Etappe 7: Moos – Pfandler Alm

Wir kommen unserem Ziel in Meran näher. Die Passer, die auch durch Meran fließt, ist in Moos fast in Hörweite. Luftlinie sind es ca. 25 Kilometer bis Meran. Wir holen aber noch einmal aus und kommen quasi von hinten nach Meran. Zum Glück, denn eigentlich würden wir alle noch wochenlang weiterlaufen wollen.

Daten Etappe 7

Der 7. Tag ist mit knapp über 3 Stunden Gehzeit ein Tag zum Erholen. Wir starten in Moos in Passeier (1140 m ü.NN) entlang der Passerschlucht nach St. Leonhard in Passeier (689 m ü.NN). Von dort an geht es nochmal nach oben zur Pfandler Alm auf 1.350 m über dem Meeresspiegel. Also auch anhand der Zahlen ein „Ruhetag“.

… morgens um 9 in Südtirol ;-D

Wir starten zu viert, nach einem gemütlichen Frühstück, vom Café Maria aus zur Passerschlucht. Die Schlucht wurde vor nicht allzulanger Zeit begehbar gemacht. Über Treppen und Stahlstege geht es durch die Schlucht. Wenn man den ungebändigten Fluss hier sieht, versteht man die monströsen Staustufen, die wir am Vortag gesehen haben. Die Sonne gibt schon am Vormittag ihr Bestes. Auf unserem Weg entlang der Passer haben wir es noch angenehm kühl und teilweise schattig. An einem ehemaligen Kraftwerk machen wir eine Pause und trinken unser mitgenommenes italienisches Dosenbier… früh um 9 😀 .  Fast kommt sogar Partystimmung auf. Wir vier passen gut zusammen haben wir festgestellt. Wirklich schade, dass wir morgen schon zur Meraner Hütte laufen.

St. Leonhard ist schnell passiert. Ein Brunnen schenkt etwas Abkühlung und wir füllen nochmal unsere Trinkflaschen nach. Es ist warm. Vor allem unter dem Rucksack. Mit meinen 10 Kilo Gepäck bin ich etwas über dem Durchschnitt. Der Großteil hat 8 bis 10kg auf dem Rücken. Ein paar wenige sogar bis 12kg. Man sagt als grobe Formel 10% des eigenen Körpergewichts. Danach bin ich überladen. Es gibt ein paar Dinge, die ich nicht wieder einpacken würde. Thermoklamotten oder einen Regenponcho (zusätzlich zur Regenjacke) hätte ich mir sparen können. Nicht benötigt aber trotzdem nicht überflüssig sind Blasenpflaster oder die Gamaschen. Der „normale“ Schlafsack wäre nicht unbedingt nötig. Ein Hüttenschlafsack (ein „ungefütterter Schlafsack der einem einfachen Bettbezug ähnelt) hätte gereicht. Pro Person ein Kissen und 2 Decken hat man in jedem Schlaflager. Ein Hüttenschlafsack, der weniger als ein Viertel eines normalen Schlafsacks an Platz braucht, ist lediglich aus Hygienegründen Pflicht. Schwer aber sinnvoll war auch die Solarpowerbank. Uhren haben wir täglich nachgeladen und die wenigen Steckdosen auf einer Hütte sind heiß begehrt. …Musst du dein Handy laden, musst du darum kämpfen… ;-D Über Sinn oder Unsinn der Stöcke habe ich ja schon berichtet.

Etwa 4 Kilometer nach St.Leonhard kommen wir zur Hofschenke Pfeiftal. Etwas früh für die Mittagspause aber weit ist es nicht mehr. 3 Kilometer sind es noch bis zur Pfandler Alm. Allerdings auch noch reichlich 600 Höhenmeter. Es wird also noch einmal steil.
Der Weg von St.Leonhard zur Pfandler Alm ist nicht nur der E5 sondern auch Teil des Andreas Hofer Rundwegs. Auf Tafeln am Wegrand erhält man Informationen zu den wichtigsten Häusern und Orten die mit dem bekannten Freiheitskämpfer Tirols in Verbindung stehen. Die Pfandler Alm ist die letzte Zufluchtsstätte des Freiheitskämpfers Andreas Hofer. Dieser hatte sich dort versteckt um der Gefangenschaft durch Napoleon zu entgehen. Er wurde jedoch verraten und im Januar 1810 von den Franzosen gefasst und kurz danach in Mantua hingerichtet. Auch seine dramatischen letzten Wochen werden entlang des Weges beschrieben.

Das letzte Versteck Andreas Hofers

Gestärkt und mit vollen Wasserflaschen nehmen wir den Schlussanstieg in Angriff. Schon nach wenigen Metern läuft der Schweiß über die Stirn. Zwischendurch geht der Weg immer wieder über Felder. Kein Schatten, kein Lüftchen und trockene Hitze wie im Backofen. Die Steigung ist wie Treppensteigen. Anstrengend. Jeder läuft und keuchte für sich den Berg hoch. Ab und zu bleibe ich stehen um auf Antje zu warten. Sie ist im Gesicht so rot wie im Ziel vom Oberelbe Marathon. Auch ich muss mehrfach mein Stirnband auswringen. Ich musste hier an C denken, der heute nicht nur zur Pfandler Alm will, sondern sogar noch zur Hirzer Hütte. Das sind noch einmal 3 Stunden Gehzeit! Mit dem letzten Tropfen Wasser in den Trinkflaschen kommen wir kurz vor 14.00 Uhr zur Pfandler Alm. Die Sonnenterasse begrüßt uns sehr einladend. Trotzdem setzen wir uns in die kühle Gaststube und bestellen ein gut gekühltes Radler. Ein Genuss!! Gleich hinter uns kommen H & P und wir checken ein. Ein 4 Bett Zimmer. Warmes Duschwasser und Steckdosen. 😀

Frisch geduscht gibts Kaffee und Kuchen. Es gibt keinen Wäscheservice und so werden die verschwitzten Klamotten kurzerhand im Waschbecken der Gaststubentoilette gewaschen. Fragende Blicke der Gäste inklusive. 😀 Der Nachmittag wird extrem gechillt. Auch C kommt mit hochrotem Kopf und geht nicht weiter. Alles andere wäre auch unvernünftig gewesen. C setzt sich auf die Sonnenterrasse und chillt ebenfalls mit einem Weizen … zwei Weizen … drei … auch die Gespräche werden „seltsamer“.

Hüttenstempel Pfandler Alm

Als Übernachtungsgäste der Alm dürfen wir abends „à la carte“ bestellen. Außerdem gibt es auch unser Zielbier UND den Hüttenschnaps. Übrigens war der Zirbenschnaps auf der Pfandler Alm der beste unserer Tour bzw Hüttenschnäpse. C sehen wir an den nächsten 2 Tagen nicht wieder. Ich hoffe er ist gut in Verona angekommen. Als es langsam dunkel wird, planen wir den kommenden Tag. Es geht gleich erstmal weiter steil nach oben. Von 1.350 m ü.NN zur Hirzer Hütte (1983 m ü.NN) und weiter nach oben über den „Gebirgsjägersteig“ zur oberen Hirzer Scharte (2683 m ü.NN). Von dort an geht es etwas talwärts zur Meraner Hütte (1960 m ü.NN) Bei den angesagten Temperaturen streichen wir uns das Frühstück. 5.30 Uhr wollen wir ein wenig Vorsprung vor der Sonne haben und an der Hirzer Hütte frühstücken. Soweit unser Plan. Fortsetzung folgt

 

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