Zusammen bis ans Ende der Welt – Teil 26

Freitag – 10. Mai 2019

Wir sind zeitig beim Frühstück und starten sehr früh. Wir suchen den Busbahnhof (Estacion de Autobus) Naja zeitig …?! Um 9.00 Uhr fährt der Bus nach Finisterre. Um ein Ticket zu bekommen soll man besser 45 Minuten vorher da sein. Es nieselt noch immer ein klein wenig. Heute soll es aber dann besser werden und um die 30 Grad warm bleiben. Der Bus fährt etwas „schwungvoll“. Schnelles Anfahren, starkes Abbremsen. Antje verträgt es nicht so gut. Bei mir geht es noch. Obwohl mir bei Reisen nicht übel wird, hätte ich mit diesem Fahrer nicht viel weiter fahren wollen. In Finisterre angekommen, bekommt man von allen Seiten Flyer von Herbergen gereicht. Jedesmal mit den Worten dass DAS die Beste ist. Naja. Wir suchen uns eine Albergue die zentrumsnah ist und unseren Preisen entspricht. Die Öffentliche hat um 11.30 Uhr noch zu, so wird es die nächste in unserem Ranking. Auch wenn es heute kein wirklicher Lauftag war, müssen wir trotzdem waschen. Die Luft ist auch immernoch sehr feucht und so wird auch morgen nicht alles trocken sein. Sowas versaut mir immer die Planung. Wenn ich morgens erst noch die Wäsche vom trocknen zusammensammeln muss. Bei unserem Ortsrundgang sitzen wir nach 100 Metern schon wieder in einer Bar und trinken ein Bier. An einer so geil dekorierten Bar können wir einfach nicht vorbei gehen. Alte Platten, Musikinstrumente, Schreibmaschinen, Fotos, Briefe und Fundsachen aus dem Meer hängen an den Wänden. Wie ein Museum. 16.45 Uhr ist in der Markthalle am Hafen eine Fischauktion für Händler, die man unbedingt gesehen haben müsse. Naja … es hat nix gekostet und dafür war es schon sehenswert. Gegen die Fischauktion in Hamburg aber chancenlos. Es nieselt auch jetzt nochmal kurz. Wir brechen trotzdem auf zum Leuchtturm und zum Kilometer Null. Finisterre war für die Pilger des ersten Pilgerboom um 1100 das „Ende der Welt“ Das Ende der damaligen Welt. Auch wenn Portugal einen noch westlicheren Punkt hat, hier endet die Sternenstraße. Als wir ankommen und ich in 300 – 400 Metern Entfernung den Leuchtturm sehe, reißt tatsächlich zum ersten Mal seit Tagen der Himmel auf. Im Laufe der nächsten 2 bis 3 Stunden wird dann komplett blauer Himmel. Das Kap ist von Touristen gut besucht. Den Großteil machen aber die Pilger aus. Man findet immer irgendwo einen Platz um allein zu sein. Um auf den Atlantik zu blicken und zu wissen, das ist das Ende. Einen Monat sind wir unterwegs. Klar, in erster Linie auf Santiago zu. Aber die alte Straße endet hier und nicht in Santiago. Ich will hier nicht erst anfangen über die Leylinien oder Atlantis zu spekulieren. Für mich ist aber eindeutig HIER das Ende (oder der Anfang) vom Jakobsweg. Ja, der Weg endet hier. Mein Weg nach dem Camino beginnt hier. Also das Ende UND der Anfang! Ich finde diesen Ort sehr wichtig für mich als Abschluss. Die Hinterlassenschaften anderer Pilger zeigen, dass auch viele andere genauso denken. So viele Gründe es gibt, diesen Weg zu gehen, so unterschiedlich sind die „Andenken“ die zurückgelassen werden. Viele verbrennen hier ein Kleidungsstück was durch die Funktionskleidung seltsame Formen an der Steilküste hinterlässt. Fotos, Briefe, Gegenstände, sogar Geschenke – alles Geschichten die hier abgelegt sind. Wir lassen hier nochmal unsere Credential stempeln. Am Ende der Welt. Zum Glück ist unser Weg auch hier noch nicht zu Ende. Aber erstmal machen wir gefühlte 1000 Fotos. Wir sind uns sicher, dass wir hier noch einmal herkommen werden! Irgendwann! Zurück in unserer Albergue ist es mittlerweile recht spät geworden. Fast schon Nachtruhe. Ich habe fast ein wenig Stress meine Sachen für den nächsten Tag vorzubereiten. Kaum im Bett macht der Hospitalero auch schon das Licht aus. Das Kap Finisterre, das Ende der Welt, ist ein magischer Ort!

