Etappe 6: Talhütte Zwieselstein – Moos in Passeier

Daten Etappe 6

Die Daten der 6. Etappe sagen einen langen Tag voraus. Von Zwieselstein (1.472 m ü.NN) aus geht es erstmal für knapp 10 Kilometer bergauf zum Timmelsjoch (2.474 m ü.NN). Dort überschreiten wir die Grenze nach Italien und steigen ab nach Moos im Passeiertal (1140 m ü.NN). Mit 25 Kilometern wieder ein längerer Tag.

Eine komplette Nacht bei offenem Fenster schlafen war ein Genuss. 😀 Dementsprechend gut haben wir geschlafen. Strahlend blauer Himmel macht die Laune noch besser. Für das Frühstück haben wir heute (Selbstversorgerhütte sei Dank) keinen Stress. Wir treffen uns in der Küche mit H und P. Mit jedem Kilometer Richtung Italien wurde bisher der Kaffee besser. Ein einfacher Filterkaffee zum Frühstück ist trotzdem ein Genuss! Seit gestern gehört auch die Tube Voltaren von H mit an jeden Tisch an den wir uns setzen. Fürs zweite Frühstück unterwegs sind sogar noch Brötchen übrig. H und P binden sich noch ihre Wanderschuhe zu und wir starten schonmal. Wir sind bis zur Meraner Hütte in den gleichen Unterkünften und sehen uns spätestens in Italien wieder. 1000 Höhenmeter auf einer Strecke von 10 Kilometern klingt für uns mittlerweile entspannt. Das war es auch! Bei schönstem Sonnenschein und noch angenehmer Morgenfrische geht es bergauf. Der Weg führt über felsige Wiesen. Die schneebedeckten Berge rund um uns herum bieten eine gute Ablenkung. Obwohl gloddsn (übersetzt: In die Ferne schauen) nicht geht während man weiterläuft. Um das Panorama anzusehen, bleibe ich stehen. „Lernen durch Schmerz“ denn anfangs bin ich oft genug abgerutscht oder umgeknickt beim laufen und gloddsn. 😀 Die Passstraße ist stets in Hörweite.

Schmugglerdenkmal

Wir kommen an das Schmugglerdenkmal und freuen uns, so schnell voran zu kommen. Der Pfad führt jetzt weg vom Timmelsbach und wir machen die letzten Meter zum höchsten Punkt des heutigen Tages. 9.30 Uhr verklebe ich eine Ente an der Markierung des höchsten Punktes. Ich gehe auch noch einmal runter zur Passstraße um eine Ente an das Passschild zu kleben. Wir genießen die ausgezeichnete Fernsicht an diesem Tag und machen eine etwas längere Fotopause. Wir sind in Italien! Wir haben keinen Schimmer was für ein Wochentag ist und unser Auto steht 5 Tagesmärsche weiter nördlich. FREIHEIT!

