Zusammen bis ans Ende der Welt – Teil 10

Mittwoch – 24. April 2019

Für 20 Personen gibt es nur einen Raum mit Waschbecken und Toilette. Abschließbar. Da möchte ich nicht wissen, zu welchen Staus es heute hier kommt. Wir sind als Nummer 3 und 4 noch relativ problemlos durch. Es ist heute kalt, stürmisch und es regnet. Aufhören soll es erst 15.00 Uhr. Aussitzen ist also keine Option. In voller Regenmontur geht es raus. Unterwegs wird es sogar so kalt dass aus dem Regen Schneefall wird. Wir waren für den Weg durch Spanien auf viel vorbereitet, auf Schneefall aber nicht. In Deutschland sind seit 10 Tagen Temperaturen bis 25 Grad. Wir freuen uns heute über 5 Grad. Nach 4 Kilometern trinken wir einen Kaffee in einer Bar. Noch 14 bis Leon. Um an einem Rastplatz halt zu machen ist es heute viel zu kalt. Überhaupt ist uns nicht nach Pause machen. Im Schneefall werden wir die restlichen Kilometer wohl durchziehen, denn gefühlt sind wir nass bis auf die Haut. Um 11.30 Uhr in Leon angekommen (WOW!) staune ich, dass ich doch relativ trocken bin. Selbst die Hosen unter den Regenhosen sind nicht nass. Unser Zimmer ist am Plaza de Santa Domingo und nur wenige 100 Meter von der Kathedrale entfernt. Wir haben keinen langen Weg in die Innenstadt. Die öffentliche Herberge in Leon ist wohl auch eine der schlimmsten. Das sagen unser Führer und die Berichte aus dem Internet. An sich schon wieder ein Grund es zu wagen 🙂 vielleicht auf dem nächsten Camino. Ein paar Pilger gehen mit einem Mal durch Leon durch um den vielen Menschen und dem Verkehr in der Stadt zu entgehen. Nach einer reichlichen Woche Einsamkeit in der Meseta, kann man das sogar verstehen.

Nach einem kurzen Mittagsschlaf (schließlich war fast unsere gesamte Wäsche im Trockner) haben wir die Stadt in Angriff genommen. Der Regen hatte aufgehört und das Thermometer vor der Apotheke stand schon wieder auf 15 Grad. Wir hatten ein paar Wege auf unserer To-do-Liste. Aus der Apotheke eine Zahnpasta gegen empfindliche Zähne. Aus der Drogerie Taschentücher, neue Seife und eine Nagelschere. Briefmarken für die Postkarten die wir schon eine Woche herumtragen und ein Ladekabel für Antjes Kamera. Ach und endlich eine Flasche Schnaps um unseren Flachmann zu füllen. Der sollte immer dann zum Einsatz kommen, wenn wir mal gar nicht weiter laufen wollen. Ein Notfall Stimmungsaufheller.  Gelegenheiten hätte es schon eine oder zwei gegeben. Den Flachmann tragen wir aber leer durch Spanien. Wenn es Schnaps gibt, dann nur in großen Flaschen. Zu groß für unsere kleine Flasche.

Bisher waren unsere Tagesabläufe immer ähnlich. Zeitiges Frühstück, zwischendurch mal einen Snack oder gar ein zweites Frühstück. Mal ein Cafe con Leche oder einen Orangensaft. Am späten Nachmittag dann Mittag und Abendessen in einem. In Leon haben wir eine kleine Brauerei gefunden mit einer coolen Auswahl an Speisen. Übrigens wer denkt die Spanier könnten kein Bier brauen, irrt gewaltig!

Nach unserem Mittag/Abendbrot um 16.30 Uhr sind wir zur Kathedrale. Ein imposantes Bauwerk! Die bunten Fenster und das Licht was dadurch ins Innere fällt, sind einzigartig. Ein riesiger Bau den man leider gar nicht mit einem Mal erfassen kann. Nicht von außen und erst recht nicht von innen. € 6,00 Eintritt pro Person ist viel, aber hier finde ich es gerechtfertigt. Mit dem Audioguide kann man hier Stunden zubringen! Solange bis man nicht mehr aufnahmefähig ist. Eine unfassbare Menge kleiner Verzierungen. Jedes Bild vermutlich eine Geschichte. Die 18.00 Uhr Messe in der Kathedrale stellte sich als Suchspiel heraus. Eine richtige Pilgermesse haben wir nämlich noch nicht erlebt. Hier in Leon wird das wohl mal klappen, oder?! Der Eingang zur Kapelle, wo die Messe stattfindet, ist im Klostergarten. Raus aus der Kathedrale und im Uhrzeigersinn herum. Als erstes kam das Museum. Weiter und weiter und wir standen wieder vor dem Haupteingang. Klostergarten Fehlanzeige. Antje vornweg im Laufschritt. Hat nicht lange gedauert bis ich sie verloren hatte. SMS von Antje: „Museum durch und rechts.“ Ich zur Museumskasse und zeige meine Eintrittskarte aus der Kathedrale. Neiiiin! Damit geht es hier nicht rein. Bitte nochmal 6,00 Euro. Nein, dafür nicht. „De nada“ Antje kommt nach ein paar Minuten und nimmt mich mit rein. Geht wohl auch ohne Eintritt … wenn man nicht fragt. Blöd!

Eine Pilgermesse war auch das nicht. Fast eine wörtliche Kopie der Messe von gestern Abend. Am Ende wieder ein Abendmahl – heute mit Antje. Aber ich frage mich schon, warum hier am Jakobsweg die Pilgermessen so sehr versteckt und unmöglich zufällig zu finden sind. Antje ist daraufhin zur Pilgerinformation. Von ihren Caminos kennt sie das nämlich anders. Zum einen brauchen wir noch einen Stempel in unserer Credential, zum zweiten fragen, wo denn nun mal eine Pilgermesse in der Stadt ist. „Iglesia de San Francisco de Asís“ um 19.30 Uhr. Wir machen uns auf den Weg und wer läuft uns über den Weg? Breathe und Walther. Auch die beiden hasten zu einer Kirche … dort sollen Nonnen singen. Irgendwie scheinen alle eine Messe für Pilger zu suchen. Angekommen in der Kirche des Franz von Assisi (einer der ersten Jakobspilger) sitzt ein ähnliches Publikum wie eben in der Kathedrale oder gestern in Mansilla de las Mulas. Auch diese Messe war wieder exakt wie die schon erlebten. Nach dem „normalen“ Segen war nur noch einmal eine spezielle Segnung der Pilger. Alle Jakobspilger sollten nach vorn kommen und wurden mit Weihwasser bespritzt. Ein Tropfen landete genau auf meinem rechten Fuß. Ich nehme das mal als Zeichen dass meine Ferse bis nach Muxia durchhalten soll. Wir haben nach dieser Messe beschlossen nur noch zu Messen zu gehen wenn diese speziell für Pilger sind. Das war trotzdem noch nicht das Ende unserer Suche nach göttlicher Unterstützung. Die wirklich … besonderen … „Dinger“ sollten erst noch kommen. Geschlafen haben wir perfekt! Doppelzimmer, kein Lärm und frisch gewaschene Wäsche aus der Waschmaschine. Alles was eigentlich in den Rucksack gehört, lag im Zimmer herum. Die Entscheidung für ein Hostel in Leon war richtig!

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