Das Krematorium

Von erloschenen Feuern und ungewohnten Gefühlen.

Achtung, Achtung! Es folgt außergewöhnlich viel Text. 🙂
In Anbetracht der Location will ich nicht nur cool die Bilder reinwerfen, sondern kurz auf mein Empfinden und das Herzklopfen an einen solchem Ort eingehen.
Dieses Krematorium war reichlich 80 Jahre in Betrieb. Während dieser Zeit wurden hier über 100.000 Verstorbene eingeäschert.

Wo ist bei Urbex-Fotos die Grenze?
Kann man unter diesem Begriff alles fotografieren/zeigen?! … Geschmackssache?? Nee, lass ich nicht als Antwort gelten. Das harmloseste Urbex-Foto soll für den einen oder anderen schon geschmacklos sein. …hab ich gehört. 🙂
Urban Exploring, also das Erforschen von verlassenen Einrichtungen, kann man da eine genaue Grenze des „sehenswerten“ ziehen? Der leerstehende Betrieb an der Ecke ist sicher noch OK. …und das alte Kinderheim? Der Operationstisch in einer verlassenen Klinik? Oder bei den Familienfotos in einer verlassenen Villa? Die Fixierungsriemen an den Betten einer Kinderpsychiatrie? Oder ein Friedhof auf dem 60 Jahre keiner mehr war? Ein Krematorium? Als „Urbexer“ will man sowas unbedingt in seinem Portfolio haben! So kommt es auch, dass ich die Koordinaten dieses Krematoriums schon 2 Jahre habe. Immer mit der Absicht, DAS MUSS! Und letztlich bin ich losgefahren um dieser Location einen Besuch abzustatten.

Für mich gibt es kaum einen anderen Ort, der mehr mit menschlicher Trauer und menschlichem Leid zu tun hat als ein Krematorium. Diese Besonderheit war mir diesmal mehr bewusst, als bei jeder anderen Location bisher.
Bei der „Anfahrt“ und dem Betreten ließ sich dieses bedrückende Gefühl noch recht gut verdrängen. Bis hierher war ja alles wie immer. Das Gebäude gliedert sich in drei Ebenen. Die Halle für die Abschiednahme in der 1. Etage. DER Mittelpunkt, ganz ohne Zweifel, ist die Schachtabdeckung der Versenkungsanlage für die Särge. Es gibt reichlich Tageslicht. Eine Empore, sonst nur Staub und Dreck. Von der Verhältnissen her kenne ich dies und lege mit den Fotos los.
Eine Etage tiefer sieht es in Sachen Tageslicht schon arg … suboptimal aus. Ein Lichthof beleuchtet ein Stück Gang von dem die Kühlkammern abgehen.  Dann wird es dunkel. Direkt unter der Versenkungsanlage beginnen in den Boden eingelassene  Schienen. Diese führen den Gang weiter entlang bis … TASCHENLAMPE! Ohne geht`s hier definitiv nicht mehr. Am anderen Ende sind zwei Öfen. Riesige Öfen mit ebenso großen Türen, die sich auch noch öffnen lassen. Vor einem steht ein massiver Einführwagen. Und hier beginnt der Film im Kopf. Lange Belichtungszeiten der Kamera und „taschenlampenwedeln“. Währenddessen versuche ich mir immer den Gedanken zu verbieten, wie es hier „in Betrieb“ zuging. – Zwecklos! Alles was mir als ein Motiv erscheint wird abgelichtet. Schalter, Hebel, Amaturen. Als Laie dachte ich an dieser Stelle, ich habe hier alles. Was soll unten schon noch sein?! Im Nachhinein fast logisch, die Öfen gehen über 2 Etagen! Im Keller wird sozusagen „ausgekehrt“.