Passschild am Timmelsjoch. Na, wo ist die Ente? 😉

Die Touristen, die an der Passstraße kurz anhalten und aus den Autos steigen, wirken fast suspekt auf uns. Irgendwie sind wir „anders“. Wir haben noch nicht Halbzeit für diesen Tag und beginnen gut gelaunt den Abstieg.
(Bei „Halbzeit“ fällt mir ein: … Am ersten Abend, auf der Kemptner Hütte ist mir ein E5ler aufgefallen, der neben seinen Stöcken eine Deutschlandfahne rumgetragen hat. In der Skihütte Zams haben wir erfahren, dass Deutschland bei der Fußball WM ausgeschieden ist. Der Fahnenmann wird die Idee mittlerweile selbst bescheuert finden … oder das Stück Stoff samt „Fahnenmast“ heimlich entsorgt haben.) 😀
Nach dem ersten steilen Bergabstück kommen wir zum alten Zollhaus, was fast vom Schnee eingeschlossen ist. Die Ruine am Berg war lange mit Zöllnern besetzt die auf Schmugglerjagd waren. Heute führt der Europawanderweg E5 daran vorbei. Wie passend. Es geht etwas gemäßigter bergab durch eine Herde Ziegen und über ein weiteres großes Schneefeld. Kurzärmlig und in kurzen Hosen. Es ist sehr warm geworden mittlerweile und wir halten unsere Trinkflaschen immer schön gefüllt. Wir haben gelernt. 😉
11.30 Uhr teilen wir uns das 2. Frühstück und suchen auf der Karte nach einer Alm für die Mittagspause. Soviel Chancen kommen nicht mehr. Wir finden nur ein Gasthaus Hochfirst, wo wir gegen 13.00 Uhr am Tisch sitzen. Gerade in Italien angekommen und schon essen wir beide Pasta. 😀 Als wir weitergehen denken wir an H & P von denen wir den ganzen Tag noch nichts gesehen haben. Überhaupt haben wir den ganzen Tag noch keinen anderen Wanderer gesehen – seltsam wie ruhig der E5 plötzlich ohne Bergschulen ist.
Nach dem Gasthof führt der Weg Richtung Rabenstein durch einen Wald und wir entkommen der Sonne ein wenig. Interessant und kurzweilig machen die entlang der Route aufgestellten Tafeln. Hier erfährt man von Sagen und Geschichten aus dem Ort Rabenstein. Dort angekommen müssen wir für 3 Kilometer auf der Straße entlang. Die Hitze auf dem Asphalt ist durch die schweren Bergschuhe spürbar. Neidisch schauen wir auf die Wassersprüher rechts und links mit denen die Bauern ihre Wiesen bewässern. Wir merken auch an den Temperaturen dass wir in Südtirol angekommen sind.
Das letzte kurze Stück Strecke führt immer entlang der Passer bis nach Moos. Die imposante Kraft des Wassers kann man an den zahlreichen Staustufen sehen. Es wird hier versucht die großen Steinbrocken und Baumstämme zurückzuhalten, die sonst unkontrolliert ins Tal gerissen werden. Nach einem Steinbockgehege (vielleicht leben hier manchmal sogar welche – gesehen haben wir keinen) kommen wir 15.30 Uhr nach Moos. Ein italienisches Bergdorf wie man sich es vorstellt. Italienisches Eis, Pizza, Kirche und einer Einkaufsmöglichkeit – alles keine 100 Meter von unserer Unterkunft entfernt. In Moos haben wir keine Hütte oder Alpenvereinsunterkunft. Wir übernachten hier in einem Café mit dem Luxus eines Doppelzimmers. WC, Dusche, Wäscheservice und ein Balkon am Schlafzimmer. La dolce Vita! 😀
Wir sind etwa eine Stunde da und gerade auf dem Balkon Wäsche aufhängen als H & P ankommen. Wow! Soviel Vorsprung sollen wir uns erlaufen haben? Nicht ganz. H hat immer größere Probleme mit ihrem Knie. Zum Glück wird die nächste Etappe zur Pfandler Alm eine sehr entspannte. Auch C kommt nach kurzer Zeit an und die Runde ist komplett. Als alle geduscht haben, sitzen wir zu fünft vor dem Cafè Maria und gönnen uns das volle Programm. Kaffee, Kuchen, Eis und später Pizza mit Zielbieren und (auch hier) Hüttenschnaps. Wir lernen C besser kennen. Er ist ein Sportlehrer aus der Pfalz und er will den E5 sogar noch bis ans Ende nach Verona gehen. C feiert seine Alpenüberquerung mit relativ viel Weizenbier und Weißwein wie wir beobachten können.
Die nächste Etappe führt über St.Leonhard zur Pfandler Alm. Aufgrund der Knieprobleme von H planen wir durch die Passerschlucht nach St.Leonhard zu gehen. Von unserer Wirtin erfahren wir, dass der Weg dort angenehmer zu gehen ist. So wird die entspannte 7. Etappe noch entspannter. Wir verabreden uns zum Frühstück und planen morgen als 4er Gruppe gemeinsam zu laufen. Fortsetzung folgt

Werbeanzeigen

5 Kommentare zu “Etappe 6: Talhütte Zwieselstein – Moos in Passeier

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s