Eine witzige Geschichte gibt es noch zum Leuchtturm zu erzählen. Es geht um einen Funkspruch zwischen dem Personal im Leuchtturm und einem US-Flugzeugträger. Der Funkspruch wurde in der spanischen Presse abgedruckt und ging dann um die Welt. Wer den Schaden hat, braucht sich um den Spott nicht sorgen. 🙂

Aufgenommen von der Frequenz des spanischen maritimen Notrufs, Canal 106, an der galizischen Küste „Costa De Fisterra“ – am 16. Oktober 1997.

Spanier: Hier spricht A853 zu ihnen, bitte ändern sie ihren Kurs um 15 Grad nach Süden um eine Kollision zu vermeiden … Sie fahren direkt auf uns zu, Entfernung 25 nautische Meilen …

Amerikaner: Wir raten ihnen, ihren Kurs um 15 Grad nach Norden zu ändern um eine Kollision zu vermeiden.

Spanier: Negative Antwort. Wir wiederholen: ändern sie ihren Kurs um 15 Grad nach Süden um eine Kollision zu vermeiden.

Amerikaner: (eine andere amerikanische Stimme) Hier spricht der Kapitän eines Schiffes der Marine der Vereinigten Staaten von Amerika zu ihnen. Wir beharren darauf: ändern sie sofort ihren Kurs um 15 Grad nach Norden, um eine Kollision zu vermeiden.

Spanier: Dies sehen wir weder als machbar noch erforderlich an, wir empfehlen ihnen ihren Kurs um 15 Grad nach Süden zu ändern um eine Kollision zu vermeiden.

Amerikaner: (stark erregter, befehlerischer Ton) Hier spricht der Kapitän Richard James Howard, Kommandant des Flugzeugträgers „USS Lincoln“ von der Marine der Vereinigten Statten von Amerika, das zweitgrößte Kriegsschiff der nordamerikanischen Flotte. Uns geleiten zwei Panzerkreuzer, sechs Zerstörer, fünf Kreuzschiffe, vier U-Boote und mehrere Schiffe, die uns jederzeit unterstützen können. Wir sind in Kursrichtung persischer Golf, um dort ein Militärmanöver vorzubereiten und im Hinblick auf eine Offensive des Iraq auch durchzuführen. Ich rate Ihnen nicht … ich befehle ihnen Ihren Kurs um 15 Grad nach Norden zu ändern!!! Sollten Sie sich nicht daran halten, so sehen wir uns gezwungen die notwendigen Schritte einzuleiten, die notwendig sind um die Sicherheit dieses Flugzeugträgers und auch die dieser militärischen Streitmacht zu garantieren. Sie sind Mitglied eines allierten Staates, Mitglied der NATO und somit dieser militärischen Streitmacht … Bitte gehorchen Sie unverzüglich und gehen Sie uns aus dem Weg!

Spanier: Hier spricht Juan Manuel Salas Alcántara. Wir sind zwei Personen. Uns geleiten unser Hund, unser Essen, zwei Bier und ein Mann von den Kanaren, der gerade schläft. Wir haben die Unterstützung der Sender Cadena Dial von la Coruna und Kanal 106 als Maritimer Notruf. Wir fahren nirgendwo hin, da wir mit ihnen vom Festland aus reden. Wir befinden uns im Leuchtturm A-853 Finisterra an der Küste von Galicien. Wir haben eine Scheißahnung welche Stelle wir im Ranking der spanischen Leuchttürme einnehmen. Und sie können die Schritte einleiten, die sie für notwendig halten und auf die sie geil sind, um die Sicherheit ihres Scheiß-Flugzeugträgers zu garantieren, zumal er gleich gegen die Küstenfelsen Galiciens zerschellen wird, und aus diesem Grund müssen wir darauf beharren und möchten es ihnen nochmals ans Herz legen, dass es das Beste, das Gesündeste und das Klügste für sie und ihre Leute ist, ihren Kurs um 15 Grad nach Süden zu ändern um eine Kollision zu vermeiden.

Amerikaner: … Stille.

Angekommen am Ende der Welt – Kap Finisterre

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s