Zusammen bis ans Ende der Welt – Teil 23

Dienstag – 7. Mai 2019

Auch hier hat wieder jemand sehr früh begonnen, mit einer Stirnlampe zu packen. Die beiden etwas älteren Spanier (Paar) sowie wir beide sind danach auch mit aufgestanden. Was soll man sich wegen 30 – 40 Minuten nochmal mühen einzuschlafen. Es hat nicht mehr geregnet aber die Straße war nass. Nach 100 Metern kommt die einzige Bar des Ortes. Frühstück. Auf unserem Tagesplan stehen heute 23 Kilometer. Der KM-Stein vor unserer Albergue steht auf 28km. Wir wollen 5 km vor Santiago noch einmal übernachten. Auf dem Monte do Gozo, auf dem Berg der Freude. Die Pilger im Mittelalter vergaben den Namen, da man von hier oben zu ersten Mal die Kathedrale von Santiago sieht. Bis dahin ist es aber erstmal noch ein langer … ehm langweiliger Weg. Kurz nach unserer Frühstückspause trifft uns ein kurzer Schauer. Aus Angst um Kamera und Rucksack ziehe ich mir den Poncho über. Ansich war es schon beim Überwerfen überflüssig. Es ist kurz vor halb 8 als wir an einem alten Kornspeicher vorbeikommen, der mir ganz plötzlich sehr bekannt vorkommt. Ich trage seit einem Monat ein ausgedrucktes Bild von Hapes „Ich bin dann mal weg“ Buchcover mit mir herum. Ich hatte gehofft, genau diesen Ort zu finden, wo dieses Titelfoto entstanden ist. Dutzende Male habe ich das Bild schon herausgezogen und festgestellt dass irgendetwas nicht passt. Hier ist es auf einmal! Der Kornspeicher, das Haus dahinter, die Mauer und die Einfahrt. Hier hat er gestanden und dann sind Hunderttausende losgepilgert. Naja, ich ja auch. Obwohl ich ausdrücklich sagen will, dass ich nicht wegen Hape hier bin. Wenn ich überhaupt auf Spurensuche bin, dann nach denen von Marcus Poschlod. Viel mehr aber nach den Orten, die ich in Antjes Berichten gesehen hab. Dazu brauche ich auch kein ausgedrucktes Bild. Dafür habe ich den besten Guide direkt an meiner Seite.

Ein komisches Gefühl ist es dennoch. Genau dort zu stehen wo der Herr Kerkeling stand. Ja ich weiß, dies ist wie „jemanden kennt, der wen kennt, der wen kennt“. Ich meine vielmehr, dass dieser Ort millionenfach als Foto verkauft worden ist ohne dass er im Mittelpunkt stand. Viele haben das Buch selbst im Schrank stehen oder kennen das Cover. Dieses Bauernhaus, was lediglich als Kulisse diente, sieht man auf dem Einband und nimmt es doch nicht wahr. Da ich gezielt danach gesucht hatte, habe ich mir viele Details eingeprägt die das Erkennen leichter machen sollten. Wie als eine „Strafe“ ist die Zeit hier natürlich nicht stehengeblieben. Das bekannte Bild vom Cover und jetzt erkenne ich die großen Veränderungen der letzten 18 Jahren. Wie das wahre Leben. Wie eine zweite Wirklichkeit. Ja, dieser Vergleich ist gut! Wenn du nur das Titelfoto kennst und dieses Bild deine Wirklichkeit ist. Du dann plötzlich vor dem Original stehst, wo die Zeit selbstverständlich weitergegangen ist. Dieses Gefühl meine ich. Dieser kleine Schock. Ich bin jetzt hier und mir wird schlagartig bewusst „Nichts bleibt wie es war!“

Nach ein paar Kilometern holen wir uns an der Bar an der 18km Marke unseren ersten Stempel. Danach passieren wir den Flughafen von Santiago. Das klingt nach „gleich da“ aber der Flughafen liegt ein großes Stück vor Santiago. Danach kommt der Ortseingangsstein. Auch hier kann man nicht von „gleich da“ sprechen. Vor dem Stein haben sich auch schon Angela Merkel und der damalige spanische Ministerpräsident Rajoy fotografieren lassen. Am 24.08.2014 war sie einer Einladung Rajoys gefolgt und die beiden sind ein paar Kilometer des Jakobsweges gewandert. In Lavacolla sind wir schön platt und wir müssen uns eine Pause gönnen. Es geht nochmal ganz schön bergauf und bergab. Das habe ich so nicht erwartet. Nach Lavacolla fließen zwei Bäche zusammen. Hier haben sich die Pilger im Mittelalter noch einmal gründlich gewaschen bevor sie die Stadt erreichten. Ein paar tun dies symbolisch auch heute noch. An den Ufern sieht man Stellen um einfacher in das Wasser zu kommen. Viele nehmen diesen Ort hier gar nicht wahr. An sich ist es eine schöne Tradition die ich bei wärmerem Wetter gern mitgenommen hätte. So muss es eine kurze Katzenwäsche (Hände & Gesicht) auch tun. Die letzten Kilometer ziehen sich. Vorbei an der Fernsehstation des galicischen Fernsehens. Dann folgt der Campingplatz von Santiago der schon zum Vorort San Marcos gehört. Noch 1-2-3 90 Grad Kurven und dann sehen wir das Denkmal auf dem Monte do Gozo. Papst Johannes Paul der 2. ist den Jakobsweg 1982 gepilgert und hat für das Wiederaufleben des Pilgerns geworben. Eine riesige Herberge liegt hier am Hang. In mehreren Häusern stehen hier 3000 Betten zur Verfügung. Daneben ist ein polnisches Pilgerzentrum was nach dem Besuch des Papstes hier errichtet wurde. Hier gibt es nochmal 70 Betten in 2 Schlafsälen und dazu noch 26 Doppelzimmer. Und darauf haben wir es abgesehen! Ein polnischer Opa führt uns zum Zimmer. Er bemerkt, dass wir Deutsche sind und erklärt uns, dass sein Bruder im Ruhrgebiet gelebt hat. Auf Polnisch. Ich staune wiedermal, wie leicht es sein kann sich zu verständigen. Auch wenn man die Sprache nicht kann. Das Pilgermenü war reichlich. Auch die Nacht war gut, trotz der Aufregung vor dem kommenden Tag. Es war eine regnerische und stürmische Nacht mit Böen bis 90 km/h (laut Wetterapp). Am Morgen war der Spuk vorbei und auf dem Niederschlagsradar auch kein Regen mehr in Sicht.

Hapes Coverfoto aus dem Jahr 2001

Rajoy und Angela Merkel im Jahr 2014

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