Als erstes fällt der Schein meiner Taschenlampe auf mehrere Hundert leere Kunststoffurnen. Daneben liegen unzähliche Schamottemarken auf dem Boden verstreut. Diese nummerierten Marken kommen mit den Verstorbenen gemeinsam in den Verbrennungsofen, um später die Asche richtig zuordnen zu können. Bei diesen Schamottemarken lag ein mit Datum und Namen beschrifteter Urnendeckel. …na klasse, was liegt der hier noch rum??? Was mich am meisten berührt hat, sind die Reste in den Behältern der Verbrennung und im Schacht selber. Außer rostigen Sargnägeln waren hier noch Spuren sterblicher Überreste enthalten. Hier im Keller des Krematoriums habe ich leider auch kein anständiges Bild zustande bekommen. Vergessene oder ganz unsinnige Belichtungsreihen bezeugen mein Unwohlsein. Ärgerlich im Nachhinein! Ich musste ja aber auch unbedingt wieder allein zu so einer Location fahren.

Ich bin froh, dass ich jetzt das Krematorium in meinem Portfolio habe! Ich habe mich entschieden keine Bilder wegzulassen. Morbide hin, morbide her. Falls sich die Gelegenheit noch ein weiteres Mal bietet, werde ich auch diese wieder nutzen.

PS: Bitte wie immer keine Ortsangaben in den Kommentaren!!!

PPS: Ich habe keinen einzigen Stuhl gefunden. (insider)

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Das Dorf der Untoten

Wir fahren in ein verstecktes Dorf. Der Ort hat geschätzte 30 Häuser und etwa die Hälfte davon ist verfallen.
Wir sehen hier in der Einöde, in der Fremde auffallen, keine Menschenseele.
Dafür vor fast jedem Haus einen Hund. Unter anderem Weht auch durch die Dorfkirche nur noch der Wind. Die Türen stehen weit offen. Geplündert wurde die Kirche sicher schon vor langem. So ist fast nichts übrig vom einstigem Inventar. Das Umfeld wirkt fast gepflegt. Ein seltsamer Anblick zwischen all den eingestürzten Häusern.

Am verwunderlichsten ist aber dass der einzigste Friedhof im Ort … verlassen ist. Ein Friedhof der „Urbex“ ist. Hier ist seit über 60 Jahre lang niemand beerdigt worden.

Das allererste Mal

S25Der 10. „Jahrestag“ dieses Fotos ist ebenso unbemerkt an mir vorübergegangen, wie die Erinnerungen an diese Bilder selbst. DAS ist es also! Mein erstes „Urbex-Foto“! Aufgenommen am 6. Februar 2004. Das Negativ Nummer 1!  Vor 10 Jahren hab ich noch keine Ahnung gehabt was HDR ist, geschweige denn was Urban Exploration bedeutet. Damals (oh shice das klingt Alt) hab ich noch gedacht, dass es mir Spaß macht Leute zu fotografieren. Die maroden Gebäude dienten nur als Kulisse. So kommt es auch, dass es kaum eine Aufnahme ohne Menschen gibt.

Mittlerweile sind mir die Aufnahmen (die gezeigten sind nur die „normalsten“) fast schon peinlich. So wie ich die Person auf den Bildern vergessen habe, werde ich auch den Rest der Bilder schnell wieder vergessen.

Übrigens habe ich im Jahr 2004 vier mal in Ruinen Fotos gemacht. Eine davon, die Erste, steht heute noch. Schon bei der vierten Location habe ich auf die Person im Bild verzichtet. Die erste Serie die ich auch „Urbex“ nennen würde war 2005.

Die Kirche

Morgens halb acht in Deutschland. 3 Fotografen fahren los um wenigstens einmal im Jahr eine Kirche zu besuchen. Endlich angekommen, betreten wir die Kirche und finden diese leer und verlassen. Scheinbar haben wir den Gottesdienst knapp verpasst. … so etwa 75 Jahre. So lang ist es schon her dass diese Kirche nicht mehr für ihren eigentlichen Zweck genutzt wurde. Der gute Zustand des „Hauses“ ist der recht ungewöhnlichen Nachnutzung zu verdanken. Seit 1991 steht die Kirche entgültig leer. Übrigens kam während unserer Fotorunde durch das Gebäude der Pfarrer doch noch einmal kurz vorbei. Ziemlich wortloser Typ … aber recht nett … hat uns beim verlassen der Kirche noch winkend verabschiedet. 😉