Zusammen bis ans Ende der Welt – Teil 22

Montag – 6. Mai 2019

Am Morgen sind wir so zeitig wach wie noch nie. Um 5.00 Uhr beginnt eine Gruppe Franzosen den Schlafraum zu verlassen. Alle der ca 10 Personen (um die 60 Jahre) tun dies natürlich einzeln und begrüßen sich draußen, auf dem Gang, als hätten sie sich ein halbes Leben lang nicht gesehen. Die Tür wird auch nicht mehr geschlossen. Es kann ja gern jeder hören was sie für eine lustige, lachende Gruppe sind. So viel Unhöflichkeit und Unachtsamkeit auf einen Haufen. Da sagt man immer „die Jugend“ kann sich nicht benehmen. Ne – wenn wir die nochmal in einer Herberge treffen, gehen wir lieber weiter. Da sind mir die dauerfeiernden Spanier (die eigentlich aus Italien sind) 1000 Mal lieber als diese Franzosen from Hell. Wir stehen also 5.30 Uhr mit auf, machen uns fertig und frühstücken. Gestartet sind wir 6.30 Uhr. Nicht als die Ersten, denn der halbe – nein der ganze Schlafraum war durch die französischen Tyrannen mit wach. Diese sitzen bei unserem Start immernoch barfuß im Aufenthaltsraum und machen Lärm.

Zeitiger als sonst. Natürlich auch dunkler als sonst, haben wir erstmal Mühe die gelben Pfeile zu finden die uns den Weg weisen. Der Camino geht so weiter wie er gestern aufgehört hat. Optisch sind wir in einem deutschen Mittelgebirge. Eben die Eukalyptusbäume passen nicht ins Bild. Ab und zu sehen wir mittlerweile auch Feigenbäume. Selbst ein Kiwibaum und Zitronen haben wir schon gesehen. Große weiße Callas wachsen wie Unkraut im Straßengraben. In Arzua machen wir einen größeren Einkauf. Sowas wie gestern Abend soll uns heute nicht nochmal passieren. Der Tag heute scheint auch nicht enden zu wollen. Bars oder Rastplätze sind sehr rar in Galicien. Ich kann mir gar nicht vorstellen wie es ist hier im Hochsommer laufen zu müssen. Wir laufen und laufen und laufen und … plötzlich taucht ein Biergarten auf! Man bekommt sein Bier in einer Flasche und einen Wasserfesten Stift dazu. Wenn diese leer getrunken ist kann man diese nach Belieben verzieren. Diese Flaschen werden dann im Gelände auf Sprossen gesteckt, so dass jeder Pilger seinen persönlichen Gruß hinterlassen kann. Ich bin ein schlechter Schätzer aber 1000 Flaschen sind hier mindestens schon verteilt. Genial und außergewöhnlich! Wenn man nach den Kilometersteinen geht, sind wir heute 30 Kilometer gelaufen. Das würde auch zum nicht enden wollenden Tag passen, auch wenn der Reiseführer nur 25 km nach A Salceda angesagt hat. Poschie (Markus Poschlod) hat in seinem Hörbuch eine coole Bar in A Salceda erwähnt, wo man mit einem Stift, Grüße oder Gedanken an der Wand hinterlassen kann. Dementsprechend verrückt hätte es da drin auch ausgesehen. Über Google hatte ich die „Casa Verde“ vor unserer Reise gefunden und mir die Adresse notiert. Nun der „Schock“ – die Casa Verde hatte geschlossen und ein neuer Besitzer hat die Wände alle überstrichen. Poschies Gruß ist verschwunden. Unsere Albergue hier ist mit nur 10 Betten klein aber fein. Eine neue Gruppenbelärmung wie letzte Nacht wird es hier nicht geben. Wieder keine Deutschen. Diese Hoffnung habe ich schon länger aufgegeben. Gerhard ist dafür mit hier. Wir haben kurz unseren Tag und die nächste Etappe besprochen und ein Bier zusammen getrunken. Auf den letzten Kilometern hier her hat jemand die Müllkübel (ca alle 600 Meter) beschriftet. Auf der ersten Tonne stand: „Imagine all the people. Living life in peace.” Auf der Tonne Nummer zwei: “Yo oo oo ou, you may say I’m a dreamer.” Auf der Nächsten: “But I’m not the only one” Du ahnst es – auf nummer vier: „I hope someday you will join us” Und letztlich: “And the world will be as one!” Der Text von John Lennon, der zu jeder Zeit aktuell zu sein scheint, verteilt auf mehrere Kilometer. Man erwartet die nächste Zeile und hat die Zeit zum Nachdenken, „Living life in peace“ das ist alles! So einfach! Fast alle kennen den Text. Viele vergessen es aber tagtäglich.

Am Abend kommen wir in unser 10 Bett Zimmer und es riecht abartig! Ja, es stinkt als wäre hier drin ein Tier gestorben. …vor Wochen! Es riecht so sehr nach Fuß und Schweiß, dass wir Angst haben unsere Sachen könnten den Geruch annehmen. Beißend aggressiv wie fauliges Fleisch und Essig. In unserem Ausschlussverfahren sind wir dem Verursacher fast auf die Schliche gekommen. Spekulieren darf jeder selbst. 🙂 🙂

Bekannter (noch nie gerochen) Geduscht Wäsche gewaschen
Antje X X X
Ronny X X X
Gerhard X
Spanier Mann X X
Spanier Frau X X
Asiate X
Amerikaner X X
Junge Frau X
einzelner Spanier
unbekannte Frau Kam erst sehr spät.

Der coolste Biergarten am Camino!

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