Zusammen bis ans Ende der Welt – Teil 27

Samstag – 11. Mai 2019

Wir starten heute später als üblich. Der Wecker steht auf 7.00 Uhr. Unsere erste Etappe Richtung Muxia führt heute nur 16 – 17 Kilometer am Atlantik entlang bis nach Lires. Strahlend blauer Himmel von früh an. Der Weg von Finisterre nach Muxia wird nochmal mit einer zusätzlichen Pilgerurkunde belohnt. Es geht zwar immer an der Küstenlinie entlang, trotzdem ist die Strecke aber keineswegs flach. Ein ständiges Auf und Ab. Durch Dörfer und Wälder aber der Atlantik immer in Hörweite. Die einzige Bar am heutigen Tag kommt am Ziel. Wir laufen die 16 Kilometer durch und ich habe schon vor dem Mittag runde Füße. Mein Rucksack ist heute aber auch besonders schwer, da wir für 2 Mahlzeiten Proviant dabei haben. Wir machen am Strand von Lires endlich Pause. Auch wenn wir gleich am Ziel sind. In eine Herberge kommen wir um diese Zeit eh noch nicht. Der Strand ist durch kleine, vorgelagerte Felsen vor der Brandung geschützt. Wie wir es von hier aus sehen, scheint ein breiterer Bach den Strand zu Teilen. Auf der anderen Seite ist ein kilometerlanger Sandstrand mit mächtigen Wellen. „Wenn wir die Sachen in unserer Albergue haben, gehen wir dort rüber und suchen Muscheln.“ Wie man sich täuscht. Der „Bach“ ist dann schon eher 1,5 Meter tief und hat gut Strömung. Um die Kurve herum liegt der Ort Lires. Dort haben ich gehofft eine Brücke zu finden. Die Kurve zieht sich aber einen reichlichen Kilometer, so dass wir den „Bach“ schon gar nicht mehr sehen. Googel bestätigt uns dann, dass es keine Brücke gibt. Egal, gehen wir eben an den kleineren Strand. Der hat sogar ne Strandbar. 😉 Die Kurve endet tatsächlich irgendwann und wir kommen in den Ort. An einem steilen Berg gelegen, schnaufen wir nach oben und trinken einen Kaffee in einer Bar. Dort suchen wir uns eine Herberge aus Antjes selbstausgedruckten Reiseführer aus. Zur perfekten Verwirrung waren heute die Seiten in falscher Reihenfolge zusammengeklammert. Aber wir sind nach Gefühl gelaufen und trotzdem angekommen. Nach dem Kaffee gehen wir zur Herberge. Dort, in der Bar, sitzen plötzlich die beiden Koreanerinnen, die wir in Santiago empfangen hatten. Sie sind ansich auch gar nicht hier. Sie sind für drei Tage in Muxia und machen heute einen Ausflug mit dem Taxi nach Finisterre. Hier in Lires machen sie nur kurz Mittagspause. Das ist wieder typisch Camino. Zufälle, die so gut wie nicht eintreten, passieren hier fast jeden Tag. Leider habe ich wieder versäumt, sie endlich mal nach ihren Namen zu fragen. Vielleicht ja morgen in Muxia. Nach der täglichen Wäsche, die bei 30 Grad und Sonne wohl auch trocken wird, gehen wir zum Strand. Der Playa de Lires ist inzwischen etwas größer. Die Ebbe hat ein paar Meter mehr vom Sandstrand freigegeben. Nach 200 Metern ist aber immernoch der Fluss mit immmernoch starker Strömung. „Unsere Seite“ gibt aber genug Platz zum Entdecken. Die gewaltigen Wellen des Atlantiks können mich „Ostseekind“ ganz schön ehrfürchtig stehen lassen. Die Wucht, mit der die Wellen auf die Felsen schlagen, ist beängstigend. Auf dem Sandstrand aber genial. Wir sitzen lange in der Strandbar und schreiben Tagebuch. 18.30 Uhr gehen wir (wiedermal leicht sonnenverbrannt) zurück in den Ort. Schon von weitem hören wir Musik. Direkt neben dem geschäftigen Hotelrestaurant, neben dem auch unsere Herberge ist, finden Aufführungen verschiedener Folkloregruppen statt. Gar nicht unbedingt für die wenigen Touristen, sondern eher für die Angehörigen der Tänzer und die Einheimischen. „Das Fest“ geht bis kurz nach 8 Uhr. Um was es sich genau gehandelt hat, haben wir nicht herausgefunden. Antje hat auf dem Balkon noch den Sonnenuntergang abgewartet. Ich war zu müde und noch mehr Sonne auf der Haut wollte ich auch nicht mehr. Die Nacht war eine der Besten auf dem ganzen Camino. Große, weiche Matratze, großes Kopfkissen und viel Platz nach oben.

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