Zusammen bis ans Ende der Welt – Teil 7

Sonntag – 21. April 2019 – Ostersonntag

Es war warm und stickig. Geschlafen habe ich trotzdem wieder gut. Nach einer herzlichen Verabschiedung mit einer Umarmung starten wir 6.45 Uhr in Richtung Ledigos. Als erstes liegen heute die berühmten und gefürchteten 18 Kilometer ohne Wasserstelle und ohne Bar vor uns. Wir wollten in Carrion de los Condes noch in einer Bar frühstücken, doch dafür waren wir 20 Minuten zu früh dran. Zum Warten zu lang sind wir direkt gestartet. Wir haben Brot und Käse im Gepäck für ein Frühstück unterwegs. Der Weg aus der Stadt führt uns über den Rio Carrion und vorbei an einem imposanten Nonnenkloster. Das Kloster San Zoilo wäre unsere zweite Wahl für die Nacht gewesen. Egal! Wir haben alles richtig gemacht. Der Tagesabschnitt heute führt fast schnurgeradeaus. Den „gefürchteten“ Abschnitt, auf einem sehr gut befestigten Feldweg, vor uns, der sich aber sehr gut laufen lässt. Hinter uns geht die Sonne auf und es wird endlich wärmer. Dieses Stück ist im Sommer, bei über 30 Grad im Schatten, sicher brutaler. Ich fand ihn aber sehr angenehm! Nach etwa der Hälfte konnten wir langsam ein Wohnmobil in der Ferne erkennen. Als wir näher kamen, sah ich von Weiten eine Frau auf dem Weg tanzen. Als wir nah genug waren, konnte man ein niederländisches Nummernschild erkennen. Ein Hippiepärchen, knapp über 60, hatte Obst, Kaffee und Kekse auf Spendenbasis vor ihrem Wohnmobil aufgebaut. Die beiden sind über Südspanien und Portugal einmal um die Iberische Halbinsel gefahren und nun am Jakobsweg angekommen. Sie stehen da schon den vierten Tag und helfen so den Pilgern. Sie stehen genau an der Stelle, an der sie selbst, vor ein paar Jahren, die größten Probleme beim Laufen hatten. Wann und wie sie weiterziehen, wussten sie noch nicht. Ein schönes Leben! Sogar einen eigenen kleinen Stempel (Eine Tulpe!) hatten sich die beiden versorgt um den Pilgerausweis stempeln zu können. Etwa 3 Kilometer vor dem Ende der „Durststrecke“ machen wir am Wegesrand unsere Pause. Die letzten Kilometer bis Calzadilla de la Cueza liefen etwas schleppend. Das erste Haus ist auch gleich die erste Bar des Ortes. Vermutlich wird sich der Wirt hier nicht um Gäste sorgen müssen. Alle, so auch wir, setzen uns und es gibt endlich einen Milchkaffee und einen Orangensaft. Gestärkt und erholt waren die letzten 6-7 Kilometer entlang einer Straße angenehm zu gehen. Es war ein schöner Weg NEBEN der Straße. Eine Straße entlanglaufen kann echt hässlich sein. Aber das kommt später. In Ledigos haben wir in unserer ausgesuchten Albergue auch noch eins der drei Doppelzimmer bekommen. Für nur 10 Euro p.P. ja wohl ein Muss. Der Ortsrundgang war schnell erledigt. Ledigos mit nichtmal 70 Einwohnern und zum Ostersonntag … fast ausgestorben. Auch hier gibt es wieder eine Jakobskirche. Allerdings auch hier, wie auch schon gestern in Carrion de los Condes (Jakobskirche), verschlossen. Schade, denn gerade von dieser hier schwärmte unser Reiseführer besonders. Das Leitungswasser in Ledigos riecht mal wieder besonders stark nach Chlor. Da merkt man erstmal wie gut in Deutschland das Leitungswasser ist. Jedes Dorf am Camino hat für die Pilger einen Trinkwasserbrunnen. Da hat man ab und zu Glück. Aus der Leitung schmeckt alles nach Pool. Auch nach dem Duschen riecht es wie im Schwimmbad. J Bemerkenswert finde ich mittlerweile auch, dass man nicht mehr weiß was wann wo war. Ich weiß noch genau was ich hier oder dort gegessen habe. Wie die Kirche oder der Ort überhaupt aussah und wie der Weg war. Ich weiß aber nicht mehr wie der Ort der letzten Übernachtung hieß. Zum Glück geht es anderen auch genauso. Die Zeiten, die Tage, wann man wo war, spielen keine Rolle. Selbst wenn man mit anderen darüber spricht wohin sie morgen gehen, hört man oft „We will see.“ als Antwort. Wir haben einen groben Plan für die Tage – dieser ist aber kein Gesetz! Die Pizzabestellung am Abend war etwas … mucho complicado!  >>>

Im TV läuft ein spanisches Fußballspiel und der Herr, der den ganzen Tag hinter der Bar stand, steht jetzt mit davor und schaut das Spiel. „Por favor dos Cervesas y dos Pizza 4 Quesos.“ (Bitte 2 Bier und 2 Pizzen 4-Käsesorten) Er bringt uns die Biere und läuft los um kurz darauf mit einer Tiefkühlpizza zurück zu sein. Antje geht nochmal zu ihm und erklärt nochmal dass wir 2 Stück davon wollten. Er läuft wieder los und kommt nach zwei/drei Minuten mit einer zweiten Pizza aus seinem Lager. (Scheint wohl um die Ecke zu sein) Daraufhin geht er erneut ein drittes Mal lachend an uns vorbei und deutet an, er hätte die falsche Pizza erwischt. Er geht auch noch ein viertes Mal und kommt danach an unseren Tisch um uns zu erklären dass er nur noch eine 4 Queso hat. Okay – null Problemo. Er lacht – wir lachen – alles gut. Eine 4-Käse und eine „andere“. Das klappt dann letztlich perfekt. Die Übernachtung in Ledigos ist in 2 Herbergen möglich. Eine einfache und preiswerte und eine de Luxe Version. Wir haben die preiswertere gewählt und uns dort aber ein Doppelzimmer gegönnt. Ohne Ohropax und bei geöffnetem Fenster schlafen. Am Morgen das Licht einschalten können und ganz normal seinen Rucksack packen. … Und so war es dann auch. Die Nacht war kühl und die Betten hart ABER (!!!) Doppelzimmer!

 

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s