, wie wir so dreist sein konnten, ist schlagartig Ruhe als die Schaffnerin kommt. Die Oberdame hatte ihre Fahrkarte vergessen. Antje und ich sind in Santiago quasi von unseren Sünden freigesprochen worden. Die Schadenfreude hier haben wir uns gegönnt! Nach einer langen Diskussion ruft die Schaffnerin den Zugchef. Die „Story“ der Oberdame wird noch einmal zu Besten gegeben mit dem gleichen Ergebnis. Die Oberdame muss ein Ticken nachkaufen (ohne Rabatte die sie vorher hatte), zuzüglich einer Strafgebühr. Diese wird sie nach ihrer Reise von der Bahn erstattet bekommen wenn sie ihr Ticket vorzeigen kann. Bei dieser „Klärung“ sagt der Zugchef beiläufig, dass die Schaffnerin noch in der Ausbildung ist. Die Oberdame giftet sofort weiter in ihrer überheblichen Art. „Na da haben sie heute ordentlich was gelernt.“ Uns kommt das Kotzen. Solche Menschen haben wir in einem ganzen Monat Spanien nicht gesehen. Leute, die sich allen anderen überlegen fühlen und bei jeder Gelegenheit nach unten treten. Wir sind eben zurück in Deutschland. In Deutschland ist alles schön und glitzert. Macht man den Glitzer aber weg, kommt ein Haufen Scheiße zum Vorschein.

Wir steigen in Leipzig um und fahren mit der S-Bahn bis Gößnitz. Die 13 Kilometer von Gößnitz nach Röhrsdorf wollen wir laufen. Überrascht waren wir, als wir plötzlich einen Jakobsweg Wegweiser auf dem Weg finden. „Via Imperii“. Ein Jakobsweg der von Stettin kommt und in Hof auf den Oberfränkischen Jakobsweg führt. Auch dieser Weg war schon im Mittelalter begangen. Ein Weg nach Santiago de Compostela! Adios Camino! Wir kommen wieder!

Schlafen in der Bahnhofsmission

Pilger mit Katze

 

2 Kommentare zu “Zusammen bis ans Ende der Welt – Teil 29

  1. Hallo Ihr beiden!
    Ich habe Euren ganzen Weg still und heimlich im Hintergrund mitverfolgt – aber zum Abschluss muss ich doch ein großes Herzlichen Glückwunsch loswerden!
    Ja, die Rückkehr nach D ist in der Tat ernüchternd. Aber ich glaube, woanders ist es auch nicht besser, wenn man mal hinter die Fassade schaut. Zu Hause fällt es nur eher auf…
    Wenn ich gewusst hätte, dass Ihr die Nacht am Bahnhof verbringen müsst, hättet Ihr auch bei mir übernachten können – ich habe im Mai noch bei Frankfurt gewohnt, das wären 4 Stationen mit der S-Bahn gewesen. 🙂
    Bewahrt Euch etwas von der Camino-Stimmung für den Alltag!
    Liebe Grüße
    Stefan

    • Vielen Dank für deinen Kommentar! Klar, wenn man vom pilgern zurück kommt dann ist sicher jeder Alltag, egal wie & wo, ernüchternd. Genau dieser Gegensatz macht uns zu Wiederholungstätern. 😀

      Beste Grüße
      Ronny

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